Holzspielzeug ohne Mindestlaufzeit und USB-Anschluss

Andreas Textores stellt auch in der Fuhrberger Straße in Großburgwedel verschiedene Arbeiten aus. (Foto: Svenja Steinseifer)

Gute Resonanz auf die Kunsttage in Burgwedel

GROSSBURGWEDEL (svs). Ob Raku-Brand aus Japan, in Stein gehauene Bergdörfer oder ganze Lebensgeschichten in liebevoll gestalteten Büchern – Stoff zum Stöbern satt gab es bei den Kunsttagen im Schulzentrum Großburgwedel. Und zum entdecken.
„Na das ist für mich – da steht doch Merlin drauf!“ Eifrig knüpfte der 7-Jährige an seinem Armband am Stand von „Damanas-kreatives Gestalten“. Schwierig fand er das nicht. „Nö das ist ganz einfach“, sagte er und legte los. Faden von links nach rechts und durch die Mitte – fertig. Nicht nur „was“, sondern auch „wie“ und „warum“ etwas entsteht, präsentierten 80 Hobby- und Profikünstler auf den Kunsttagen am vergangenen Wochenende im Schulzentrum Burgwedel.
Die Idee für die filigran in Stein gemeißelten Häuschen von Bildhauer und Steinmetzmeister Andreas Textores entstammt einem Italienurlaub. „Die haben da so schöne Bergdörfer“, sagte der Künstler, „da hab ich gedacht, sowas muss ich auch mal machen.“ Vier Tage meißelt der ehemalige Geschichts- und Politikstudent im Durchschnitt Häuser aus dem Stein, bis ein Wasserspiel fertig ist. Und genau das macht für ihn die Faszination aus: „Beim Studieren habe ich Zeit investiert, hatte aber nie ein Produkt“, sagte Textores.
Bei Irmel Watermeyer kommt es auf die Chemie an. Im 13. Jahrhundert fertigte man mit Raku-Brand Teetassen. „Mich fasziniert diese außergewöhnliche Technik“, erläuterte die Künstlerin, die all ihre Objekte zunächst aus Ton modelliert und mit einer Spezialglasur lasiert. „Die kommen dann in einen speziellen Raku-Ofen“, erklärte Watermeyer. Direkt nach dem Brennen kommen sie ins Sägemehl, das sofort Feuer fängt und den Raku-Brand ausmacht. Seit 18 Jahren verfeinert die Künstlerin aus dem Raum Hildesheim ihre Technik. „Für eine große Steele brauche ich drei Wochen“, sagte sie. Und was heißt Raku? „Raku heißt schön!“
Nicht immer schön, auch traurig, sind die Lebensgeschichten, die Silvia Kreye im Auftrag schreibt. Sie finden ihren Platz in selbst gebundenen und liebevoll gestalteten Büchern. „Ich war ein Jahr bei einem Buchbinder“, erzählte die Autorin und Künstlerin aus Elze, „das hat mich nicht mehr losgelassen!“ Genauso wie einige Geschichten, die sie schon aufgeschrieben hat. „Ich hatte mal einen begnadeten Maler, der unbedingt Künstler werden wollte“, erinnert sich Kreye, „aber er musste nach dem Reichserbhofgesetz Bauer werden!“
Möglichst viele verschiedene Kunstrichtungen vorzustellen, darum geht es Mario Giovelli von der Agentur „Stadt Events“. „Wir möchten, dass unsere Besucher die Arbeit der Künstler auch zu schätzen wissen“, sagte Giovelli, der mit der Resonanz der Burgwedeler sehr zufrieden ist. Über 1000 Besucher kamen, um zu stöbern, zu entdecken, um auszuprobieren und um zu „fachsimpeln“.
Am Stand von Holzdrechsler Herbert Kmietsch gibt es „Haue“. Für den kleinen Holzkreisel, genannt „Pindopp“. „Ich möchte den Kindern wieder was von dem alten Spielzeug beibringen“, sagte Schmieder, „ohne Mindestlaufzeit und ohne USB-Anschluss!“ Seit er nicht mehr im Vertrieb arbeitet, hat sich der Hildesheimer ganz dem Drechseln verschrieben. Er drechselt Spielzeug und praktische Dinge aus dem Haushalt, die „seiner Frau so einfallen“. „Viele kommen auch zu mir und sagen mein Pott hat keinen Deckel mehr!“, berichtete Schmieder lachend.
Für Mario Giovelli sind die Steinmetzarbeiten von Andreas Textores ein echtes Highlight. Und am Stand gegenüber legt Thomas Thiel aus Bremen Wert auf Einzigartigkeit „Ich bin darauf gekommen, dass man aus Edelstahl mehr machen kann als Treppengeländer“, sagte Thiel. Aus einem Stein und selbst geformtem Edelstahl fertigt er putzige Vögel mit großen Glasaugen. Acht Stunden braucht er für ein Tier und ist erst zufrieden, wenn keines so aussieht wie sein Vorgänger. Aber alle schauen auf die steinernen Dörfer von Andreas Textores. Drollig. Oder nachdenklich. Je nachdem.