Fördergelder für vier Schulen

Nach der Verteilung der 13.000 Euro Vereinsvermögen: Wirtschaftsförderin Antonia Hingler (von links), Jana Schmalfuß, Matthias Hering, Claudio Bini und Heike Schlimme-Graab von der IGS Wedemark, davor Initiator Walter Zychlinski, Jens Szabo und Stefanie Krieg von der Realschule Wedemark, Ele Schilling und Nadine Cornelius für die Realschule Isernhagen und Lutz Matai von der Heinrich-Heller-Schule in Isernhagen. (Foto: Anke Wiese)

Verein Lehrstellenmagazin ist aufgelöst – jetzt ist auch das Geld verteilt

WEDEMARK/ISERNHAGEN (awi). Das Projekt Lehrstellenmagazin hat seine Arbeit bereits vor mehr als einem Jahr eingestellt. Der eingetragene Verein Lehrstellenmagazin ist aufgelöst.
Es waren allerdings noch 13.000 Euro aus dem Vereinsvermögen im Sinne des Vereinszwecks (Förderung der Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft) zu vergeben. Das ist am Donnerstag im Rahmen einer kleinen Feierstunde passiert.
Der ehemalige Vorstand des Vereins hat beschlossen, dass das Geld unter den vier Schulen, die bis zuletzt am Projekt mitgewirkt haben, auf Antrag aufgeteilt werden soll. Die Realschule Wedemark erhält 3.500 Euro für Maßnahmen der beruflichen Orientierung, die IGS Wedemark, 3.000 Euro für eine im Entstehen begriffene Schülerfirma, die Realschule Isernhagen freut sich über 3.250 Euro für vertiefte Berufsorientierung und die Heinrich-Heller-Schule über ebenfalls 3.250 Euro für die Förderung der Ausbildungsreife. Für die beiden letzteren Schulen, die demmnächst auslaufen, ist das Fördergeld mit der Auflage verbunden, mindestens 1.500 Euro an die „Folgeschule“, die IGS Isernhagen, zur Verwendung im Vereinszweck weitergegeben.
Doch zunächst hatte Walter Zychlinski „sein Baby“ Lehrstellenmagazin noch einmal Revue passieren lassen: Er war als Lehrer für Arbeit und Wirtschaft an der Realschule Wedemark, als es 1999 mit dem Lehrstellenmagazin losging. Initialzündung war die Tatsache, dass sehr viele Schüler auf dem Weg nach einem Ausbildungsplatz waren, aber es davon viel zu wenige gab.
Ein Schülerfirma-Projekt brachte Zychlinski auf die Idee die Suche nach Ausbildungsplätzen professionell aufzuziehen. Die Schüler wurden darin geschult, Betriebe aufzusuchen und dort nach Ausbildungs- und Praktikumsplätzen zu fragen, die sie in einer Art Börse zusammenfassten und ihren Mitschülern kundtaten.
Zunächst passierte das in gedruckter Form, kurze Zeit später bereits zusätzlich im wesentlich flexibleren Internet und in den letzten Jaren ausschließlich digital. An der Realschule Wedemark wurde das Projekt ins Leben gerufen, die Realschule Isernhagen stieg als Zweites ein, weitere Schulen in Hannover und der Region schlossen sich – nicht zuletzt auf Betreiben ihres für sie zuständigen Dezernenten Steinhoff.
Auf dem Höhepunkt des Projektes seien etwa 2011 17 Schulen mit im Boot gewesen, berichtete Zychlinski. Er selbst nahm das Projekt beim Schulwechsel mit an die IGS und blieb auch Vorsitzender des 2008 gegründeten Vereins, als er die Schulleitung der Grundschule Elze übernahm.
Bereits 2004 war das Lehrstellenmagazin als Marke angemeldet worden, um es vor Übernahme- und Kopierversuchen zu schützen. Das Projekt bekam diverse Auszeichnungen, unter anderem einen dritten Preis bundesweit als „Ausbildungs-Ass“. Den Ehrenpreis dafür gab Zychlinski am Donnerstag an Realschulleiter Jens Szabo weiter.
Walter Zychlinski bedankte sich ganz ausdrücklich bei allen, die sich in den zurückliegenden Jahren für das Projekt Lehrstellenmagazin engagiert haben und hob dabei besonders Ele Schilling, Lutz Matai und Ralf Ostendorp von der Arbeitsagentur und Isernhagens Wirtschaftsförderer Michael Frerking hervor.
Selbstverständlich gelte sein Dank auch den unzähligen Schülern, die für ihre Mitschüler Lehrstellenangebote eingeworben hätten. Wieviele Schüler in den zurückliegenden 20 Jahren über das Lehrstellenmagazin einen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz gefunden haben, konnte Zychlinski nicht beziffern.
Er war sich jedoch mit seinen Kollegen einig, dass es schon einige tausend Schüler gewesen sein dürften. „Registriert haben wir rund 15.000 Klicks mit unserem Zählwerk“, berichtete Zychlinski stolz. Für die Schüler, die die Lehrstellenangebote einwarben, sei der Lohn gewesen, real in der Berufswelt der Erwachsenen unterwegs zu sein.
So habe ihm einmal ein Schüler gesagt, er komme sich wie ein Bettler vor, wenn er zu den Firmen gehe, bevor er das erste Mal unterwegs war. Und dann habe er ganz andere, positive Erfahrungen gemacht, sei mit Respekt behandelt, mit Herr angesprochen worden und habe einen Kaffee angeboten bekommen.
„Wir haben feststellt, unsere Schüler sind einen Kopf größer aus diesem Projekt herausgekommen, als sie hineingegangen sind“, resümierte Walter Zychlinski, dessen Herz unübersehbar noch immer an diesem ganz besonderen Projekt hängt. Nicht unerwähnt ließ Zychlinski auch die Sponsoren, die entscheidend zum Gelingen des Lehrstellenmagazins beigetragen hätten. In erster Reihe nannte er Conti, Kind, MTU, Sennheiser, aber auch den Spar- und Bauverein.
Schon während der aktiven Zeit des Lehrstellenmagazins seien Förderpreise ausgelobt worden und Geldbeträge als Motivation an die Schulen geflossen, die die meis-ten Lehrstellenangebote eingeholt hätten. Die Förderung, die die bis zum letzten Atemzug des Lehrstellenmagazins an Bord gewesenen Schulen Realschule und IGS Wedemark, Realschule Isernhagen und Heinrich-Heller-Schule jetzt aus dem aufzulösenden Vereinsvermögen erhielten, solle auf jeden Fall so verwendet werden, dass sie mit dem Vereinszweck des Lehrstellenmagazins konform ist, betonte Zychlinski.
Alle von den vier Schulen vorgestellten Projekte hätten diesen Anspruch erfüllt. Für ihn als Vorsitzenden des Vereins und Lutz Matai als Kassenwart sei mit der Überweisung der Geldbeträge und dem Nachweis darüber an das Finanzamt die Vereinsauflösung endgültig abgeschlossen.
„Einen Verein zu gründen ist ja schon bürokratisch nicht so ganz einfach, aber ihn wieder aufzulösen ist um ein Vielfaches schwieriger“, haben nämlich Walter Zychlinski und seine Kollegen in den letzten Monaten feststellen müssen.