Innenstadtkonzept Großburgwedel

Ein- und Ausparken über den Gehweg: Die Parksituation an der Hannoverschen Straße sehen die Planer kritisch.
 
Mangelnde Aufenthaltsqualität: "Was soll man da eigentlich?" fragen die Planer angesichts der Pflaster- und Parkflächen auf dem Alten Markt.

Förderantrag auf Stadtumbau beim Land Niedersachsen ist gestellt – Bürgerbeteiligung erwünscht – Versammlung am 4. September

GROSSBURGWEDEL (bgp). Die Stadt hat für Großburgwedel einen Antrag auf Förderung der Innenstadtsanierung beim Land Niedersachsen gestellt. Am vergangenen Dienstag bekam der Rat die wesentlichen Inhalte des Förderantrages vom Planungsteam der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) und plan-werkstadt vorgestellt. Das Areal reicht vom Rathaus bis zum Mitteldorf auf der Ost-West-Achse, im Norden begrenzt das Von-Alten-Karree die Zone bis hin zur Seniorenbegegnungsstätte in der Gartenstraße als südlichster Bereich. Das ausgewählte Gebiet für den Antrag umfasst rund 20 Hektar.

Die Fachleute veranschlagen 14 Millionen Euro für das über 10 Jahre laufende Sanierungsprojekt. Bei Antragsbewilligung werden die finanziellen Lasten zu gleichen Teilen auf Bund, Land und Stadt verteilt. DSK-Stadtplanerin Catharina Hagemann rechnet für die Maßnahme mit rund 380 000 Euro pro Jahr, die im Burgwedeler Haushalt berücksichtigt werden müssen. Dazu kämen Erlöse aus mehreren Grundstücksverkäufen. Der Rat sprach sich einstimmig dafür aus, den Eigenanteil für die Sanierungskosten im Haushalt einzustellen.

Problemzonen in der Innenstadt

Nach der Präsentation der vorbereitenden Untersuchung im Frühjahr legte Heike Wohltmann von plan-Werkstatt in der Ratssitzung mit Details aus dem Förderantrag nach. „Die Aufenthaltsqualität lässt an vielen Stellen zu wünschen übrig“, sagte Wohltmann und nannte den alten Marktplatz, der außer „Parkplätzen und Pflaster“ keinen weiteren Reiz ausübe. Das werfe die Frage auf: „Was soll man da eigentlich?“

Der Amtshof sei ein attraktives kulturelles Zentrum, das von vielen Parkplätzen umrundet sei. Die Stellplätze seien durch hohe Hecken voneinander abgetrennt, was gerade in der dunklen Jahreszeit vor allem bei Frauen für ein ungutes Gefühl sorge, bemängelte das Planungsteam. Kritisch sei auch die Parksituation an der Hannoverschen Straße vor der Apotheke. Die Fahrzeuge müssten den Fußweg überqueren, um auf den Parkplatz oder die Straße zu gelangen. Eine ähnliche Gemengelage sei auch an anderen Stellen aufgefallen. In vielen Bereichen seien die Gehwege außerdem zu schmal, die Begegnung von mehreren Fußgängern sehr schwierig.

Von-Alten-Straße nicht klar gegliedert

Eine gute Beschilderung, offen erkennbare Wegführung und Aufenthaltsqualität vermissen die Planer in der Von-Alten-Straße. „Dort ist nicht klar erkennbar, ob es sich um eine Fußgängerzone oder eine Straße mit Autoverkehr handelt“, so Wohltmann. Die Pflasterung in der breiten Mittelrinne sei sehr grob. Sie passe zwar zur Stadt, sei jedoch für Menschen mit „Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen“ nicht barrierefrei. Die Wegebeziehungen seien unübersichtlich, die Durchgänge in der Von-Alten-Straße nicht gut auffindbar. Wer sich dort nicht auskenne, habe Schwierigkeiten mit der Orientierung. Fasziniert habe das große Angebot an Gesundheitsleistungen im Innenstadtbereich, daher bestehe gerade in punkto Barrierefreiheit „Handlungsbedarf“.
Wohltmann regte an, sich außerdem Gedanken darüber zu machen, welche Nutzungen es noch gebe, um mehr Menschen ins Zentrum zu ziehen.

Rathaus abgetrennt – SBS nicht zentral

Das Rathaus sei zentrale Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, werde jedoch von der Innenstadt durch die Fuhrberger Straße abgetrennt. Das Gelände sei unübersichtlich und habe „Rückseitencharakter“. Wohltmann bezeichnete die Lage der Parkplätze und die Mauer vor dem Eingangsbereich als „unbefriedigend“. Im Hinblick auf das angrenzende Gelände des Klinikums erklärte sie: „Das wurde erst einmal ausgelassen, da wohl in den nächsten 7 bis 10 Jahren kein Umzug stattfindet“. Im Änderungsfall sei es durchaus möglich, das Fördergebiet um das Klinikareal zu erweitern.
Die Seniorenbegegnungsstätte (SBS) in der Gartenstraße mache „einen maroden Eindruck“, erklärte die Fachplanerin. Negativ aufgefallen sei auch der Eingang mit einer mehrstufigen Treppe am älteren Gebäudetrakt daneben. Die Lage sei etwas abseits, daher solle man über einen zentraler gelegenen Standort nachdenken, empfahl Wohltmann.

Einige Ratsmitglieder monierten die negative Darstellung in dem Förderantrag, doch Stadtplanerin Hagemann verdeutlichte, dass die Stadt in großer Konkurrenz zu anderen Kommunen stünde. Um die Fördergelder zu bekommen, müssten die negativen Punkte herausgestellt werden, sonst sei der Antrag nicht „zielführend“. Der nächste Schritt sei die Ortsbegehung durch eine Delegation des Landes noch in diesem Herbst, danach werde entschieden. Sollte der Antrag im „Förderprogramm Stadtumbau“ positiv beschieden werden, würden Grundstückseigentümer und Anwohner weder an den Sanierungskosten beteiligt noch gebe es einen Eintrag auf Sanierungsvorbehalt im Grundbuch. Zusätzliche Abschreibungsmöglichkeiten würden für sie allerdings entfallen.

Die Stadt lädt zu einer Bürgerversammlung am Mittwoch, 4. September 2019, um 18.00 Uhr in den Amtshof in Großburgwedel ein. Dort wird über den Fortgang des Projektes berichtet sowie Anregungen und Wünsche entgegen genommen.