Großes Interesse am ISEK 2030

In der Gemeinde Isernhagen endet die Beteilungsphase mit guter Resonanz

Isernhagen (r/bs). Für die Gemeinde Isernhagen waren es neue Wege. Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zur Erstellung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) 2030 musste bisher unter Corona-Bedingungen online erfolgen.
Ein ISEK zeigt die Stärken und Schwächen einer Kommune auf und leitet daraus Ziele und Handlungsempfehlungen für die weitere Gemeindeentwicklung in den kommenden Jahren ab. Nach der Befragung der Bürgerinnen und Bürger im November 2020 und den durchgeführten Online-Ortsgesprächen im März 2021 konnten im April dieses Jahres alle Interessierten auf einer eigens eingerichteten Internetplattform Maßnahmenvorschläge einsehen, kommentieren und um eigene Ideen erweitern.
Mehr als 120 Personen haben sich in den Online-Bürgerversammlungen beteiligt, über 80 neue Vorschläge und Kritikpunkte sowie zahlreiche Kommentare sind auf der extra geschalteten Internetseite eingegangen.
„Für uns ist das schon jetzt ein voller Erfolg“, betont Bürgermeister Arpad Bogya. Auch inhaltlich war das Ergebnis gut. In den digitalen Ortskonferenzen konnten die Themenbereiche „Ortsentwicklung und Ortsbild“ sowie „Infrastruktur / Natur und Landschaft / Klimaschutz“ umfassend besprochen werden. Sie ergänzten die Ergebnisse der Umfrage vom November 2020 mit über 2200 Beteiligungen.
Während die Zielsetzung, ein begrenztes Wachstum für die Gemeinde Isernhagen anzustreben, allgemein unterstrichen wurde, entstanden in den einzelnen Ortschaften intensive Diskussionen, an welcher Stelle noch neue Baugebiete entstehen können. Schließlich seien, so Jörg Günther vom Planungsbüro argeplan, die verfügbaren Flächen sehr eng bemessen. Potentiale gäbe es noch in Altwarmbüchen, Kirchhorst und in der Hohenhorster Bauerschaft. Diese wurden weitgehend bestätigt.
Ortschaftsübergreifend beschäftigen sich die Bürgerinnen und Bürger mit dem Ortsbild und der Baukultur sowie mit der Schaffung bzw. Erhaltung von Ortskernen. Die Gemeinde Isernhagen hat für viele Bereiche sogenannte Gestaltungssatzungen erlassen, dennoch bemängeln viele Teilnehmende die Baustiele neuer Gebäude, die nicht in die historische Bausubstanz eingebunden seien.
Die Stärkung der Ortskerne mit Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeiten sind ein besonderes Anliegen. Dabei setzen die Vorschläge auf die Einbindung regionaler Erzeuger oder auf ein hohes Angebot an Bio-Produkten, die in Isernhagen sehr schlecht zu bekommen seien.
Wie in den digitalen Ortsversammlungen nehmen die Kommentare und Vorschläge zum Verkehr auf der Online-Plattform den größten Raum ein. Viele befürworten den Ausbau des Radwegenetzes, eine bessere ÖPNV-Anbindung inklusive höherer Taktung sowie Geschwindigkeitsbegrenzungen in den Ortschafen.
Die Vorschläge reichen von der Lösung spezieller Verkehrssituationen bis hin zu grundsätzlichen Fragestellungen. Wie können die Fahrradwege gut ausgebaut und unterhalten werden? Sollen zukünftig die Radfahrerinnen und Radfahrer auf Schutzstreifen auf der Straße geführt werden? Hier wird ein Konflikt sichtbar, denn für die separate Führung von Fahrbahn, Fußweg und Radweg an den Hauptstraßen ist oft nicht genügend Platz.
Kontrovers wurde auf der Online-Plattform der Vorschlag kommentiert, die Gemengelage im Mischgebiet an der Krendelstraße in Altwarmbüchen zugunsten einer Stärkung der gewerblichen Nutzung neu zu ordnen. Die emotionalen Kommentare zeigen eine enge Verbundenheit mit der Wohnsituation. „Es ist Aufgabe des Planungsbüros, auch über solche Maßnahmen nachzudenken. Eine Umwandlung in ein reines Gewerbegebiet wird aber nicht vorbereitet“, beruhigt Isernhagens Bürgermeister.
Die Arbeitsgruppen zu Natur und Landschaft diskutierten vor allem die intensive Nutzung des Freiraums und die Hinterlassenschaften in Form von Müll. „Konflikte zwischen der Landwirtschaft, den Radfahrenden und Zufußgehenden sehen die Beteiligten nicht“ so Wolfgang Kleine-Limberg vom Büro mensch und region. Mehr Bänke wären an einigen Stellen angebracht, wie auch die Bepflanzung der Wege mit Baumreihen oder die Anlage von Streuobstwiesen.
Die Hinweise und Vorschläge sowie die Kritik werden nun vom Planungsbüro argeplan ausgewertet und im Juli in einem Workshop des Gemeinderates diskutiert. Danach entsteht der Entwurf des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes. Das ISEK 2030 soll im Herbst 2021 vom aktuellen Gemeinderat beschlossen und zur weiteren Bearbeitung an den neuen Gemeinderat übergeben werden.
Weitergehende Informationen zum ISEK finden Interessierte unter www.isernhagen.de/isek.