Heinrich Uhdes Verantwortung endet nicht am eigenen Gartenzaun

Der stellvertretende Regionspräsident Wolfgang Neubauer gratuliert Heinrich Uhde. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Heinrich Uhde mit dem Verdienstkreuz. Mit ihm freut sich (links) seine Frau. (Foto: Svenja Steinseifer)

Bundesverdienstkreuz für den „Mann mit dem Hundeverstand“

BURGDORF (svs). Als der Anruf kam, hielt Heinrich Uhde ihn für einen Jux. Erst mit dem offiziellen Schreiben konnte er es glauben – die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes war kein Scherz. „Das ist der Mann mit dem Hundeverstand“, so habe man ihn genannt, erzählt der stellvertretende Vorsitzende der Jägerschaft Burgdorf, Hans-Otto Thiele. Heinrich Uhde ist nicht nur Experte für Jagdgebrauchshunde, er ist noch viel mehr. Das wurde bei der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland am vergangenen Freitag im Burgdorfer Rathaus II deutlich.
Jäger, Autor, Familienrichter, engagiertes Mitglied des Rotary-Clubs Lehrte und des Jugendhilfeausschusses, Mediator, „Anwalt für Kinder“ und Anlaufstelle für Freunde und Verwandte – das alles war und ist Heinrich Uhde. Über fünf Jahrzehnte gab der pensionierte Familienrichter ehrenamtlich sein Wissen über die Jagd und Jagdgebrauchshunde weiter. Sein Buch „100 Jahre Jagdgebrauchshundewesen“ sei ein „allumfassendes Lexikon“. Und sein Haus „eine kleine Sozialstation“.
„Mein Vater findet für Probleme immer eine gute Lösung und ist Ansprechpartner für jeden“, sagt seine Tochter Katharina Uhde. Die Fachanwältin für Bank-und Kapitalrecht ist aus Berlin zur Verleihung angereist und „ganz schön stolz“.
Der 73-jährige selbst spricht in seiner Dankesrede nicht von Glück. Er freut sich. „Ich freue mich darüber, dass jemand das, was ich tue und getan habe, gutheißt“, sagt er. Und dass das Jagdgebrauchshundewesen in Zusammenhang mit dem Allgemeinwohl gebracht wird, freue ihn ebenfalls. Am meisten aber freue er sich darüber, seine Familie versammelt zu sehen. Beruf-Familie-Hobby – auf diesen Beinen steht sein dreibeiniger Tisch, seine Lebensmaxime. „Ohne meine Familie hätte die Tischplatte mit Sicherheit längst gewackelt“, bedankt er sich.
„Heinrich Uhde gehört zu den Menschen, deren Verantwortung nicht am eigenen Gartenzaun aufhört“, erklärt Alfred Baxmann, Bürgermeister der Stadt Burgdorf, „man sprach über den Richter Uhde.“ Positiv. Knapp 20 Jahre sei er Mitglied im Jugendhilfeausschuss gewesen. Auch nach seiner Pensionierung hilft er Menschen in Konfliktsituationen. Im Gericht als Verfahrensbeistand für Kinder. Der eine wolle dieses, der andere jenes und die Kinder ständen zwischen den Stühlen. Als „Anwalt für Kinder“ vertritt er nun die Rechte der Kleinen.
„Ich habe in meiner Karriere über 5000 Ehen geschieden“, erinnert sich Uhde. Zu wissen, wo „der Juckepunkt“ sei komme ihm auch als Mediator zugute. Zwei Jahre dauerte die Ausbildung. „Ein Mediator fungiert als eine Art Katalysator“, erklärt der 73-jährige. Ziel sei es, zu verstehen, was hinter dem Gesagten steckt. Herauszubekommen, was beide Parteien wollen, um dann zu einer Einigung zu kommen, die schriftlich fixiert werde.
„Er sagt erst dann etwas, wenn er es sich gründlich überlegt hat“, weiß Wolfgang Wischmeyer, „dann bringt er die Dinge auf den Punkt“. „Er lässt die Menschen sich selbst entwickeln“, bestätigt Christiane Wischmeyer. Als Präsident des Jagdgebrauchshundverbandes e. V. (1971-1986) sei er „einer der fähigsten Köpfe gewesen“ findet das mit der Familie Uhde befreundete Ehepaar. Seit 1986 als Ehrenpräsident des Verbandes engagiert er sich auf „jagdkynologischen Gebieten“.
„Dem Gemeinwohl zu dienen“, sei auch das erklärte Ziel des Rotary Clubs Lehrte. Seit Jahren unterstützt Heinrich Uhde mit anderen Mitgliedern Jugendliche, die allein ihren Weg ins Berufsleben nicht finden. Des sozialen Engagements wegen sei der Rotary-Club auch „sein Ding“, denkt Vorstandsmitglied Klaus Cording.
Heinrich Uhde „hat zu tun“. Als die Region anrief, sagte er: „Ich habe dieses Jahr schon drei Mercedes gewonnen – aber Sie haben sich ja was ganz Tolles ausgedacht!“ Er dachte an einen Scherz, der keiner war. Als einen Moment der Freude sieht Uhde die Verleihung, nicht als Glück. „Glück ist für mich, wenn man mit sich und der Welt Hundertprozent im Reinen ist“, findet er. Seltene Momente, die kommen und gehen.
„Manchmal wünsche ich mir, Heinrich Uhde wäre 20 Jahre jünger und das Leben einfacher“, sagt Hans-Otto Thiele. Aufhören, sich zurückziehen solle Uhde auf keinen Fall. „So eine Ordensverleihung ist kein Abschluss“, sagt Baxmann, „sondern ein Appell zum Weitermachen!“