Im Ernstfall ist es für einen Grundfahrplan zu spät

Übersicht behalten – hier hätte es im Ernstfall gebrannt. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Mit Schere und Spreizer kämpfen sich die Feuerwehrleute zur Blackbox vor. (Foto: Svenja Steinseifer)

Großübung der Feuerwehr Region Hannover/Trümmerfeld im Burgdorfer Holz

Burgdorf (svs).Trümmerteile in der Innenstadt. Brennende Häuser. Menschen in Panik. Suchtrupps durchstreifen das Burgdorfer Holz. Die Besatzung der abgestürzten russischen Frachtmaschine wird vermisst. Waldbrände blockieren die Wege. Ein Horrorszenario. Zwar ein fiktives, aber ein mögliches – auf das die Feuerwehren vorbereitet sein müssen. Damit im Ernstfall nicht das Chaos ausbricht.
Flugzeugabsturz über dem Burgdorfer Holz. Es brennt. Menschen werden vermisst. Mehr wissen die Kameraden nicht. „Wir fahren jetzt in blindes Gebiet“, sagt Einsatzleiter Horst Holderith. Was genau die Feuerwehren aus Burgwedel, Isernhagen, Langenhagen und der Wedemark erwartet, weiß nur Peter Nicks. Er hat die Umstände des Horrorszenarios kreiert. 130 Feuerwehrkameraden sind mit 29 Fahrzeugen während der Großübung im Einsatz. Um mit einem „Grundplan, einer Grundstruktur und einer guten Organisation“ für reale Katastrophen gerüstet zu sein.
Kommen die Einsatzkräfte sicher aus dem Einsatzgebiet wieder heraus? Sind Wege versperrt, überhaupt befahrbar? Woher Wasser nehmen? Und wie steht der Wind? Fragen, die von einem „Vortrupp“ geklärt werden, bevor die einzelnen Züge von der Einsatzleitung in die jeweiligen Schadensgebiete geschickt werden können. „Im Ernstfall kann es passieren, dass der Wind dreht“, weiß der Erste Hauptbrandmeister Burgdorfs, „und die Kameraden vom Feuer eingeschlossen werden“. Momentan weht Nordwestwind und der erste Zug rückt aus zum „Großen Stern“. Hier vermutet die Einsatzleitung die abgesprungene Besatzung.
Während die einen schweres Rettungsgerät vorbereiten, schwärmen die anderen aus um nach weiteren Verletzten und den sechs Männern zu suchen. Mit „Schere“ und „Spreizer“ arbeiten sich die Feuerwehrleute durch das Cockpit der vermeintlichen Unglücksmaschine. Stellvertretend für das russische Flugzeug nehmen die Kameraden einen VW-Polo auseinander, versteckt in einem Container. „Hier muss die Blackbox geborgen werden“, erklärt Nicks, „um die Daten hinterher auswerten zu können“. Zur Ursachenforschung.
Heute symbolisieren ausnahmsweise lediglich Kleidungsstücke die „Opfer“. „Wir haben eine ganz neue Führungsgruppe“, sagt Nicks. Neue Technik, ein neuer Bereitschaftsleiter – neue Zusammensetzung der Züge. Von vorne herein habe er Verzögerungen eingeplant. Um Menschen tatsächlich zu verstecken, sei die Zeitspanne zu lang. Ganz bewusst habe Nicks Westen und Stiefel im Burgdorfer Holz und nicht in Burgwedel verteilt. „Wenn ich etwas direkt vor meiner Haustür mache, kenn ich mich aus“, erklärt er. Es gehe darum, vor allem auch in fremden Gebieten zurecht zu kommen. Währenddessen wird tiefer im Wald der mit Flatterband markierte imaginäre Flächenbrand bekämpft. Schläuche ausrollen über eine große Wegstrecke und das schnell.
Allen organisatorischen Widrigkeiten zum Trotz leisten die Kameraden vor Ort gute Arbeit, Peter Nicks zeigt sich zufrieden. „Die Blackbox ist geborgen, die Verletzten wurden gefunden, die Brände sind bekämpft“, sagt er nach einem anstrengenden, zehnstündigen Einsatz. Jedes Jahr werde ein solcher Großeinsatz simuliert. „Würde das hier wirklich so passieren – in der Bevölkerung würde das Chaos ausbrechen“, weiß Nicks. Vor allem in der betroffenen Innenstadt hätten es die Kameraden mit panischen Menschen, Verletzten, Vermissten und brennenden Wohngebieten zu tun.
Für einen Plan sei es dann viel zu spät.