Gelungene Premiere für Pastoren in Gummistiefeln

Musikalische Unterstützung erhielten die Pastoren von der Kirchenkreisband und vom Posaunenchor Altwarmbüchen. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Mit Gummistiefeln steigt Darwin Goodhorn zu seiner Taufe ins Wasser. (Foto: Svenja Steinseifer)

61 Kinder, Jugendliche und Erwachsene im See getauft

ALTWARMBÜCHEN (svs). Ein riesiges Taufbecken, stand den 61 Täuflingen zur Verfügung: 7 bis 12 Meter tief, 48 Hektar groß, 1,5 Kilometer lang und 450 Meter breit. Im Publikum kämpften manche mit wegfliegenden Regenhauben oder versteckten sich unter dem Dach aus Regenschirmen. Auch die Pastoren sahen etwas anders aus als sonst: Fachmännisch ausgerüstet mit Gummistiefeln oder Taucherboots. Wasser gab es bei dieser Taufe reichlich.
„Was uns beschäftigt, besprechen wir im Gebet“, sagt Pastorin Birgit Birth zu ihren Schützlingen im großen Eröffnungsgottesdienst zur Regionalen Taufe am Altwarmbüchener See, „Herr lass es trocken bleiben und nicht zu kalt sein.“ Zumindest eine Bitte wurde den insgesamt sechs Pastoren und Pastorinnen erfüllt: Zur eigentlichen Taufe blieb der Regen aus. Dafür wehte heftiger Wind. „Der Heilige Geist ist anwesend sie spüren ihn, er weht und weht“, erklärte Birth kurzerhand das Wetterphänomen und auch Eltern, Freunde, Paten und Täuflinge ließen sich vom Wetter ihre gute Laune nicht verderben.
„Das ist echt mal was anderes“, sagt der 14-jährige Lennart, „in der Kirche ist es langweiliger als hier und es sieht nicht so schön aus.“ Ein Taufmarathon am See – eine Idee, die auf Anhieb bei Holger und Birgit Birth, Christine Behler, Paul Gundert, Karsten Henkmann und Nina Harenberg gut ankam und gar nicht so ungewöhnlich ist wie sie auf den ersten Blick klingen mag: „Schon Jesus wurde im Jordan getauft“, erklären Holger und Birgit Birth, „so ist es eine sehr schöne und urtümliche Tradition.“ Sowieso wollte Birgit Birth so etwas „schon immer mal machen“ Das Jahr der Taufe sei ein passender Anlass dafür gewesen.
Einer der Gründe warum sie anstatt der Sonne strahlt und Julia Gerock zu sich ins Wasser bittet. „Ich finde das ist eine richtig gute Idee“, sagt Gerock und zieht ihre Schuhe aus. Julia Gerock ist erwachsen und somit über das eigentliche Tauf-Alter hinaus. „Ich bin in Russland geboren“, erzählt sie. Christliche Werte habe sie vor allen Dingen von ihrer Oma hier in Deutschland gelernt. Obwohl sie selbst in Hannover wohnt, hat sie die Gelegenheit der Taufe am See wahrgenommen. Einmal wegen der Idee an sich und wegen der vielen in Altwarmbüchen wohnenden Verwandten.
Niemand habe mit einem derartigen Andrang gerechnet. „Um ehrlich zu sein, es hat uns umgehauen“, sagt Birth, „die ganze Planung musste noch einmal umgeschmissen werden.“ Zusätzliche Pastoren mussten her, die Parkplatzsituation mit dem Ordnungsamt geklärt werden. „Die Stadt hatte auch Sorge aufgrund des Badebetriebs“, sagt Karsten Henkmann, Pastor der Gemeinde Isernhagen. Zumindest diese Sorge erwies sich im Nachhinein als unbegründet. Er tauft heute zum ersten Mal „in Gummistiefeln“ und es macht ihm sichtlich Spaß. „Dieser enorme Zuspruch hat uns beflügelt und ermutigt“, freut er sich. Drei Monate intensive Planung und Organisation seien nötig gewesen. „Der Altwarmbüchener See ist das Herzstück unserer Gemeinden“, begründet Birgit Birth die Wahl des Veranstaltungsortes. „Hier trifft man sich, redet, erholt sich“, fügt Holger Birth hinzu. Außerdem sei der See ein schönes Symbol für eine Taufe – denn er ist rund und hat kein Ende.
„Wir finden es wunderschön“, da sind sich Eltern und Paten von Darwin Goodhorn einig. „Auch der Gottesdienst war wirklich schön. Es ist einfach eine tolle Idee – deswegen haben wir es ja auch gemacht.“ Damit geht es ihnen wie vielen anderen, daher reicht die Altersspanne der Täuflinge auch von ganz klein über mittel bis hin zu Erwachsenen wie Julia Gerock. Um den vielen Täuflingen auch gerecht werden zu können, wird an je einer Taufstation für Isernhagen, Altwarmbüchen und Kirchhorst jeweils zu zweit getauft. „Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer hätten wir das nie geschafft“, betont Birgit Birth und bedankt sich an dieser Stelle ganz herzlich für das allgemeine Engagement. Einer dieser unermüdlichen ehrenamtlichen Helfer im weißen T-Shirt reicht Darwin ein Handtuch zum Abtrocknen, während Birgit Birth mit einem strahlenden Lächeln und ausgebreiteten Armen den nächsten Täufling in Empfang nimmt.