Heimatverein plant Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Bockwindmühle für den 8. Mai

Der Mühlenhelm einschließlich der Flügel wurde mit dem Kran vorsichtig herunter gehoben. (Foto: Roland Brenecke/Heimatverein)
 
Am Freitag war die Arbeit schnell getan: Am späten Vormittag musste nur noch der Mühlenbaum seinen Standort verlassen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Abbau des Mühlenkastens gestaltete sich schwieriger als angenommen

WETTMAR (hhs). Der Donnerstag nach Ostern war für Gerd Brenecke und seine Mitstreiter vom Heimatverein für das Kirchspiel Engensen Thönse Wettmar ein weitgehend ruhiger, wenn auch langer Tag: In den Tagen zuvor hatten sie damit begonnen, die Bockwindmühle zu „entkernen“, was nichts anderes bedeutete, als das Fachwerk des Mühlenkastens freizulegen. Im Innern des historischen Bauwerks, für dessen Abbau zu Donnerstag ein 80-Tonnen Kran bestellt war, musste die Holzverschalung herausgenommen werden. Wie berichtet, war die Mühle zeitweise als Wohnung genutzt worden. Damals hatten die Besitzer die Gefache mit Isoliermaterial abgedichtet und mit Holz verkleidet.
Harte Arbeit war das für die Männer des Heimatvereins, und es entstand ein ziemlich großer Haufen mit nutzlosem Holz, der oberhalb der Bockwindmühle erst einmal abgelegt wurde. Das alte Isoliermaterial kam gleich in große Säcke, damit es leichter zur Deponie transportiert werden kann. Schließlich noch ein Kraftakt. Damit der Kran möglichst nahe an der abzubauenden Mühle herankommen konnte, musste unten am Hang von der Straße „Mühlenweg“ aus noch einiges planiert werden. Der Heimatverein hatte eine Zimmerei aus Bismark, einer Ortschaft im nördlichen Sachsen Anhalt, beauftragt. Mit vier Mitarbeitern waren diese vor Ort. Am Ende entfernten sie die Außenverschalung, so dass die Bockwindmühle wie ein Skelett in den Himmel ragte.
Am Abend stellte sich der Zustand insbesondere der Flügelwand der Mühle schlechter als zuvor angenommen dar: Viele Fachwerkbalken waren morsch, hier hatten die zwei Jahrhunderte Witterung doch Spuren hinterlassen. „Den Rest hat die Mühle bekommen in den Jahren nach 1945“, beantwortete Michael Hagen die Fragen der zahlreichen Zuschauer. Hagen, von Beruf selbst Mühlenbautechniker, ist Spezialist in allen Fragen zu Bockwindmühlen und unterstützt den Heimatverein bei seinem Umsetzungsprojekt. „Seitdem konnte sich die Wettmarer Mühle nicht mehr in den Wind drehen. Und das bedeutet, dass nur die Flügelwand der Mühle in den vergangenen 65 Jahren alles schlechte Wetter aus unserer Hauptwindrichtung Westen abbekommen hat. Wären auch die anderen Wände betroffen gewesen, hätte sich der Schaden stärker verteilt, aber sich auch in Grenzen gehalten“. Zudem, so vermutete Hagen, habe auch die Isolierung der Mühle dafür gesorgt, dass Feuchtigkeit nicht mehr schnell abtrocknen konnte und im Innern für ungünstiges Klima gesorgt hat.
Am Donnerstag kam dann der große Kran, ein imposantes Fahrzeug, dessen langen, steil in die Höhe ragenden Ausleger man schon von der Ortsausfahrt Kleinburgwedel sehen konnte. Die Zimmerer kümmerten sich zunächst um den „Mühlenhelm“. Das ist der Fachausdruck für die Dachkonstruktion der Mühle, also alles, was sich oberhalb des eigentlichen Mühlenkastens befindet, wie der Mühlenspezialist Michael Hagen erläuterte. Die Zimmerer schlugen, soweit es ging, die Verzapfungen heraus. Wenn sich eine Eichenverzapfung zu lange dagegen sträubte, kam die große Bohrmaschine zum Einsatz, und schnell war die Verzapfung frei.
Ohne große Probleme ließ sich der Helm samt Flügel langsam per Kran herunter nehmen. Die Zimmerer hatten die Flügel zuvor etwas mit der Motorsäge gestutzt. „Der wiegt doch 9,5 Tonnen“, rief der Kranfahrer mit gewisser Verwunderung in der Stimme den Arbeitern und Neugierigen aus seiner Kabine zu. „Das hätte ich nicht gedacht!“ Den Mühlenhelm platzierte er direkt neben dem Kran. Unterdessen waren auch die Verbindung zwischen Flügelwelle und Flügelkonstruktion gelöst. Die filigrane Konstruktion sollte unbedingt intakt nach unten kommen. Sie soll beim Wiederaufbau weiter verwendet werden. Das Holz der Flügel hatte kaum noch Brennholzqualität und wurde abgesägt.
Schließlich sollte die Flügelwand als erste dem Helm folgen. Das gestaltete sich allerdings schwieriger als erwartet. Die Zimmerleute hatten Probleme, die Verzapfungen zu lösen. Viele der Eichenzapfen ließen sich nicht mehr herausschlagen und mussten mühsam in luftiger Höhe aus dem Holz heraus gebohrt werden. Ein Teil der Eichenzapfen waren früher schon durch Eisenbolzen ersetzt worden. Die saßen auch fest, „wie eingewachsen“, ärgerte sich ein Zimmermann. Es half nichts, mit schwerem Hammer und einem dünneren Bolzen musste er die Verzapfung im Fachwerk freischlagen. Es dauerte von Mittag bis gegen 17.00 Uhr, bis die Flügelwand sicher am Haken hing.
Am nächsten Morgen ging es an den Rest der Mühle. Die letzten Wände wurden gelöst und ebenfalls in einem Stück vor der Mühle abgelegt, dann ging es an den Bock und den Mühlenbaum, gegen Mittag hatte der Kran alles dorthin gelegt, wo es hin sollte.
In den kommenden Wochen werden die Arbeiten für den Wiederaufbau der Bockwindmühle an ihrem neuen Standort beginnen. Wie Gerd Brenecke im Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten erklärte, sollen die Fundamente auf dem neuen Grundstück vorbereitet werden. Wenn alles so läuft, wie geplant, will der Heimatverein am 8. Mai zur Grundsteinlegung einladen.