„Gegen das Vergessen“

Die zweijährige Bertha und ihre ältere Schwester taten es den anderen Teilnehmern gleich: Sie steckten eine Rose in den „Busch der Hoffnung“ unterhalb der Gedenktafel. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Erinnerung an den "Todesmarsch" nach Bergen-Belsen / Gedenkfeier an der Burgwedeler Pestalozzi-Scheune

GROSSBURGWEDEL (bgp). Die landwirtschaftliche Scheune der Pestalozzi-Stiftung wurde am Sonnabend zum Ort des alljährlichen Gedenkens an die Häftlinge, die aus den sieben hannoverschen KZ-Außenlagern auf dem sogenannten „Todesmarsch“ nach Bergen-Belsen im April 1945 dort übernachteten. Mindestens drei der Häftlinge wurden in der Nacht zum 7. April von ihren Bewachern ermordet, so steht es auf der Gedenktafel. Ein Zeuge hatte später sogar von etwa 20 Toten berichtet, die am nächsten Morgen auf dem Hof lagen. Die erschöpften Häftlinge hatten versucht, den Brotwagen zu stürmen.
Rudolf Gutte, Sprecher der Burgwedeler Bürgerinitiative „Gegen das Vergessen“, würdigte vor rund fünfzig Teilnehmern auch die „Freunde des Buß-Ganges“, die bereits zum 39. Mal von Hannover nach Bergen-Belsen gingen und damit „einen großartigen Erinnerungsbeitrag“ leisteten. Seit 2005 führt die Burgwedeler Bürgerinitiative jährlich diese Gedenkveranstaltung an der Scheune durch, von Anfang an gemeinsam mit der Pestalozzi-Stiftung und der Initiative „Buß- und Erinnerungsgang von Hannover nach Bergen-Belsen“. Wolfgang Schwenzer machte als Sprecher der Buß- und Erinnerungsgänger deutlich, dass diese Form des Gedenkens nicht immer willkommen gewesen sei, doch mittlerweile habe sich das geändert: „Hier hat sich etwas vollzogen, im Kleinen, auf das Burgwedel stolz sein kann.“ Seit vielen Jahren ist auch der Ortsrat daran beteiligt. „Wir hoffen, damit unsere demokratischen Werte für eine friedliche Zukunft zu stärken“, betonte Gutte.
Pastor Claus Dietrich Fitschen, Vorstand der Pestalozzi-Stiftung in Großburgwedel, hob den Wert der Erinnerungskultur vor Ort hervor, die auch mit „kleinen Tafeln, kleinen Plaketten und Stolpersteinen“ Anlass zum Nachdenken gebe. Auch wenn man daran vorbeigehen könne, brächten sie doch die Menschen dazu, inne zu halten. Das bringe manchmal mehr, als große Monumente, so Fitschen. Wolfram Wallrabenstein begleitete auf seiner Flöte mit „Moorsoldaten“ und „Freunde, dass der Mandelzweig“ zwei Lieder, die der Gedenkstunde den passenden Rahmen verliehen.