Grenzgänger, Unternehmer, Mensch

Dirk Roßmann zog die Gäste mit der Schilderung aus seinem facettenreichen Leben in den Bann. (Foto: Bettina Garms-Polataschek)

Dirk Roßmann las aus seinem neuen Buch „... dann bin ich auf den Baum geklettert!“

Von Bettina Garms-Polatschek



GROSSBURGWEDEL. „Ich mache normalerweise keine Lesungen“, eröffnete Dirk Roßmann die Vorstellung seines neuen Buches „... dann bin ich auf den Baum geklettert!“, das die Wechselfälle des Lebens mit „Aufstieg, Mut und Wandel“ untertitelt.
Dass er es letztlich doch tut, ist ein Glück für die Gäste im voll besetzten Amtshof. Bevor der Gründer und Chef des Drogerie Branchenriesen Rossmann jedoch zum eigentlichen Buch kommt, findet er mit menschlichen Missgeschicken den Kontakt zum Publikum. Vor der Veranstaltung habe er noch eine Currywurst gegessen, die Soße sei „einfach heruntergefallen“, jetzt sei halt ein Fleck auf der Hose, erklärt er freimütig und erntet Lachen.
Die Zuschauer hörten fasziniert zu als Roßmann auf sein Buch zu sprechen kam. Dabei erzählte er mehr, als dass er las, und nahm seine Gäste zunächst auf eine Reise um die Wendezeit mit.
Deutschland war gerade wiedervereinigt: „Für mich war es das Ereignis in meinem Leben!“. „Die Russen haben für uns Deutschen so viel getan, ohne Gorbatschow hätte es die Wiedervereinigung nicht gegeben. Jetzt ist es der Zeit, dass wir etwas für sie tun“, erzählte der Autor von seinem damaligen Entschluss einen Hilfsgütertransport zu organisieren.
„Für viele Russen herrschte bitterste Not. Sie hatten Hunger und froren in der Kälte“, las Roßmann und berichtete vom „Gespenst des Hungers“. In Europa habe sich zwar eine Allianz gegen den Hunger in Russland gebildet, aber er habe selbst etwas tun wollen. 250.000 Euro spendete er und mit Hilfe von Großspenden anderer Unternehmer gelang es ihm, zwei Millionen Euro Warenwert und logistische Unterstützung für Hilfsgütertransporte zu generieren.
Sein Vertrauen war gering, dass die Hilfsgüter für alte und bedürftige Menschen dort ankommen würden, wo sie hin sollten. Zähe Verhandlungen und die Drohung, mit den neunzehn voll beladenen LKW wieder unverrichteter Dinge nach Deutschland zurückzufahren, führten schließlich zum Einlenken der Behörden, sodass die Hilfsgüter vom deutschen Team und russischen Soldaten persönlich überreicht wurden. Hier hatte sich wie auch in anderen geschilderten Situationen Weitblick und Beharrlichkeit ausgezahlt.
 Die Botschaft vom unternehmerischen Erfolg verknüpft mit intensivem Zusammenhalt, Freundschaft und Familiensinn ist mehr zwischen den Zeilen verborgen und offenbart sich eher auf den zweiten Blick.
Sicher gehört auch der Wille zur Übernahme von Verantwortung dazu, die der Drogerie-Unternehmer nach eigenem Bekunden nicht allein tragen müsse, sondern „mit 54.000 Mitarbeitern“ teile. Soziales Engagement mache ihn glücklich, aber er sagt von sich selbst: „Ich kann auch unangenehm sein.“ Eine Besucherin findet den Unternehmer „authentisch“.
Dieser quittiert die abschließende Frage eines Gastes: „Warum sind Sie denn nun auf den Baum geklettert?“ mit einem Lächeln. „Das steht alles in meinem Buch!“