"Gut aufgestellt, auch ohne Wunderbaum"

Bezirksförster Christian Oehlschläger zeigt die junge Buche, die den Kiefernbestand aufwerten soll. (Foto: Gabriele Gosewisch)
 
Christian Oehlschläger (von links), Lukasz Prajsnar von der Firma Rahte, Christian Petersohn, Ursula Stein, Heiner Rupsch und Friedhelm Stein beim Setzen der ersten Bäume. (Foto: Gabriele Gosewisch)

Aktiver Naturschutz: Sponsor sorgt für Mischwald

ENGENSEN (gg). Ein Hektar Kiefernwald zwischen Schillerslage und Engensen wurde jetzt mit einer Pflanzung aufgewertet. Dank einer finanziellen Zuwendung der Wohnungsgenossenschaft Kleefeld-Buchholz eG in Hannover und der Vermittlung des Vereins Trinkwasserwald hat Bezirksförster Christian Oehlschläger auf dem Hundert Mal Hundert Meter großen Stück Rotbuchen, Bergahorn und Roteiche pflanzen lassen. Privateigentümer ist das Ehepaar Friedhelm und Ursula Stein. Sie mussten im Verlauf der vorigen zwei Jahre Sturmschäden hinnehmen. „Hier ist viel zu Bruch gegangen“, so ihr Hinweis. Auf die daraus resultierenden Chancen hat Christian Oehlschläger gesetzt und das Ehepaar Stein entsprechend beraten. Er erklärt: „Nach der Räumung der umgefallenen Kiefern bieten die lichten Stellen ideale Bedingungen für das Entstehen eines Mischwaldes.“ Birken haben sich bereits ohne menschliche Hilfe ihren Platz erobert. Sie dürfen stehen bleiben. „Man ist gut aufgestellt, wenn man im Einklang mit der Natur für ein breites Artenspektrum im Wald sorgt“, sagt der Bezirksförster. Die Kiefer, vor Jahrzehnten als Pioniergehölz in der Heidelandschaft gepflanzt, habe seine Schuldigkeit getan. Insbesondere die Buche sei das eigentlich heimische Gehölz an diesem Standort, das vor mehreren Hundert Jahren vorhanden war - noch vor der von Menschenhand gemachten Verwüstung, der Abholzung und der Übernutzung der Böden, in deren Folge die Heidelandschaft entstand. „Den Wunderbaum für die heutzutage schwierigen klimatischen Verhältnisse gibt es nicht. Aber mit dem Mischwald gibt es zumindest Hoffnung, dass sich zukünftige Wind- oder auch Dürreschäden in Grenzen halten“, so der Rat von Christian Oehlschläger.
„Ökologische Maßnahmen sind wichtig und möglich quasi direkt vor der Haustür und nicht in Brasilien oder anderen erdenkbaren Orten. Hier können wir einen sichtbaren Beitrag leisten, der im Betrag sogar überschaubar ist“, sagt Christian Petersohn, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft. Passend zur Anzahl der Mitglieder wurden die Kosten für die Pflanzung von 4.285 jungen Bäumen übernommen, pro Stück sechs Euro, inklusive der Dienstleistung der Baumschule Rahte aus Wietze. Das ursprüngliche Konzept zur Naturschutz-Aktion hatte sogar die Mithilfe der Genossenschaftsmitglieder bei der Pflanzung vorgesehen. Mit der jetzt geltenden Versammlungsbeschränkung ist dies abgesagt worden. Eine spätere Besichtigung der „guten Tat“ soll folgen, wenn der Ausnahmezustand vorüber ist. „Dann bekommt der Naturschutz auch hoffentlich wieder die Aufmerksamkeit, die nötig ist“, ergänzt Heiner Rupsch vom Verein Trinkwasserwald. Er erinnert an die Trinkwasserbildung, die mit den Bäumen möglich ist und im Mischwald im Vergleich zum Nadelwald, so die Schätzung, doppelt so hoch ist.
„Wenn es jetzt ganz schlimm kommt, wenn der Regen noch lange ausbleibt, wird es Hilfe geben“, sagt Christian Oehlschläger zu der dann nötigen Bewässerung. Erstmal sei im Untergrund noch genug Feuchte. Den auf 20 Zentimeter schon sehr trockenen Oberboden sieht er mit Sorge: „Die Waldbrandgefahr steigt.“