Hohe Nitratwerte in Wettmar

Großer Andrang am VSR-Labormobil in Großburgwedel auf dem Domfrontplatz.
 
Harald Gülzow beim Analysieren im Labormobil. (Foto: Gerhard Seybert)

Jede 12. Wasserprobe liegt über dem Trinkwasser-Grenzwert

Von Birgit Schröder

BURGWEDEL/ISERNHAGEN. Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Juni am Labormobil auf dem Domfrontplatz in Großburgwedel abgegeben wurden. Insgesamt 117 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen nahmen Lina Remme, Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst, und Harald Gülzow, Projektleiter, aus dem Gebiet Burgwedel - Isernhagen für die Untersuchung entgegen.
„Die große Anzahl der Proben hat uns schon sehr erstaunt“, erklärte VSR-Projektleiter Gülzow. Im Durchschnitt würden etwa 40 bis 50 Proben am Labormobil abgegeben und auch gleich untersucht. „Diesen Service konnten wir in Burgwedel nur sehr eingeschränkt anbieten, weil der Andrang so groß war, dass wir allein mit der Entgegennahme der Proben schon alle Hände voll zu tun hatten“, so der Projektleiter.
In jeder zwölften untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Auffällig war, dass die Brunnen im Ortsgebiet von Großburgwedel alle den Grenzwert einhielten. Mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Engensen mit 82 Milligramm pro Liter (mg/l), in Wettmar mit 112 mg/l und in Isernhagen FB mit 115 mg/l fest.
Dieses Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet und darf keinesfalls für den Swimmingpool genutzt werden.
Wichtig ist außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbenen Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen.
Nitratbelastetes Grundwasser führt beim Bewässern zu einer zusätzlichen Düngung. Diese muss in die Berechnung über den Stickstoffbedarf der angebauten Pflanzen miteinbezogen werden. Nur so kann eine Überdüngung und eine Nitratanreicherung in selbstgezogenem Gemüse verhindert werden.
Bürger können dem Verein eine Wasserprobe mit der Post zusenden, falls sie wissen möchten, ob sie auch von der hohen Nitratbelastung betroffen sind. Informationen dazu erhält man auf der Homepage https://www.vsr-gewässerschutz.de/analyse/.
„Ein Grund für die hohen Belastungen ist die intensive Landwirtschaft“, so der Verein VSR Gewässerschutz. Diese habe sich in den letzten 10 Jahren immer weiter ausgebreitet. Der ökologische Landbau hingegen habe in diesem Zeitaum kaum wachsen können.
„Mit dem Hinweis aus dem Umweltministerium, dass ja unser Trinkwasser sauber sei und man jetzt vermehrt Wasserproben untersuchen möchte, ist es aber nicht getan“, kommentiert der umweltpolitische Sprecher der grünen Regionsfraktion Hannover Ulrich Schmersow Stellung die Untersuchungsergebnisse. „Schon lange ist bekannt, dass die Grundwasserqualität unter der intensiven Landwirtschaft durch zu viel Dünger leidet und so langsam aber sicher zum Giftwasser wird. Die Massentierhaltung mit ihrer Gülleproduktion gibt dem Wasser und der Natur den Rest.“ Ulrich Schmersow schlägt vor, die Mittel für den Vertragsnaturschutz erheblich zu erhöhen.
Damit würden die Landwirte finanziell belohnt, die auf den Chemiecocktail verzichteten und sich umweltverträglicher verhalten. Darüber hinaus sollten sie durch Beratung ermutigt werden, ihre Betriebe von konventioneller Landwirtschaft auf umweltschonende oder ökologische Bewirtschaftung umzustellen.
Außerdem könne die Region als untere Wasserbehörde ihre Maßnahmen zum Wasserschutz durchaus verstärken. Mehr Gewässerrandstreifen, Renaturierungsmaßnahmen und eine striktere Überwachung wirken sich messbar positiv aus. „Für unser Grundnahrungsmittel Nummer Eins sollten uns alle Anstrengungen und Mittel wert sein!“ fasst Ulrich Schmersow die Situation zusammen.