Festkonzert zum Geburtstag: Oratorienchor besteht 35 Jahre

Zu seinem 35. Gründungsjubiläum hatte der Oratorienchor Burgwedel zu einem Festkonzert in St. Marcus eingeladen. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Am Ende gab es Blumen für Chorleiter Martin Helge Lüssenhop. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Madrigale, Motetten und romantische Chorlieder in St. Marcus

WETTMAR (hhs). Es liegt in der Natur der Sache: Wenn ein Chor, zumal ein sehr guter, seinen Geburtstag feiert, dann singt er und die Freunde guter Chormusik kommen zuhauf, nicht nur zum Gratulieren, sondern auch zum Hören und Genießen. So war es auch am vergangenen Samstag, als der Oratorienchor Burgwedel zum Festkonzert anlässlich seines 35-jährigen Bestehens in St. Marcus in Wettmar eingeladen hatte. Auf dem Programm waren Madrigale, Motetten und romantische Chorlieder angekündigt, von Bach, Händel, Brahms und Mendelssohn und anderen, unbekannteren Autoren. Das Kirchenschiff war gut von Besuchern gefüllt, und alle erlebten, um es vorweg zu sagen, ein Konzert der Extraklasse, unterstützt von Caroline Sateidl und Katrin Metzmacher, beide Violine, Birte Kuck, Viuola, Monika Hermann Violoncello, Jörg Lühring, Kontrabass, und Alejandro Spadaro, Perkussion..
Es war die professionelle Leichtigkeit, mit der der Oratorienchor sein Publikum fesselte und begeisterte. Da saß jeder Einsatz in jeder Stimme, da war keine Unsicherheit zu spüren, keine bange Miene in den Gesichtern der Sängerinnen und Sänger, man spürte nur Stimmen, die hinaus wollten in die große Runde der Sangesfreunde auf dem Kirchengestühl. Es war jede Menge Freude am Singen zu spüren, was aber zu keiner Sekunde Gefahr lief, in überhebliche Lässigkeit abzugleiten.
Mit den „Madrigalen“ auf dem Programm begab sich der Oratorienchor zurück zu seinen Wurzeln, denn ursprünglich war er unter dem Namen „Madrigalchor Burgwedel/Isernhagen“ gegründet worden, von Heinz-Dieter Sartorius, dem damaligen Leiter der Musikschule Isernhagen & Burgwedel. In den Folgejahren entwickelte sich der Chor weiter zu einer leistungsfähigen Gemeinschaft und führte immer wieder weltliche und kirchliche Werke mit großem Erfolg auf. Oratorien rückten in den Mittelpunkt und führten schließlich zur Namensänderung. Inzwischen ist der Oratorienchor Burgwedel ein eingetragener Verein geworden. Seit 2004 werden die Sängerinnen und Sänger von Martin Helge Lüssenhop dirigiert. Im Vorfeld des Konzerts hatte ein klösterliches Chorwochenende auf dem Programm gestanden, die Generalprobe soll gut drei Stunden gedauert haben.
Aber zurück zum Madrigal: Sie steht für eine literarische Form italienischer Lyrik des 14. Jahrhunderts und eine davon herrührende musikalische Form des 16. und 17. Jahrhunderts, die diese Lyrik musikalisch verarbeitete. Die damals „klassische“ lyrische Form war die Stanze, acht Verse im Maß abababcc je Strophe, bei meistens drei Strophen insgesamt. Diese Madrigale verarbeiteten weitgehend weltliche Themen.
Diese musikalischen Madrigale aber stehen für eine der fruchtbarsten Epochen in der Musikgeschichte und -entwicklung, dem Übergang von Renaissance zu Barock, überhaupt: Pizzicato, Tremolo entwickelten sich, die instrumentale Technik wurde revolutioniert, neue Instrumente kamen hinzu, deren Einsatz die lautmalerische Unterstützung von Texten ermöglichte, der basso continuo wurde erfunden, Mehrstimmigkeit setzte sich durch ebenso die Vorläufer von Oper und Oratorium.
Insofern lud das Programm gleich zu Anfang ein zu einer Reise in die Vergangenheit und damit zu den Anfängen unserer heutigen Musik. „Musica, die ganz lieblich Kunst“ von Johann Jeep 1614 war ein gut ausgewähltes Beispiel dafür. Musik thematisiert sich selbst, eine unglaublich mutige Idee zu jener Zeit. Und dabei waren die letzten vier Verse als Einladung zu Chorgesang obendrein auch heute wahrlich gut geeignet: „Stimmt an, stimmt an den Lobgesang. Lasst Eure Stimm' erklingen und hört nicht auf zu singen“. Und das alles allein aus Freude am Gesang, der Unmögliches schafft, Schmerz, Unmut, Traurigkeit vertreibt und Steine bewegt, wie es die beiden ersten Strophen formulierten. Schade aber und um so betrüblicher, dass im Anschluss die große Chance auf Teilhabe an der elementaren Kraft des Gesangs dem Publikum verschlossen blieb. „Gehe aus mein Herz und suche Freud'...“, wurde angekündigt, das bekannte Lied von Paul Gerhardt und Michael Prätorius, eines der wohl schönsten und bekanntesten Lieder aus dem evangelischen Kirchengesangbuch. Es wurde angekündigt unter einem historischen Aspekt, mit der Originalmelodie von Prätorius. Die war dann aber gar nicht so verschieden von der gewohnten, neueren dieser Tage und alle Besucher hatten den Text der vier Strophen im Programmheft auf dem Schoß liegen. „Und jetzt singt Ihr alle mit“, darauf hofften viele Besucher vergebens. Da war eine große Chance vertan...