Fremd in der Fremde: Leben mit dem Kulturschock

Fremd in der Fremde zu sein bringe zunächst einmal einen Kulturschock mit sich, hielt die studierte Kommunikationswissenschaftlerin Birgit Diers am Anfang ihres locker gehaltenen Vortrags fest. (Foto: Renate Tiffe)

Birgit Diers sprach beim Interkulturellen Frühstück für Frauen

GROSSBURGWEDEL (ti). 40 Frauen hatten sich zum Interkulturellen Frühstück für Frauen angemeldet. Mindestens 50 Teilnehmerinnen fanden sich zum Oktober-Treffen ein, das diesmal außerplanmäßig im Gemeindesaal der ev. St. Petri-Kirchengemeinde stattfand. „Wir treffen uns als Frauen, ohne programmatische - und schon gar nicht politische – Vorgaben“, hatte Regina Gresbrand, die Initiatorin, zur Einführung betont. Was mittlerweile nicht ausschließt, dass das eine oder andere Thema zur Diskussion gestellt wird.
Diesmal sprach Birgit Diers, die der Frühstücks-Runde angehört, darüber, wie kulturelle Unterschiede unsere Kommunikation beeinflussen. „Warum Sprachkenntnisse oft nicht ausreichen, um verstanden zu werden“ lautete das Thema der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt. Fremd in der Fremde zu sein bringe zunächst einmal einen Kulturschock mit sich, hielt die studierte Kommunikationswissenschaftlerin am Anfang ihres locker gehaltenen Vortrags fest. Den zu überwinden brauche es fünf Phasen und eine längere Zeit.
In der ersten Phase wird alles als neu und schön empfunden, der jedoch bald die Stufe der Entfremdung mit ersten Kontaktschwierigkeiten und Irritationen folgt. Selbst mit Kenntnis der Sprache wird nicht alles verstanden. In der dritten Phase folgt dann die Eskalation. Die Betroffenen haben sozusagen die Nase voll und finden in der eigenen Kultur alles besser. Als Eisbergmodell schilderte Birgit Diers das, was aus der eigenen Kultur mitgebracht wird, den sichtbaren Teil der Sitten und Bräuche, der Kleidung, der Musik. Noch problematischer ist der unsichtbare, der unbewusste Teil mit der persönlichen Programmierung des Denkens, Fühlens und Handelns. Die persönlichen Werte sind das Dilemma. Als Beispiel nannte sie, dass in den arabischen Ländern der Wert der Familie sehr hoch eingeschätzt wird. Termine einzuhalten, hierzulande eine Selbstverständlichkeit, sei unter dieser Voraussetzung undenkbar. Erst in der 4. und 5. Phase beginne die Erholung aus dem Kulturschock. Konflikte können als Missverständnisse wahrgenommen werden und als Ergebnis der kulturellen Unterschiede. Die Beherrschung der Sprache spielt dann eine große Rolle.
Insgesamt sei die erforderliche Anpassung eine ungeheure Leistung.
Eine rege Aussprache schloss sich an. Alteingesessene wie Neu-Bürgerinnen berichteten aus ihren Erfahrungen. Sie habe fünf Jahre gebraucht, um sich einzuleben, sagte die gebürtige Syrerin Layla Mohamed. Das Lernen der Sprache sei das eine, die Frage „was ist mit mir los“ das andere warf Julieta Beine ein. Aus Mexiko stammend und mit einem Deutschen verheiratet, mag sich manches eher ausgleichen. Aber spätestens bei der Erziehung der Kinder werde es schwierig. Auch bei großer Offenheit und beim besten Willen beiderseits sei um die einzelnen Phasen nicht herumzukommen hatte Regina Gresbrand mit ihrer japanischen Freundin erfahren. Das Zusammenleben sei ein jahrelanger Prozess gewesen. Es gehe um das Miteinander und darum, sich ohne Überheblichkeit zu begegnen. Was helfe sei die Mitmenschlichkeit und die nehme zu, je mehr fremde Kulturen man kennenlernt.
Burgwedel sei in dieser Hinsicht gut aufgestellt, meinte Birgit Diers. Wichtig sei, dass das Interkulturelle Frauenfrühstück erhalten bleibe. Die CDU-FDP Gruppe werde im Stadtrat einen Antrag auf finanzielle Förderung stellen.