„GartenKlänge“: Viele Burgwedeler haben den Stein der Weisen im „Alten Park“ gefunden

Aus einem Fass ertönen Burgwedeler Geschichten rund ums Thema „Wasser“. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
„Wo kommt die Stimme her?“, fragten sich die erwartungsvollen Besucher. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Audiokunstprojekt kann noch bis zum 31. Oktober erlebt werden

GROSSBURGWEDEL (hhs). Neues macht neugierig. Und Neues kann beeindrucken. Das waren die wesentlichen Erkenntnisse am Ende der Eröffnung des Audiokunstprojektes „GartenKlänge Burgwedel sucht den Stein der Weisen“ am Abend des vergangenen Samstages. Die Künstlerin Natalie Deseke hatte für diesen Event gesorgt, mit Unterstützung des Kunstvereins Burgwedel/ Isernhagen, der Stadt Burgwedel und der Gartenregion. Gut 200 Gäste konnten die Veranstalter am Eröffnungsabend verbuchen, eben die Neugierigen, die die sprechenden Bäume, Büsche und Steine erleben wollten.
Die Eröffnung war ein ganz unprosaischer Akt, niemand hielt sich in langen Vorreden auf: Burgwedels stellvertretende Bürgermeisterin Angela Brix freute sich über das große Interesse der Burgwedeler an diesem neuen Aspekt von „Kunst im öffentlichen Raum“ in der Kommune, und erklärte, die Stadt werde auch in Zukunft derartige Projekten gegenüber offen stehen. Auch Stephan Rautenkranz, Vorsitzender des Kunstvereins, fasste sich kurz. Sein Dank ging an die Stadt Burgwedel, die Region Hannover und letztlich an Natalie Deseke, die Neues geschaffen habe und damit Selbstverständlichkeiten wie „Sprache“ eine neue Dimension gebe. Frank Torsten Moll, Kurator des Zeppelinmuseums in Friedrichshafen, formulierte in seiner Ansprache den beinahe philosophischen Aspekt, Natalie Deseke habe mit modernen Mitteln ein lebendiges Heimatmuseum entwickelt, dass viele Möglichkeiten des Entdeckens biete und von einer Wechselbeziehung lebe. Diese sei zum Einen in der Einbeziehung der Burgwedeler und ihrer Beiträge in der Entstehungsphase begründet, zum anderen in der Suche nach den Geschichten am Präsentationsort, in den Bäumen, Büschen, Steinen und den Objekten. Dann ging es los, ganz unprosaisch, wie eben beim Einsatz von Technik gewohnt, einfach mit einem Druck auf den Schalter, die Gäste drehten sich auf dem Absatz herum und begaben sich auf die Entdeckungsreise zu den GartenKlängen.
Bäume, Büsche, Steine, ein Fass mit Sonnenkollektoren begannen zu sprechen, sobald sich die Besucher bewegten. Die Menschen verharrten, lauschten still. Es lag eine gespannte Stille über dem Alten Park und erst beim längeren Verweilen konnte man erkennen, dass Natalie Deseke nichts dem Zufall überlassen hatte, dass alles in einem inneren Zusammenhang konzipiert war: Die Stimme aus dem verkohlten Sack im Baum berichtete von Brandkatastrophen, großen Feuern in den Ortschaften, das Fass stand symbolisch für das Elemente Wasser. Auch die sieben Steine lagen dort nicht zufällig, wie ein Besucher es formulierte. Sie symbolisierten die Ortschaften der Stadt Burgwedel, deren Einwohnerinnen und Einwohner die Geschichten erzählt hatten, die Natalie Deseke dann bearbeitet, mit Atmo und Musik unterlegte und sie schließlich in den Mittelpunkt der Installation stellte. Am Ende waren es 77 Geschichten, die die Künstlerin präsentierte, eine stolze Zahl und damit ein Zeichen des großen Engagements der Burgwedeler.
Das Rezeptionsverhalten der Neugierigen änderte sich mit dem Hören: Zuerst hatten sie alle ein großes Bedürfnis, den Sprecher/Autor der Beiträge zu erkennen: Das könne dieser oder jener Bekannte sein, wurde in den Gruppen der Hörer diskutiert. Es war ihnen offensichtlich wichtig, zunächst den Worten ein Gesicht zuordnen zu können. Das ging aber nur bei wenigen Beiträgen. Die Sprache stand sonst vollkommen für sich allein, ohne dem Zuhörer noch weitere gewohnte Informationen zum Inhalt anzubieten. Zudem findet alles im öffentlichen Raum statt, zwischen Bäumen und Büschen im Park, und selbst Kinder glauben nicht mehr daran, dass irgendetwas dort „sprechen“ kann. „Wenn der Sprache das entsprechende Gesicht fehlt, dann kann man ganz schwierig beurteilen, ob wahr ist, was dort erzählt wird, oder ob es eine Fiktion ist“, formulierte ein Besucher sein Problem damit. Er wird in Zukunft sicherlich stärker darauf sensibilisiert sein, die Inhalte zu analysieren, als auf den schönen Schein drumherum hereinzufallen.