Heißes Thema Klimaschutz

Dietrich Mörlins (l.) informierte sich bei Avacon-Mitarbeiter Harms Bartölke über technische Möglichkeiten im Bereich der Stromversorgung von kleineren Wohneinheiten. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Dr. Anne Bosum-Dybus nahm Anregungen für klimafreundliche Mobilität am Stand des ADFC mit nach Hause. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Vier Kommunen auf dem „Markt der Möglichkeiten“

GROSSBURGWEDEL (bgp). Die Zeichen des Klimawandels sind in diesem Sommer mit längeren Phasen hoher Temperaturen, monatelanger Trockenheit oder sintflutartigen Regenfällen schon deutlich sichtbar.
Um dem Klimawandel etwas entgegenzustellen, wirbt die Klimaschutzagentur Region Hannover mit Maßnahmen, die alternative Energien fördern. Um den Bürgern der vier Kommunen Burgwedel, Isernhagen, Langenhagen und Wedemark die „Erfolgsstrategien für die Energiewende vor Ort“ vorzustellen, luden die Klimaschützer zur gleichnamigen Veranstaltung im Amtshof Großburgwedel ein.
Geboten wurde ein „Markt der Möglichkeiten“ mit Informationsständen der Vereine, wie ADFC Ortsgruppen, Unternehmen wie Avacon AG, deanGruppe, NaturEnergie Region Hannover eG und teilnehmende Kommunen und Institutionen. Bürgermeister Axel Düker aus Burgwedel, die Erste Gemeinderätin Nicole Jürgensen aus Isernhagen sowie Boris Ehrhardt als Leiter der Abteilung Sicherheit, Ordnung und Umwelt in Langenhagen stellten im Gespräch darüber hinaus die wichtigsten Projekte vor, die zurzeit in ihren Kommunen laufen und welche Erfolge erzielt wurden.
Unter dem Motto „Die Energiewende vor Ort gelingt nur, wenn alle mitmachen“ machten sie im Gespräch mit Klimaschutzagentur-Geschäftsführer Udo Sahling deutlich, dass auch im Kleinen effiziente Maßnahmen möglich sind. So hat die Stadt Burgwedel mit der Modernisierung der Zentralkläranlage den Energiebedarf um ein Drittel von neunhunderttausend auf rund sechshunderttausend Kilowattstunden pro Jahr senken können.
Alle drei Kommunen haben bereits die herkömmliche Straßenbeleuchtung mit Glühlampen gegen LED-Leuchtkörper ausgetauscht. Dieses habe sich auf jeden Fall schon gelohnt, sagte Axel Düker. Auch Isernhagen liegt mit 1200 energiesparenden Straßenleuchten auf der Linie der Klimaschützer, denn diese Maßnahme senkt den jährlichen Strombedarf um etwa sechshundertdreißigtausend Kilowattstunden. Zudem ist Isernhagen bestrebt, die E-Mobilität auszubauen. Die Gemeinde selbst verfügt über drei elektrisch betriebene Fahrzeuge und zwei E-Bikes. Das Netz der Ladestationen soll kontinuierlich verdichtet werden.
Die TU Clausthal stellte das „Erdwärmeprojekt Burgwedel“ vor und informierte über die Aufsuchungserlaubnis im Raum Burgwedel, die am 1. März 2018 durch die zuständige Bergbehörde erteilt wurde. Mit Bohrungen sollen die Ressourcen für geothermische Nutzung in dem Gebiet erkundet werden.
Vor allem die Bürger aus Burgwedel kamen zum Amtshof, um sich ein Bild über die „Energiewende vor Ort“ zu machen. Dietrich Mörlins aus Kleinburgwedel ließ sich von Harms Bartölke, Referent Technischer Vertrieb der Avacon Netz GmbH, über klimafreundliche Stromversorgung in kleineren Wohneinheiten beraten.
Dr. Anne Bosum-Dybus, Lehrerin am Gymnasium Großburgwedel, schaute sich nach umweltfreundlichen Lösungen in der Wärme- und Stromversorgung um. Gerade vor dem Hintergrund der Schulsanierung und dem Neubau sei das sehr spannend. Außerdem interessiere sie sich für Verbesserungen im Fahrradverkehr, sagte sie und steuerte den Stand des ADFC an.
Als langjährige Betreuerin der Umwelt- und Klima AG der Schule hat sie klare Vorstellungen von ihrem Besuch der Veranstaltung: „Ich möchte gerne Kontakte knüpfen, das Netzwerk ausbauen.“ Mit der Klimaschutzagentur habe sie schon länger Kontakt, aber es gebe sicher noch andere interessante Angebote vor Ort, so die Gymnasiallehrerin.
Der Jurist Dr. Hans Pietsch aus Großburgwedel hat während seiner Berufsjahre viel Zeit im Bereich Maschinenbau verbracht. Er schaute sich begeistert an den Infoständen um: „Das ist eine tolle Veranstaltung.“ Pietsch befürwortet viele Klimaschutzmaßnahmen, wünscht sich aber auf politischer Ebene mehr Sachlichkeit und weniger ideologisch geprägte Entscheidungen.
Nach seiner Auffassung solle der Ausbau alternativer Energien mit Sinn und Verstand erfolgen. Die Windkraftanlagen seien eine gute Sache, die Dichte allerdings an der Grenze der Zumutbarkeit, führte der leidenschaftliche Segelflieger aus, der schon des Öfteren einen Blick von oben auf dicht an dicht stehende Windräder hatte.
Im Zuge der technischen Entwicklung sei es möglich, die Windkraftanlagen aus der ersten Generation durch weniger und höhere Masten mit einem größeren Wirkungsgrad zu ersetzen, meinte Pietsch. Im Solarbereich sehe er noch „Luft nach oben“. Schließlich seien Anlagen für die thermodynamische Warmwasserbereitung relativ einfach zu installieren und sehr effektiv.