Fokus Klimaschutz

Standen in Klimaschutz-Fragen Rede und Antwort (v. l.): Arpad Bogya, Dr. Frank-Peter Ahlers und Christian Bebek.
 
Dirk Moch beschäftigt die Frage, wie die Akzeptanz für Klimaschutzbelange bei den Mitarbeitern erhöht werden kann.

Gemeinde Isernhagen lud Gewerbetreibende zum Neujahrsempfang ein: „Herausforderungen der Isernhagener Wirtschaft in Zeiten des Klimawandels“

ISERNHAGEN (bgp). Alljährlich lädt die Gemeinde Isernhagen lokale Gewerbetreibende zum Neujahrsempfang in den Isernhagenhof. Am Dienstagabend stellte Bürgermeister Arpad Bogya den rund 250 Gästen aus der Isernhagener Wirtschaft aktuelle Entwicklungen in Sachen Schule, Kinderbetreuung und Infrastruktur der Gemeinde vor und widmete sich anschließend dem Thema Klimaschutz. „Das betrifft auch die Unternehmen vor Ort“, betonte Bogya und verwies auf die Bestrebungen der Gemeinde, mit ökologischem Handeln Vorreiter für Unternehmen zu sein: „Das Schulzentrum war schon immer eine Versuchsstelle.“ Die dortige Energieversorgung erfolge mit Photovoltaikanlagen und dem Abwärme-Konzept „Wärme to go“ in Kooperation mit der nahe gelegenen Deponie in Lahe. Das Thema des diesjährigen Neujahrsempfangs sei deshalb auch ein „Baustein, mit Ihrer Standortgemeinde in Kontakt zu kommen“, sagte Bogya. Die politischen Entscheidungen zum Klimaschutz seien für lokale Unternehmen an vielen Stellen eine große Herausforderung, bei deren Bewältigung die Gemeinde hilfreich zur Seite stehen wolle: „Wir sind am Austausch mit Ihnen sehr interessiert, treten Sie mit uns in Kontakt, wir helfen gerne, auch wenn es Probleme gibt“, ermunterte er die Gäste zum Dialog.

Zwei Fachreferenten informierten mit Impulsvorträgen über Maßnahmen, mit denen Unternehmen neuen Anforderungen im Klimaschutz begegnen können. Christian Bebek, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK), räumte ein, dass in Deutschland zwar schon Einsparungen von Treibhausgasemissionen da seien, diese aber „noch relativ klein“ ausfielen. Da die Umsetzung der Energiewende auch mit hohen Kosten verbunden sei, brauche es viel Beratung und Instrumente für Unternehmen, um die neuen Standards zu etablieren. „Wo können Unternehmen ansetzen?“ sei eine Frage, bei der die IHK beratend unterstützte, betonte Bebek und stellte Betriebe vor, die Konzepte zum Klimaschutz bereits umgesetzt haben.
Er schilderte das Beispiel eines großen Fruchtsaft- und Nektarherstellers, der seine Auszubildenden über das Programm „Energyscouts“ der IHK damit beauftragt hatte, nach ressourcenschonenden Möglichkeiten im Unternehmen zu suchen. Prompt stellten die Auszubildenden fest, dass ein Außenrolltor am Lager tagsüber ständig offenstand, während die Generatoren permanent „auf Hochtouren liefen“, um die einströmende Luft wieder zu kühlen. Die Installation einer Lichtschranke für rund 3.000 Euro habe dafür gesorgt, dass weniger Energie verbraucht werde. Außerdem habe sich die Anlage schon innerhalb eines Jahres amortisiert, hob Bebek hervor.

Frank-Peter Ahlers, Abteilungsleiter des Zentrums für Umweltschutz der Handwerkskammer Hannover, vertiefte, was an Klimaschutzmaßnahmen schnell umgesetzt werden kann. Bei Neubauten werde dahingehend beraten, die Gebäude im Niedrigenergiestandard zu bauen, automatische Lichtschaltungen und Photovoltaikanlagen zu installieren. Auch im Altbestand sei noch vieles möglich. Ihm sei ein Unternehmen bekannt, das durch geschickten Einsatz der neuesten Technologie 93 Prozent seines Stromverbrauches darüber generieren könne, berichtete Ahlers begeistert.
Ein Dachdeckerbetrieb in 3. Generation habe auf den Gebäuden Solarpanels und Gründächer, die Fahrzeugflotte werde mit Strom betrieben. Der Inhaber mache es, weil er es für richtig halte. Das habe sich bei den Mitarbeitenden herumgesprochen, in Zeiten des Fachkräftemangels habe das Unternehmen neue Mitarbeiter generieren können, statt welche zu verlieren. Die Unternehmen bräuchten „Ernsthaftigkeit und nicht nur ein grünes Logo“ in Sachen Klimaschutz, dann könnten sie auch Kunden akquirieren, die bereit sind, dafür etwas mehr Geld auszugeben, so Ahlers. Die lokale Wirtschaft sei früher oder später von den Folgen des Klimawandels mit anhaltender Trockenheit oder Unwetterereignissen betroffen und müsse sich dem stellen. Die Infrastruktur sei zeitweise jetzt schon davon beeinträchtigt. Hitzeschäden auf der Landebahn des Hannoverschen Flughafens, erlahmter Schienenverkehr durch Sturmschäden oder Hagelschläge seien nur einige der bereits sichtbaren Folgen. Der Umweltfachmann ermunterte die Gewerbetreibenden: „Wir müssen im Kleinen anfangen, da muss man nicht gleich die ganze Firma umkrempeln!“

Dirk Moch, Geschäftsführer der Ludwig Bertram GmbH, machte sich Gedanken darüber, wie die Akzeptanz für Neuerungen in Sachen Klimaschutz in der Belegschaft erhöht werden kann. Eine befriedigende Antwort dazu hat er noch nicht, ist aber begeistert von dem Format des Neujahrsempfangs und dem großen Beratungsangebot der Gemeinde: „In Isernhagen wird viel für die Unternehmen getan“, berichtet er von seinen Erfahrungen, als das Unternehmen aus Laatzen nach Kirchhorst umsiedelte und dort neu baute.