Heiko Postma las und interpretierte Hermann Löns

Der hannoversche Autor und Literaturkritiker Dr. Heiko Postma sprach über Hermann Löns. (Foto: Renate Tiffe)

Abwechslungsreicher Nachmittag mit musikalischem Highlight

GROSSBURGWEDEL (ti). Es war eine besondere Perle, mit der die scheidende Leiterin, Margret Brill, die lange Kette der Veranstaltungen während ihrer fast 20-jährigen Tätigkeit in der Burgwedeler Seniorenbegegnungsstätte schloss. Eingeladen war der hannoversche Autor und Literaturkritiker Dr. Heiko Postma. Er sprach über Hermann Löns, der – nicht nur - hierzulande immer noch seine Bedeutung hat, und mehr Zuhörerinnen und Zuhörer anzog, als erwartet.
Mit dem Titel „Ein Bauer in Frack und Lack“ - einem Zitat, mit dem Löns sich selbst beschrieben hatte - war die Richtung des Vortrags vorgegeben. Postma lag es daran, den landläufig als „Heidedichter“ charakterisierten Schriftsteller auch von seiner anderen, seiner kritischen Seite her darzustellen, in seiner Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit. Er begann mit einer Lesung aus Löns´ Kriegstagebuch, das den Schrecken ebenso beschrieb wie die Idylle - drei Tage bevor der 48-Jährige kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges in der Schlacht um Reims fiel. Er hatte sich, schon nicht mehr jung genug, freiwillig an die Front gemeldet. „War es Pflichterfüllung, Patriotismus oder Todessehnsucht?“, fragte Postma. Eine Frage, die er am Ende so beantwortete, dass es möglicherweise keine Todessehnsucht aber zum mindesten eine Herausforderung des Todes gewesen sein muss.
Dazwischen lag die Schilderung eines Lebens, wie es wechselvoller kaum vorzustellen ist - und eines höchst vielseitigen Werkes.
Der Literaturkritiker Postma konnte den vier Romanen, die Löns verfasste, keinen sonderlichen Wert abgewinnen, auch nicht den beiden, die überregionale Bedeutung erlangten: „Der Werwolf“ und „Das zweite Gesicht“. (Hartnäckig hält sich um Burgwedel die Fama, dass der „Werwolf“ in einer Jagdhütte in Engensen entstanden sein soll, was der heutige Eigentümer des Grundstücks allerdings verneint. Wohl habe sich Löns aber des öfteren dort aufgehalten. Der Roman spielt in dieser Gegend.)
Löns´ wirkliche Begabung habe in der Kurzform gelegen, so Postma. Seine Naturschilderungen und Plaudereien werden heute noch gern gelesen, ebenso seine Jagdgeschichten, von denen eine, die vom „Heldenhasen“ Mümmelmann, dem Vortragenden einen Sonderbeifall einbrachte. Er streifte Löns` journalistische Tätigkeit - „scharfäugig und scharfkantig“ - u.a. beim „Hannoverschen Anzeiger“, der damaligen Tageszeitung in Hannover. Fachlich ernst zu nehmen waren Löns' naturkundliche Beiträge. Manches starke Wort von vor 100 Jahren sei heute noch zu gebrauchen, so Postma.
Seine Art zu schreiben brachte Löns später leider auch allzu leicht in die Nähe des Nationalsozialismus, der ihn weidlich missbrauchte, was auch bei der Überführung und Bestattung seines Leichnams in den 30er Jahren deutlich geworden sei. Postma widmete sich diesem trüben Kapitel mit Genauigkeit.
Nicht nur auf Andeutungen beschränkten sich die Frauengeschichten, für die Löns - zweimal verheiratet und ein von der Natur nicht gerade wohlwollend ausgestatteter Mann - besonders auch „im Hannöverschen“, bekannt war.
Das literarische Werk von Löns beschränkte sich nicht auf die Prosa. Seine Lyrik, der eine gewisse „Heide-Melancholie“ nachgesagt wird, wurde vielfach vertont, Lieder, die zu Volksliedern wurden. In der Liedersammlung von 1911 „Der kleine Rosengarten“ sind viele von ihnen enthalten. Der junge Marian Müller von der Hochschule für Musik und Theater trug sie mit warmer Bariton-Stimme vor – eine mit viel Beifall belohnte Bereicherung des Nachmittags.