Gelungenes Chorkonzert zum 50. Jubiläum des Kreischorverbandes Burgdorf

Im Vordergrund das Symphonische Blasorchester, dahinter jeweils die Chöre. Das sollte bei einer Wiederholung verändert werden. (Foto: Archiv/Hans Hermann Schröder)
 
Der Schein trügt: Nur etwa 60 Besucherinnen und Besucher hatten die Aula aufgesucht, die Übrigen waren Sänger. (Foto: Archiv/Hans Hermann Schröder)

Leider ließen die Besucher die Sängerinnen und Sänger im Stich

BURGWEDEL/ISERNHAGEN (hhs). Eigentlich war der Samstag vergangener Woche ein wunderschöner Tag: Es war richtig sonnig, auch am späten Nachmittag, und schön warm und kaum windig. Das war Grillwetter, oder sogar Badewetter, wie es unüberhörbar war in der Aula des Gymnasiums Großburgwedel: Durch die weit geöffneten Türen des Versammlungsraums drang fröhliches Gekreische und Geplantsche dort hinein, wo an diesem Nachmittag der Kreischorverband Burgdorf zu seinem Jubiläumskonzert anlässlich seines 50 jährigen Bestehens geladen hatte. Elf Chöre hatten sich angesagt und nur gut 60 Gäste waren nach Großburgwedel gekommen, um diesem einzigartigen Konzert beizuwohnen. Das Wetter, das geradezu zu Freiluftaktivitäten herausforderte, war ein Dilemma, was nicht absehbar war, als das Konzert schon im vergangenen Jahr geplant wurde. Allerdings, man sah es kaum, denn die Sängerinnen und Sänger, die gerade nicht auf der Bühne standen, hatten weiter hinten Platz genommen.

Selbst die geladenen Gäste waren der Veranstaltung fern geblieben und deshalb blieben die ersten Reihen unbesetzt, als der Vorsitzende des Chorverbandes Burgdorf Jürgen Sladeczek das Häuflein der aufrechten Sangesfreunde herzlich begrüßte..Auf der Bühne hatte sich instrumentale Unterstützung für die gut 300 Sängerinnen und Sänger aus den Kommunen Lehrte, Sehnde, Burgdorf, Burgwedel, Isernhagen und Hohenhameln eingefunden: das Symphonische Blasorchester der Musikschule Isernhagen/Burgwedel unter der Leitung von Dirigent Andreas Fingberg-Strothmann. Und die mehrheitlich jungen Musikerinnen und Musiker des Ensembles legten sogleich nach der Begrüßung richtig los: Die Ouvertüre zu Guiseppe Verdis Oper „Nabucco“.
Verdi hat diese Oper 1843 an der Mailänder Scala uraufgeführt und damit seinen Ruf als Freiheitskämpfer in Italien begründet. Zwei Themen beherrschen die Oper, die Unterdrückung und Zwangsarbeit der Israeliten in Babylon unter Nebukadnezar (ital.: Nabucco) und der Hybris des Protagonisten, die ihm den Wahnsinn bringt und der erst erlöst wird, wenn er dem Gott der Israeliten huldigt. Da sind ganz unterschiedliche musikalische Themen gefragt und die sind in ihrer Vielfalt allesamt in Verdis Ouvertüre vorhanden. Die überwiegend jungen Musikerinnen und Musiker setzten diese Vielfalt auf gelungene Weise um, was kein leichte Aufgabe ist, denn wer Musikunterricht genossen hat, kennt die Ouvertüre und hat gleichzeitig hohe Erwartungen daran. Die Isernhagener Blasorchester hat diese Aufgabe hervorragend gelöst.
Anschließend begann der Reigen der Chöre. den Beginn machten der Männerchor Lehrte, der MGV Einigkeit Rethmar und Choro Mixturo. Sie präsentierten das Lied des Steuermanns aus Wagners „Fliegenden Holländer“ und den „Pilgerchor“ aus dem Tannhäuser vom gleichen Komponisten. Hier trat ein zweites Dilemma zutage: Die Chöre waren hinter dem Blasorchester platziert, und das war mehr als unglücklich angesichts der ohnehin nicht guten Akustik der Aula. Das Orchester im Vordergrund, dagegen ließ sich mit Menschenstimmen ohne „technische Verstärkung“ kaum ansingen.
Dieses Schicksal teilten auch die anderen Chöre ,,der Gesangverein Harmonie Engensen, „Die 3 Chöre“, der Farster Chor Isernhagen, der Gemischte Chor „Lyra“ Ramlingen-Ehlershausen, der Gesangverein Aligse, der Frauenchor Hohenhameln, Piccolo Sehnde und die Voices of Harmonie Sehnde, um sie alle zu nennen. Das Programm bot für jeden Geschmack etwas Passendes: Melodien aus den Opern Offenbachs, Mozarts Zauberflöte kam zu Ehren, die „Lustigen Weiber von Windsor“, Hoffmanns Erzählungen, Melodien von Andrew Lloyd Webber, Musical-Gassenhauer aus My Fair Lady, die beinahe zum Mitsingen anspornten: „I Could Have Danced All Night“ und „The Rain in Spain“. Das Publikum war begeistert und spendete rauschenden Beifall. Zum Finale der Höhepunkt, und um es vorweg zu sagen, das war ein einzigartiger Genuss: Alle Chöre präsentierten den „Gefangenenchor“ aus Verdis Oper Nabucco gemeinsam. Diesmal sangen sie nicht von der Bühne sondern in Aufstellung rund um die Zuschauerinnen und Zuschauer, begleitet vom Symphonischen Blasorchester der Musikschule Isernhagen Burgwedel. Und da wurde deutlich, dass die Aufstellung hinter dem Orchester der Fehler in der Anlage war. Das Finale war großartig, und allein deswegen war das Konzert des Kommens allemal wert. Wer dieses Konzert verpasst hat, eine zweite Aufführung findet am Sonntag, den 5. Juni um 16.30 Uhr im Kurt-Hirschfeld-Forum in Lehrte statt.