Gemeinsam auf Toilette gehen ist ein Brauch aus dem Mittelalter

Vom Anreichen des Brotkorbs bis zum Trinken – Tobias Forth (links) und Rainer Brakebusch (rechts) wissen wo Fallen lauern. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Den Löffel richtig zu halten will ebenfalls gelernt sein. (Foto: Svenja Steinseifer)

Jugendliche trainieren mit dem Lions Club im Kokenhof „gute Manieren“

GROSSBURGWEDEL (svs). Wohin mit dem Kaugummi? Lautes Lachen erlaubt? Servietten zum Nase putzen? Gute Manieren zu haben, ist gar nicht so einfach. Trainer Tobias Forth weiß, was sich gehört und warum Frauen immer gemeinsam auf Toilette gehen. Und wieso „Benimm-Kurse“ weder „McDonalds“ noch „chillen“ verbieten.
„Bei einem großen Bankett im Mittelalter erhoben sich alle Männer, wenn eine Frau den Tisch verließ“, erklärt Trainer Tobias Forth, „damit die Männer nicht ständig aufstehen mussten und auch zum Essen kamen, gingen Frauen immer gemeinsam!“ Angemessenes Gelächter am Tisch, denn laut zu lachen gehört sich nicht am Dinner-Tisch. „Gutes Benehmen ist basic“, erklärt Rainer Brakebusch, Pressesprecher des Lions Club Isernhagen Burgwedel. Eine solide und wichtige Basis, um fit zu sein für das spätere Berufsleben und ein Baustein des Projekts „Fit for Job“.
In den Realschulen Burgwedel und Altwarmbüchen sei der Name „Fit for Job“ Programm. Mit Job-Coaching, Bewerbungstraining und zusätzlichen Stunden innerhalb eines Schuljahres trainieren die Realschüler für ihren Beruf. Um Perspektiven zu entwickeln, das Image der Region zu prägen und Hilfestellung zu geben. Für Selbstverantwortung und mehr Handlungsfähigkeit.
„Zuerst haben wir einen Eignungstest gemacht“, erzählt Realschülerin Katja Altmann. Einzelgespräche seien eine wichtige Grundlage, um Jugendliche individuell fördern zu können und Selbstbewusstsein aufzubauen. „Manche denken, in Mathe habe ich nur eine vier, also keine Chance“, weiß Tobias Forth. Für Katja stellte sich schnell heraus: „Bei den handwerklichen Sachen war ich sofort raus, ich möchte etwas Kreatives machen!“ „Danach wurden wir in Berufskategorien eingeteilt“, erzählt Laura Schreiber, die ebenfalls dankbar für die konkreten Tipps des Trainers sei.
Zum Beispiel das korrekte Öffnen einer Tür beim Vorstellungsgespräch oder die richtige Körperhaltung am Tisch. Weder „abhängen“ noch „rumfleezen“ sei erlaubt. „Ausschlaggebend bei einer Bewerbung sind vor allem auch die kommunikativen Fähigkeiten“, betont Brakebusch. Die „bestmögliche Startposition“ wolle der Lions Club den Jugendlichen mit „Fit for Job“ bieten. „Es ist gut zu wissen, wie man sich einem Chef gegenüber richtig verhält“, erzählt Laura Schreiber. Ihre Erfahrungen aus dem Projekt hat die 16-jährige genutzt und sich im Maritim Hotel beworben – mit Erfolg.
„Wir haben wirklich viel Sicherheit bekommen“, erklärt Katja Altmann. Auch das Kanufahren und der Theaterworkshop seien wertvolle Erfahrungen für die Teamfähigkeit gewesen. „Wir sind ja nicht nur einfach durch den Fluss gefahren“, sagt Katja, die jetzt weiß, dass es in einem Team auf jeden Einzelnen ankommt. Konkret beworben habe sich die Realschülerin zwar noch nicht, aber sicher in welche Richtung ihre Reise gehen soll. „Am liebsten Journalismus“, sagt sie. Viele Kontakte habe Tobias Forth, die Katja nutzen möchte. „Ohne den Kurs wäre ich nicht so sicher!“
„Am besten gefallen hat uns der Kommunikationskurs“, sagt die 15-Jährige. „Man braucht einfach keine Angst mehr zu haben, beim Vorstellungsgespräch in die Pfanne gehauen zu werden“, erklärt Laura. Für beide Realschülerinnen sei die in das Projekt investierte Freizeit vollkommen „ok“. Außerdem verstehe Forth es, Anreize zu schaffen und die Realschüler zu motivieren. Zum Beispiel in dem er von einem „feinem Ehepaar“ beim Italiener erzählt. Laut hätten sie gegessen. „Ich habe mich das ein oder andere Mal gefragt, ob sie das Porzellan mitessen wollten!“ Oder mit Gutscheinen. Für McDonalds!