Immer mehr Jugendliche nehmen Hilfe in Anspruch

Immer mehr Jugendliche nehmen Hilfe in Anspruch berichtete Hans-Jürgen Herrmann, Leiter der Lebensberatungsstelle in Isernhagen FB. (Foto: Renate Tiffe)

Neues Problemfeld für die Lebensberatungsstelle in Isernhagen

BURGWEDEL/ISERNHAGEN FB (ti). Die Lebensberatungsstelle in Isernhagen FB ist eine psychosoziale Einrichtung, die sich die Kommunen Burgwedel, Isernhagen und Wedemark gemeinsam leisten, um ihren Bürgerinnen und Bürgern in persönlichen Notlagen eine schnell zur Verfügung Anlaufstelle zu bieten.
Kontinuierlich steigende Klientenzahlen bestätigen die Notwendigkeit. So wie das Leben sich ständig verändert, ändern sich auch die Problemfelder, die von dem Beratungsteam erkannt und aufgegriffen werden. Seit einiger Zeit sind es zunehmend Jugendliche, die um Hilfe ersuchen.
Es ist nicht nur die Zeit um die Halbjahrszeugnisse herum, die den einen oder anderen veranlassen, zum Telefonhörer zu greifen, oder in den Sprechstunden zu erscheinen, die es in allen drei Kommunen gibt. Hans-Jürgen Herrmann, der Leiter der Einrichtung, kann ohne Weiteres 15 Fälle von 14- bis 20-Jährigen aufzählen, die zuletzt 2013 Interesse an einer Einzelberatung zeigten. Und es sind schwerwiegende Probleme. „Um mich kümmert sich keiner“, ist nicht nur so daher gesagt, wenn ein Pubertierender in die Beratungsstelle kommt. Einige der Jugendlichen fühlen sich der Verantwortung nicht gewachsen, in die sie hineingestoßen werden. Die Ansprache in den Familien nimmt ab, beobachtet Herrmann. Die Heranwachsenden fühlen sich nicht mehr wahrgenommen. Oft spielen Scheidung oder Trennung der Eltern eine wesentliche Rolle. Es sind aber auch sozusagen alltägliche Fälle von Facebook-Mobbing oder Schwierigkeiten untereinander die eine Rolle spielen. Jugendliche aus Migrationsfamilien sind dabei. Immer handele es sich um real wichtige Beziehungen, die helfen sollen, sich in der Welt zurechtzufinden.
Dass Jugendliche von sich aus Kontakt zur Lebensberatungsstelle aufnehmen, habe es bisher kaum gegeben, blickt Herrmann zurück. Wenn überhaupt seien sie bestenfalls im Schlepptau der Eltern erschienen.
Wie haben er und sein Beraterteam sich auf diese neue Aufgabe eingestellt? Im Rahmen ihrer Kriseninterventionsarbeit bieten die Sozialpädagogin Ingun Kiklas-Volkmann und die Diplom-Sozialwissenschaftlerin Gabriele Steinberg kurzfristig erste Gesprächstermine an. Es gehe um Information, Absprachen und Treffen. Konsequent werde Wert darauf gelegt, dass Termine genau eingehalten werden. Den Jugendlichen wird ziemlich schnell klargemacht, dass sie selbst aktiv werden müssen, wenn sie ihr Leben in den Griff bekommen wollen. Vermittelt wird ihnen dabei: „Wir interessieren uns für Dich“, „wir nehmen Deine Ängste ernst“, „wir zeigen Dir aus unserer Erfahrung heraus Hilfen auf“. Hilfen von außerhalb werden dabei einbezogen, die Eltern, die Schule, auch die Jugendhilfe. „Wir wollen die Jugendlichen nicht an die Hand nehmen, sondern ihnen zeigen, was sie selber machen können, welche Kapazitäten sie selbst zur Verfügung haben“, so Herrmann. Eins allerdings werde fast immer verwehrt: die Unterstützung, wenn Jugendliche von zu Hause ausziehen wollen. Da habe es vor Jahren einmal eine regelrechte Welle gegeben. „Wir machen keine Gefälligkeitsgutachten“.
Einmal in der Woche, jeweils Donnerstag von 17.00 bis 18.00 Uhr sind die Mitarbeiter der Lebensberatungsstelle jeweils vor Ort anzutreffen, und zwar: in Burgwedel im Haus neben der Seniorenbegegnungsstätte, in Altwarmbüchen im Raum 113 des Rathauses und im Raum 108 des Rathauses in Mellendorf.