„Goethe, Storm und wir!“ – Lyrik für jedermann

„Der Zauberlehrling“ im Rap-Format, geht nicht? Geht doch! Das zeigten die Klassen 4a und 4b der Grundschule Wettmar mit viel Spaß an der Sache und einer gehörigen Portion Rhythmusgefühl. (Foto: Anna Kentrath)
 
Lilli und Sven-Ole, beide 9 Jahre, präsentierten dem aufmerksam lauschenden Publikum den „Zauberlehrling“ in der Originalfassung von Johann Wolfgang von Goethe. (Foto: Anna Kentrath)

Literaturcafé der 3. und 4. Klassen der Grundschule Wettmar

WETTMAR (ak). Früher gehörte es zum Heiligabend ganz selbstverständlich dazu, das Aufsagen eines Gedichtes. Doch wer kann das heute noch, sich die vielen Zeilen merken und dann auch noch öffentlich zu Gehör zu bringen? Die 3. und 4. Klassen der Grundschule Wettmar zeigten bei ihrem diesjährigen Literaturcafé keine Scheu und widmeten sich gleich den großen deutschen Dichtern wie Goethe und Storm, aber auch der eigenen Dichtkunst.
Alle 2 Jahre findet dieses Literaturcafé in der Grundschule Wettmar statt und auch in diesem Jahr war die Resonanz überragend. Nicht nur, dass die Schüler sich voller Eifer in die Vorbereitungen gestürzt hatten und nun schon aufgeregt darauf warteten, ihren Teil vortragen zu dürfen, auch zahlreiche Zuschauer, ob Geschwisterkinder, Eltern oder Großeltern hatten sich eingefunden, um am Ergebnis teilzuhaben.
Die Lehrerinnen der teilnehmenden Klassen, Christa Dill, Karola Keunecke und Silke Reitmann begrüßten die zahlreichen Besucher. „Wir starten mit einem Klassiker aus Goethes Feder“, kündigte Christa Dill den ersten Beitrag an. „Der Zauberlehrling“ in drei verschiedenen Ausführungen wartete auf das neugierige Publikum. 4. Klässlerin Martha lass ihre eigene Zusammenfassung vor, die sprachlich so ausgefeilt war, dass sie in dieser Fassung jedes Schulbuch bereichern würde.
Anschließend teilten sich Lilli und Sven-Ole, beide 9 Jahre, das Mikrophon, um das ganze Original auswendig vorzutragen. Die dritte, ungewöhnliche Fassung, präsentierten die Klassen 4 a und b gemeinsam: ein Rap des Zauberlehrlings, der nicht nur den jüngeren Zuhörern ins Ohr ging.
Nach Goethe stand die eigene Dichtkunst der Kinder auf dem Programm. Im Rahmen des Unterrichts war die Aufgabe gestellt worden sich das Gedicht „Ich bin der Wind“ von Erwin Moser genau durchzulesen und anschließend unter dem Titel „Ich bin die Adventszeit“ im gleich Stil selbst eines zu entwickeln. Vorlesen durften nicht nur die, deren Aufsatz mit der besten Note bewertet worden war, sondern alle Kinder, die vorlesen wollten. Das Ergebnis beeindruckte, den Kern des ursprünglichen Gedichtes sowohl inhaltlich als auch sprachlich gut erfassend ließen die Mädchen, die ihre Gedichte vortrugen ihre Phantasie spielen und berichteten von der Wartezeit auf Weihnachten ebenso, wie den Wetterkapriolen des Dezembers und dem weihnachtlichen Gebäck.
Letzteres war dann auch das Stichwort für das anschließende Kaffeetrinken, bevor es im Programm weiter ging, mit dem wundervollen Weihnachtsklassiker Theodor Storms „Knecht Ruprecht“. Doch nach den ersten Zeilen „Von drauß' vom Walde komm ich her; Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!“ war klar, es handelte sich nicht um die gemächliche Weihnachtsgeschwindigkeit, sondern auch um einen rhythmischen Rap. Die 3. Klassen rundeten den Nachmittag mit traditionellen Weihnachtsgedichten und einem stimmungsvollen Bilderbuchkino der Geschichte „Die Weihnachtswiese“ ab. Ein gelungenes Literaturcafé, das ganz im Zeichen der Leseförderung stehend, nicht nur die Begeisterung für Literatur im Allgemeinen, sondern Lyrik im Speziellen weckte.