Große Brachvögel machen Quartier im Hastbruch

Aus den Grasbüscheln im Hintergrund traten die beiden Großen Brachvögel auf die Wiese und suchten eine halbe Stunde lang nach Nahrung. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Hauptzugzeit der Vögel in der zweiten Märzhälfte erwartet

WETTMAR (hhs). Wer morgens in der Dämmerung in den Garten geht, hört schon einen Hauch von Frühling. Die ersten Drosseln üben bereits ihren Morgengesang, noch etwas verhalten aber von Tag zu Tag stärker, ab und an meldet sich ein Star, dann die Meisen und Finken.
Der Frühling kommt, unausweichlich, wie es die Erfahrung sagt, und es wird Zeit, einmal im Hastbruch vorbeizuschauen, ob der Große Brachvogel sich schon blicken lässt. Letzten Ausschlag für die Umsetzung des Vorsatzes in die Tat gab die Begegnung mit einem versierten Naturfreund, der über einige Ecken gehört hatte, der große Vogel sei schon gesehen worden.
Am Samstagmorgen war es soweit. Als die Sonne schon etwas höher stand, ging es hinein in Burgwedels kleines Grünlandparadies. Der erste Rundblick von der Eisenbahnbrücke durchs Fernglas war schon ein Erfolg: Auf der ersten kleinen Wiese direkt rechts hinter der Bahn stand ein Numenius Arquatus, wie der Brachvogel wissenschaftlich bezeichnet wird. Er schaute Richtung Wulfshorst, woher sich ein Trecker laut näherte. Der Vogel nahm Luft unter die Flügel und verschwand im gleißendem Gegenlicht. Weiter ging es über die Wulbeck, die noch ganz ordentlich Wasser führt. Ein paar langsame Schritte noch bis an den nächsten Busch. Nach einigen Minuten bewegt sich etwas braunes Gefiedertes aus dem Grasland. Es ist die erste Feldlerche dieses Jahres, der es aber noch viel zu kalt ist für einen ihrer Steig- und Sinkflüge mit schmetterndem Gesang. Dann ein Blick Richtung Südosten, weil ein eigentümlicher Triller vom Wind herüber getragen wurde. Im Fernglas tauchen fünf Große Brachvögel im Flug auf, die vor der Sonne aber hinter den hohen Pappeln am Ende der Wiese verschwunden bleiben.
Dann geht die Pirsch weiter, langsamen Schrittes bis zum nächsten Baum. Da, plötzlich eine Bewegung in den Grasbüscheln direkt unter dem Weidezaun. Ein langer gebogener Schnabel fährt in die Grasnabe. Schritt für Schritt schreitet der Vogel offenbar voran, dann ist er zusehen in voller Pracht. Er verhofft, schaut zurück und zieht dann mit jedem Schritt pickend weiter. Dann folgt ihm ein zweites Exemplar. Es wirkt etwas kleiner und an seinem rechten Ständer blinkt etwas bei jedem Schritt über dem Fußgelenk. Der Blick durchs Fernglas zeigt, das Tier ist beringt worden. Die beiden Brachvögel suchen noch eine halbe Stunde lang auf der Wiese weiter nach Nahrung, dann fliegen sie davon.
Die Exemplare, die jetzt hier zu beobachten sind, machen vermutlich nur kurz Station im Bruch, um zu rasten und zu fressen. Ende März wird es richtig interessant werden, denn die Balz dieser Art findet schon während des Vogelzuges statt, und dann werden sich die ersten Großen Brachvögel auch zum Hierbleiben entscheiden.