Innovative OP-Technik im Klinikum

Chefarzt Prof. Dr. Reinhard Fremerey erläutert die Funktionsweise des Mako-Robotersystems.
 
Wie ein Spurhalteassistent im Auto: Oberarzt Michael Frömel (links) zeigt seinem Patienten Ronald Schäfer wie der Roboterarm zu führen ist.

Krankenhaus Großburgwedel setzt auf High-Tech Gelenkersatz

Großburgwedel (bs). Ein neues Knie bekommen und nach gerade einmal sechs Wochen wieder komplett berufstätig? Diese Erfahrung machte der 55-jährige Ronald Schäfer aus Nienburg, der sich am KRH Klinikum Großburgwedel mit dem neuen Robotersystem operieren ließ.
Das Krankenhaus Großburgwedel ist eine der führenden Kliniken in Deutschland, das die höchstpräzise Gelenkoperation unter Einsatz des MAKO-Robotersystems anbietet. Diese Technik erlaubt millimetergenaue Präzision beim Einsetzen von Hüft-, Knie- und Teilknie-Prothesen.
„Etwa 95 Prozent der Hüftprothesen werden in Deutschland ohne Roboterhilfe eingesetzt, das heißt nur mit Hammer, Säge und der Augenkraft des Operateurs“, erläutert Chefarzt Prof. Dr. Rainhard Fremerey. Doch das menschliche Auge sei nur begrenzt präzise. Daher seien 20 bis 30 Prozent der Patienten nicht zufrieden, denn bei der Anpassung eines künstlichen Gelenks komme es auf jeden Millimeter an.
Seit 2014 setzt das KRH (Klinikum Region Hannover) bei Kniegelenkoperationen einen Roboterarm ein. Seit 2019 kann diese Technik auch beim Einsetzen von künstlichen Hüftgelenken genutzt werden. „Dabei führt immer noch die Hand des Operateurs die Säge, der Roboterarm verhindert nur das Abweichen von einem vorher definierten Bereich. In etwa so wie ein Spurhalteassistent im Auto“, erklärt Oberarzt Michael Frömel, einer der beiden Hauptoperateure.
Vor der Operation wird eine Computertomografie des Gelenks gemacht. Die Aufnahme ist dann als 3-D-Modell auf einem Bildschirm im OP-Saal zu sehen. Die roboter- und navigationsbasierte MAKO-Technik zeigt dabei mit farblichen Markierungen in Echtzeit an, welcher Bereich des Knochens entfernt und was erhalten bleiben muss.
„Beim Sägen mit der Hand haben wir im Durchschnitt eine Abweichung von ein bis zwei Grad“, so Michael Frömel. Das Robotersystem weiche lediglich maximal 0,1 Millimeter und 0,1 Grad ab. In der Praxis bedeute dies, mehr Knochenerhalt und weniger Weichteilverletzungen. „Die Schnitte sind genauer und das künstliche Gelenk wird maßgeschneidert angepasst“, erläutert Frömel. Für die Patienten bedeute dies weniger Schmerzen nach dem Eingriff und weniger Physiotherapie.
Diese Aussage können die Patienten Ronald Schäfer aus Nienburg und Per Ulrich aus Hannover bestätigen. „Nach einer Woche Reha konnte ich schon nach Hause gehen“, freute sich Schäfer, der in den kommenden Wochen auch sein zweites Knie mit der MAKO-Technik operieren lassen wird. „Ich habe ein Teil-Knie erhalten und war schon nach dreieinhalb Wochen wieder fit“, berichtete Per Ulrich und betonte, „für diese OP-Methode würde ich mich jederzeit wieder entscheiden“.
Rund 350 gesetzlich wie auch privat versicherte Patienten operieren die Orthopäden mit dem MAKO-Robotersystem pro Jahr im Krankenhaus Großburgwedel - Tendenz steigend. Nur 25 Kliniken bundesweit bieten diese Behandlung an, denn das System hat seinen Preis. Rund 1,5 Millionen Euro hat das KRH dafür in die Hand genommen.
Im Juni plant das Klinikum Region Hannover eine Patienteninformationsveranstaltung zu dieser Technik im Videostream.