Großer Elektronik-Fachmarkt und McDonald's in Großburgwedel

Der geplante Elektronik-Fachmarkt soll neben dem IKEA-Parkhaus gebaut werden. (Foto: Planungsgruppe Skribbe-Jansen)

Gewerbliche Neuansiedelungen als Chance begreifen

GROSSBURGWEDEL (bs). Nun ist es amtlich: Die Schnellimbisskette McDonald's, die sich schon seit längerem für einen Standort in Großburgwedel interessiert, wird sich in der Kokenhorststraße ansiedeln. Darüber hinaus wird ein Elektro-Fachmarkt auf dem Parkplatzgelände von IKEA entstehen.
Doch es herrscht über diese beiden angekündigten Neuzugänge nicht nur eitle Freude in Burgwedel. Karlheinz Schridde, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Großburgwedel Kaufleute, fürchtet eine weitere Abwanderung der Kaufkraft vom Zentrum. „Der Elektro-Fachmarkt wird natürlich eine Konkurrenz für die Einzelfachhändler im Ort“, so Schridde. Das sieht Martin Vietmeyer (IGK) von „LUVI“ auch so. „Man muss jetzt mit Spannung abwarten, wie sich die betroffenen Kollegen bewegen werden“, sagt er. „Sie werden auch einiges verändern müssen, wenn sie überleben wollen. Man muss die Braut hübsch ausstatten, wenn die Gäste froh und freudig zu ihr kommen sollen“, bemüht er ein altes Sprachbild. „Die bestehende Infrastruktur in der Innenstadt bietet große Möglichkeiten zur Veränderung“. Die Stadt Burgwedel habe schon eine Menge getan, aber könne noch mehr Anreize für die Burgwedeler schaffen, dorthin zu kommen. Aber natürlich nicht die Stadt allein. Hier seien auch die Inhaber und Grundbesitzer gefragt, an einem auf Großburgwedel perfekt zugeschnittenem Stadtmarketing mitzuarbeiten.
Mit der Ansiedlung von McDonald's fürchtet Schridde finanzielle Einbußen bei all jenen Betrieben, die von kleinen Snacks und vom Imbiss-Geschäft leben. Das werde ein Anziehungspunkt für die jungen Leute und der weg geworfene Müll werde überall herum liegen, befürchtet der IGK-Vorsitzende.
Mit dem letzten Argument liegt Schridde sicherlich richtig: Als vor Jahren McDonald's in Schwarmstedt eröffnete, fanden sich die leeren Getränkeverpackungen mit dem integrierten Strohhalm bis Fuhrberg. Zu einem Verfall der hiesigen Esskultur wird es aber hier nicht kommen, hat es anderswo auch nicht... Unabhängig davon, ob man ein Anhänger des Schnellimbiss ist, ob das Angebot an Speisen nun der Gesundheit zuträglich ist oder nicht – Alkohol in welcher Form auch immer, sucht man bei McDonald's jedenfalls vergebens.
Burgwedels Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt sieht die Ansiedlung von McDonald's positiv: „Die zusätzlichen Einnahmen kann die Kommune gut gebrauchen, darüber hinaus werden schließlich auch neue Arbeitsplätze geschaffen“. Es geistere eine Zahl von 80 neuen Arbeitsplätzen durch die Diskussion. In den vergangenen Jahren sei viel Geld in die Infrastruktur, insbesondere Großburgwedels, geflossen, von der nicht zuletzt die Einzelhändlern im Zentrum profitierten, so Hoppenstedt abschließend.
Bei allem Verständnis für die Befürchtungen der Einzelhändler im Innenstadtbereich, sollte aber, neben dem nicht zu verachtendem Plus an Gewerbesteuer für die Kommune, nicht außer acht lassen, dass sich hier auch eine große Chance bietet, dem jahrzehntelangen Hin und Her bezüglich der Öffnungszeiten im Zentrum ein Ende zu setzen. Wer bislang beim Fachhändler seines Vertrauens gekauft hat, wird das auch weiterhin tun, denn das Pfund, mit dem die Einzelhändler vor Ort wuchern können, ist der persönliche Service am Kunden.
Wer allerdings in seiner Mittagspause schnell eben mal Staubsaugerbeutel, Ersatzbirnen für die Küchenleuchte, eine Antennenverlängerung oder ähnliches im Ort besorgen möchte und vor verschlossenen Türen steht, der wird künftig freudig das alternative Angebot nutzen.
Seit November 2010 führt die IKEA-Zentrale Gespräche mit Interessenten für einen Elektronik-Fachmarkt in Großburgwedel. Mit einem Abschluss der Verhandlungen wird im Sommer gerechnet. Bei einer zur Verfügung stehenden Verkaufsfläche von 4500 Quadratmetern reichen die Möglichkeiten von MediaMarkt, über Expert bis hin zu MediMax.
„Der baurechtliche Anspruch für die Errichtung eines Elektronikmarktes auf dem IKEA-eigenen Gelände basiert auf einem Bebauungsplan aus dem Jahr 1998“, erläutert Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt und fügt, um etwaige Bedenken gleich aus der Welt zu schaffen, hinzu: „Wir werden auch in den kommenden Jahren bei unserer bisherigen Politik bleiben und keine Ansiedlungen von großen Baumärkten oder ähnlichem an der Großburgwedeler Peripherie zulassen“.