FDP macht sich stark für den Mittelstand

Hauptredner vor mehr als 100 Teilnehmern war der Burgwedeler Unternehmer Martin Kind. (Foto: Renate Tiffe)

Gut besuchtes Dreikönigstreffen in Isernhagen

ALTWARMBÜCHEN (ti). Das Dreikönigstreffen in Isernhagen ist eine gemeinsame Veranstaltung der Rudolf von Bennigsen- und der Friedrich-Naumann-Stiftung, FDP-nahen Vereinigungen, die sich der politischen Bildung verpflichtet fühlen. Beteiligt ist auch der Liberale Mittelstand. „Erfolgsfaktoren für den Mittelstand – Was uns stark macht“ war diesmal das Thema des Treffens, das zum vierten Mal stattfand und von Marcel Niemann, dem Vorsitzenden des FDP-Ortsverbandes, moderiert wurde. Hauptredner vor mehr als 100 Teilnehmern war der Burgwedeler Unternehmer Martin Kind.
Der Nervosität der Liberalen, deren Bundesvorsitzender am gleichen Tag in Stuttgart um sein politisches Überleben kämpfte, und deren Umfragewerte zur Zeit um die vier Prozent pendeln, traten die Veranstalter mit Entschiedenheit entgegen. Peter-Jürgen Rau, der Vorsitzende der Rudolf-von-Bennigsen-Stiftung, befasste sich in seiner Begrüßungsrede ausführlich mit den Begriffen von Freiheit und Liberalität. Gleichheit und Gerechtigkeit gingen heute vielfach zu Lasten der Freiheit, meinte er. Der Mittelstand brauche Freiheit, um kreativ und leistungsfähig zu sein. Der Liberalismus setze soziale Intelligenz voraus und die finde bei mehr als fünf Prozent der Bevölkerung Zustimmung. Ebenfalls bei der Begrüßung stellte Friedhelm Pietschmann, Isernhagener Vorsitzender des liberalen Mittelstandes, heraus, dass Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent und einer Arbeitslosigkeit unter 3 Millionen am besten durch die Finanzkrise gekommen ist. Das sei vor allem den Arbeitnehmern und dem Mittelstand zu verdanken, denen die Politik die Auswirkungen der Finanzkrise „vom Halse“ gehalten habe.
Martin Kind, erfolgreicher Unternehmer in der Hörgeräte-Branche, ergänzte diesen Eindruck, indem er Respekt für die Großunternehmen wie VW forderte, die die weitaus größeren Umsätze erzielten. Beim Mittelstand handele es sich in der Regel um Familienunternehmen, die persönlich mit ihrem Eigentum haften und ein ausgeprägtes Beziehungsgeflecht zu ihren Mitarbeitern unterhalten. Ihre „flachen Hierarchien“ befähigten sie, sich schnell mit Kreativität und Innovationen auf veränderte Märkte einzustellen. Insofern haben die mittelständischen Unternehmen in der Krise ihre Hausaufgaben gemacht. Ihre Chancen blieben erhalten, wenn sie die Erträge pragmatisch ins eigene Unternehmen einbringen könnten. Kinds Empfehlung: investieren Sie - wobei er auf Nischen in Produktion und Dienstleistungen verwies, aus denen Unternehmen wie sein eigenes aber auch die Firmen Rossmann und Sennheiser hervorgegangen sind. Ihr Vorteil sei, dass sie sich freier und deutlicher auf Nachhaltigkeit einstellen können. Forschung und Entwicklung nehmen dabei eine Schlüsselstellung ein. Die Verantwortung der Unternehmer erfordere aber auch, dass die Mitarbeiter entsprechend bezahlt und für die Aus- und Fortbildung gesorgt werde. Die Firma Kind bildet zur Zeit 450 Lehrlinge aus. Und schließlich müsse die Nachfolge rechtzeitig ins Auge gefasst werden, was in seinem Fall glücklich gelungen sei. Sein ältester Sohn habe sich entschlossen, die Wissenschaftslaufbahn aufzugeben und „dann doch lieber zu arbeiten“. An Wünschen an die Politik äußerte Kind: Wir brauchen ausreichend Freiraum, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Staat muss die Finanzen in Ordnung halten und im Bildungswesen mehr Fortschritte machen.
Auf Bemühungen in diesen Richtungen in Niedersachsen wies der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Dr. Oliver Liersch hin. An die Kommunen richtete der stellvertretende Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Dr. Horst Schrage, die Forderung, Bürokratiehürden abzubauen und die Beratung der Firmen zu verbessern.