Große Sprünge, für Vier- und Zweibeiner mit und ohne Fell

Hoch hinaus möchte Saskia Kunz mit „Little Classic“. Der Anfang ist gemacht. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
„Caeser“ und seine kleine Reiterin Paula Bussmann freuen sich gleichermaßen – oder grinst das Pony etwa doch nicht? (Foto: Svenja Steinseifer)

1400 Reiter tummeln sich am Wochenende auf dem Thönser Reitturnier

Thönse (svs). „Bein, Bein, Bein!“ Jürgen Horstmann steht am Rande des Stechparcours und „springt“ förmlich mit. Der Wassergraben. „Little Classic“ reißt den Kopf zur Seite. Nein – denkt sich wohl das Pferd. Doch – denkt sich die Reiterin. Enkelin Saskia Kunz gibt Bein. Und Little Classic springt sich mit ihr ins Stechen. „Beim Wasser hat er kurz gezögert“, sagt die strahlende Schülerin nach ihrem Ritt, „aber da hab ich nochmal zugefasst und dann ging´s“.
Insgesamt 650 Pferde und 1400 Reiter gingen beim Thönser Reitturnier in 36 Prüfungen an den Start. Die große Zahl der Nennungen war eine der Herausforderung, die vom Team um die erste Vorsitzende, Ute Bußmann, gemeistert werden musste. Die Zweite war der hartnäckige Regen die Tage zuvor. „Es war so furchtbar“, erinnert sich die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, Jutta Bennecke, „der Dressurplatz war eine geschlossene Wasserdecke!“ Priele wurden gegraben, das Wasser mit Eimern abgeschöpft. So wurde aus dem See wieder ein Dressurplatz – rechtzeitig.
„Jetzt jagt eine Prüfung die nächste“, sagt Bennecke mit einem Schmunzeln. Vom Reiterwettbewerb bis zu Dressur- und Springprüfungen der Klasse L wurde am vergangenen Wochenende in Thönse alles geboten. Um den Ansturm der Nennungen überhaupt bewältigen zu können, wurde die Dressurprüfung der Klasse A auf Freitag vorverlegt und der Startschuss für den Sonnabend fiel schon um sieben Uhr morgens. Für die Reiter eine Herausforderung. „Wer um sieben auf dem Pferd sitzen will, muss um fünf aufstehen“, weiß Bennecke.
„Immer die Jüngste“ bei den schwierigen Prüfungen der Klasse L und eine der talentiertesten Nachwuchsreiterinnen ist Saskia Kunz vom Reit- und Fahrverein Thönse e.V. Vier Pferde warten nach der Schule auf die 14-Jährige. Am Wochenende geht´s regelmäßig aufs Turnier. Als Stress empfindet sie das jedoch nicht. „Der Ansporn, besser zu sein als die Anderen ist immer da“, sagt Kunz. „Saskia ist total diszipliniert“, lobt das Ehepaar Pörtner. Mit ihrer Stute „De la luna“ geht die Schülerin in der L-Dressur an den Start. Für das Zeitspringen der Klasse L hat sie sich die engagierte Reiterin ein bescheidenes Ziel vorgenommen: „Einfach nur irgendwie durchkommen!“
Auch für den Nachwuchs hat sich der Thönser Reitverein etwas Besonderes ausgedacht und einen Caprilli-Test ausgeschrieben. „Eine Prüfung, die zwar selten ausgeschrieben wird, aber sehr sinnvoll für junge Reiter ist“, erklärt Bennecke, „es ist eine Kombination aus einer Dressur und ein paar kleinen Sprüngen.“ Denn das Wichtigste sei, das alle Reiter – sowohl Große als auch Kleine - sich wohlfühlen und den Zuschauern guter Sport geboten wird. Und überhaupt: „Wenn die Dressur nicht sitzt, klappt es auch nicht mit dem Springen.“ Sattelfest in der Dressur zeigt sich bereits Paula Bussmann. Die Zehnjährige vom Reit- und Fahrverein Thönse e.V ist eine der jüngsten Teilnehmerinnen und erkämpft sich mit „Caesar“ Platz zwei im Reiterwettbewerb.
Klein angefangen hat auch Saskia Kunz – mit Ponys. Mittlerweile habe die Landestrainerin ein Auge auf die Nachwuchsreiterin geworfen. Ein Spaziergang sei das aber nicht immer gewesen. „Bei der Talentsichtung rutschte mein Pony in einen Sprung und verletzte sich“, erinnert sich die ehrgeizige Schülerin. Aufgegeben habe sie danach nicht, leicht sei das aber nicht gewesen.
Durch den Normalparcours im L-Zeitspringen hat sie sich ebenfalls gekämpft. „Nicht nur irgendwie“, sondern fehlerfrei. Zum Sieg im L-Zeitspringen reicht es am Schluss trotzdem nicht. Robin Hilgner (RFV Thönse) auf Ulani ist ca. zwei Sekunden schneller, Platz 2 geht an Daniel Neiß (RFV Otze e.V.) auf Leena N mit einer Zeit von 34,70 Sekunden. Saskia Kunz wird Dritte und bleibt trotzdem eine strahlende Siegerin – in der L-Dressur mit „De la luna“. „Ich bin total zufrieden“, sagt sie. „De la luna“ und „Little Classic“ haben Feierabend – für Saskia Kunz steht noch die Siegesfeier auf dem Programm.