Ironische Nudeln, gehörnte Gesellschaften und eine Künstlerin mit Zukunft

Lisa-Marie Köster freut sich über ihre erste eigene Ausstellung – im Hintergrund die Nudel. (Foto: Svenja Steinseifer)

Vernissage von Lisa-Marie Köster eröffnet Ausstellung im Rathaus Großburgwedel

GROSSBURGWEDEL (svs). „Ich wusste nicht, dass es eine Nudel ist“, betrachtete Kunstprofessor Frank Popp die „Spirelli“, „ich habe es eher als glühendes Objekt oder geisterhafte Erscheinung empfunden.“ So die Beschreibung des Lieblingsbilds des Professors. Lisa-Marie Kösters Werke beeindrucken mit winzigen Details und ungewöhnlichen Ideen. Der Nudel gebe der „geisterhaften Erscheinung eine komische Note“.
Sie liegt inmitten eines riesigen Orangenbergs, um sie herum der Markttrubel von Ghana. Lärm und Gewusel scheinen sie nicht weiter zu stören – die Afrikanerin schläft. Mitten in ihren Orangen. „Das ist einfach eine tolle Momentaufnahme“, sagt Künstlerin Lisa-Marie Köster. Mit rund 30 Fotografien, Illustrationen und Malereien eröffnete die Wahl-Hamburgerin am vergangenen Sonntag ihre erste eigene Ausstellung mit einer Vernissage. Menschenbezogen, figürlich illustrativ seien ihre Werke und sie erzählen immer eine Geschichte. Wie die der schlafenden Frau auf dem Markt.
„Das passiert eher zufällig“, erzählt die angehende Fotografin, „ich fange keine Bild und denke, da muss man eine Geschichte zu stricken können.“ Einen Gegenstand oder Menschen so abzubilden, wie er in Wirklichkeit aussieht, das sei für sie „die Kunst in der Kunst“. So wie das 1,50 Meter mal 2,30 Meter große Weinglas. „Einfach toll, einfach schön“, findet Bernd Hofmann, „auch die Themenwahl ist interessant“. „
Lisa-Marie Kösters Laufbahn habe schon sehr früh begonnen. „Sie hat immer sehr gegenständlich gemalt“, erinnert sich ihre Mutter Gaby Köster, „damals schon.“ Wie das Regenbild, welches sie in exakter Kopie in der Holzoberfläche des Wohnzimmertischs wiederfand. Besonders gut gefalle ihr die Gesha mit dem Echsenschwanz. „Sie strahlt so eine Anmut und Grazie aus“, beschreibt Köster, „und man sieht so viele winzige Details.“
Um Details gehe es auch bei der „gehörnten Gesellschaft“. Über einen Monat lang pinselte Lisa-Marie Köster feinste Härchen und Faltenwürfe – denn die Herrschaften tragen neben eleganter Abendgarderobe Ziegenköpfe. Es ist Lisa-Marie Kösters persönliches Lieblingsbild. „Wahrscheinlich weil ich so lange daran gemalt habe“, sagt die studierte Illustrationsdesignerin, „mit dem feinsten Pinsel, damit Fell auch aussieht wie Fell.“
„Ich finde es beeindruckend, Ideen so umzusetzen“, sagt Bernd Hofmann. Außerdem sei es schön, im Großburgwedeler Rathaus auszustellen. „Alle Bilder an einem Platz versammelt zu sehen, ist ein tolles Gefühl“, freut sich die Künstlerin. „Hier hat alles angefangen.“ Gebürtig stammt Lisa-Marie Köster aus Großburgwedel. „Sehr beeindruckend“, findet auch Monika Wolf die ausgestellten Werke. „Besonders gefallen mir die afrikanischen Fotografien.“
Prof. Frank Popp bleibt bei der Nudel. Die warmen Farben und das Tuch ließen das Bild „mystisch wirken“, eine „faszinierende Erscheinung“. „Grundsätzlich kann man das Malen nach fotografischen Vorlagen in Frage stellen“, sagt Popp, „ich würde mich freuen wenn sie mehr von ihren Vorlagen abrückt.“ Der Kritik zum Trotz bescheinigt er der jungen Künstlerin Talent und Vielseitigkeit. Denn in einem ist er sich ganz sicher: „Von Lisa-Marie Köster haben wir noch ganz viel zu erwarten!“
Die Ausstellung von Lisa-Marie Köster kann zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses im 1. Stock noch bis zum 28. Oktober besucht werden: Montag, Dienstag von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr, Mittwoch, Freitag von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr sowie Donnerstag von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr.