Graffiti zieren jetzt die Maria-Sibylla-Merian-Schule

Die Wand unter den Fenstern eines Klassenraums wurde auch verschönert. Hier sind die ersten Motive schon gesprüht. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Als schwierig erwies sich die Gestaltung der Garagenwand, weil diese so eintönige bunte Streifen als Untergrund bot. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Kunstaktion zur Verschönerung der Grundschule

FUHRBERG (hhs). Mit den Graffiti ist das so eine Sache, und zwar in mehrerer Hinsicht: Graffiti ist ein Sammelbegriff und damit rein sprachlich ein Plural. Die Einzahl heißt Graffito. Das hört sich schon etwas ernstzunehmender an, klingt nicht nur italienisch, es ist es auch und gilt als Bezeichnung für eine in Stein geritzte Inschrift oder ein Bild. Graffiti dagegen ist für viele Mitbürgerinnen und Mitbürger reiner Vandalismus in Form von thematisch und gestalterisch ganz unterschiedlicher sichtbarer Elemente, die irgendwer in verschiedenen Techniken auf und an Gebäuden, die ihm meistens nicht gehören, erstellt hat.
Zum Wesen von Graffiti im öffentlichen wie im privaten Raum gehört, dass sie anonym entstehen, was nichts anderes heißt als: ohne Einverständnis des Eigentümers. Seit zwei Wochen zieren derartige Graffiti die Maria-Sibylla-Merian-Grundschule in Fuhrberg. Und hier könnte man, wenn man denn wollte, die Künstler schnell dingfest machen, denn sie haben ihr Werk am helllichten Tag und unter Beobachtung der örtlichen Presse ausgeführt.
Und obendrein sogar unter voller Aufsicht der Lehrerinnen dieser Schule, die sogar mit Hand angelegt haben an die Schablonen und Sprühflaschen. Und der Tat ging auch eine lange Planung voraus. Unermüdlich haben die Lehrkräfte und sogar eine Mutter den Schülerinnen und Schülern bei der Entwicklung und beim Basteln der Schablonen geholfen. Selbst Heiner Neddermeyer, Ortsbürgermeister in Fuhrberg und Mitglied im Förderverein und Großvater einer Schülerin der Fuhrberger Grundschule hat mitgemacht und für die Spraydosen gesorgt. Eigentlich sollten die hübschen Schmetterlinge, Raupen, Schnecken und Muscheln schon ein paar Tage vorher an die beiden dafür vorgesehenen Außenwände der Schule aufgetragen werden, aber zum Umwelttag spielte das Wetter nicht so richtig mit. Es war zu kalt und obendrein hatte es in der Nacht zuvor stark geregnet. „Wir müssen die Aktion verschieben auf besseres Wetter“, hatte Schulleiterin Andrea Halden die Kinder damals auf den folgenden Montag vertröstet. Und da war das Wetter denn auch prächtig.
Gleich morgens um 9.00 Uhr begann das Unternehmen Graffiti an der Schule. Zwei Außenwände sollten neu gestaltet werden. Die Kinder holten zunächst ihre Schablonen heraus aus den Klassenräumen. Heike Schötker und Sabine Sauer, die mit den Schülerinnen und Schülern nicht nur die Schablonen gebastelt sondern auch alles im Detail vorbesprochen hatten, sorgten dafür, dass Leitern vorhanden waren, denn die Reichweite kleiner Menschen mit einer Spraydose in der Hand ist nun mal begrenzt. Dann wurden die Schablonen ausgesucht und mit Klebeband an den Wänden befestigt, und schließlich begann die Rasselbande auf Kommando die Spraydosen aufzuschütteln. Heiner Neddermeyer war unterdessen gekommen und schaute sich den Produktionsprozess der Kunstwerke an. Dann suchten die Kinder die Farben aus, damit sich diese vom bunten Hintergrund der Wände auch abhoben, und schon entstanden bunte Schmetterlinge, Raupen, Schnecken und Muscheln, die nun nicht nur an die Artenvielfalt erinnern, sondern beim Betrachten ganz unwillkürlich für fröhliche Stimmung sorgen, auch bei erwachsenen Menschen. Graffiti haben manchmal eben rein gar nichts mit Vandalismus zu tun.