Fassade für urbane Kunst

Philipp von Zitzewitz (2. v. r.) unterstützte Geany Behre (v. l.), Freia Sörensen, Phoebe Behre, Anja Katharina Duda und Fiona Friedrich bei der Konzeption des Entwurfes bis hin zum aktiven Sprayen der Fassade, an der das eindrucksvolle Resultat wochenlanger Arbeit zu sehen ist. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Sprayergruppe setzt Graffiti-Entwürfe mit Sportmotiven an der Westerfeldhalle um

Von Bettina Garms-Polatschek

WETTMAR (bgp). Die Fassade der Westerfeldhalle war eigentlich noch nicht sanierungsbedürftig, doch das, was an Sprühereien auf der hellen Wand bisher zu sehen war, kam im Ort nicht so gut an. Stadtkämmerer Christian Möhring erfuhr von einem Graffiti-Projekt in Hannover Ahlem, das unter Federführung des Fassadenkünstlers Philipp von Zitzewitz mit einer Gruppe von Jugendlichen durchgeführt wurde.
So kam ihm die Idee, die Farbschmierereien an der Westerfeldhalle nicht einfach überstreichen zu lassen, sondern mit professionellem Graffiti eine erneute Verunzierung zu verhindern, da Sprayer in der Regel die Werke anderer Künstler respektierten. Damit stieß er auf offene Ohren im Wettmarer Ortsrat, der sich schon länger eine Verschönerung des etwas tristen Zweckbaus wünschte. Die Kosten für den Fassadenanstrich fielen ohnehin an und da sie in etwa deckungsgleich seien, könne man ebenso gut ein Graffiti-Projekt finanzieren, so der Tenor.
Schnell war über den Kontakt zur Burgwedeler Jugendpflege und Kunstlehrer Martin Keunecke vom Gymnasium Großburgwedel eine dreißigköpfige Gruppe aus Jahrgang acht bis elf zusammengestellt, die gern das Projekt unter Leitung von Philipp von Zitzewitz übernehmen wollte. Fünfzehn bis zwanzig Mädchen blieben letztendlich dabei und gestalteten in Vorbereitungstreffen einen Entwurf, der von dem professionellen Fassadenkünstler noch in die richtige Form gebracht wurde.
Die Nachwuchskünstlerinnen hatten sich für ihre Entwürfe von lokalen Sportangeboten der Vereine inspirieren lassen, berücksichtigten aber auch Motive aus dem Schulleben, wie eine Flamencotänzerin in einem wallenden roten Kleid. Künstlerisch dargestellt werden die verschiedenen Sportarten auf blauem Untergrund mit farbigen Figuren in dynamischer Bewegung, eingebettet in ein Wabenmuster, das die große Fassade optisch unterteilt und die Türen in die Motive mit einbindet.
Die Kerngruppe, welche besonders intensiv am Projekt beteiligt war, traf sich nach vielen Wochen intensiver Planung und Ausführung am vorletzten Ferientag zu einer kleinen Abschiedsfeier, die zum Dank für die Verschönerung der Westerfeldhalle vom Ortsrat und der Stadt Burgwedel ausgerichtet wurde. Leider konnten nicht alle kommen, da manche noch im Urlaub waren.
Bei den Vertretern des Ortsrates herrschte Begeisterung über die Graffiti-Arbeit: „Das ist richtig toll geworden“, freute sich SPD-Ortsratsmitglied Joachim Schluckebier-Risse, der den Fortgang des Projektes mitverfolgt und gestaunt hatte, wie aus einer ersten Entwurfsskizze auf einem kleinen karierten Blatt Papier das gigantische Bild an der Hallenwand wurde.
Neben der großen Fassade in Richtung Parkplatz wurde außerdem die Wand am Weg zum Eingang der benachbarten Kita mit Comicfiguren verschönert, die von den jüngeren Kindern mit Begeisterung jeden Morgen betrachtet werden.
„Die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert“, lobte Philipp von Zitzewitz das Sprayerteam und die Mitarbeiter der Stadt, die immer unkompliziert zur Stelle gewesen seien, wenn ein Gerüst benötigt worden sei oder das umfangreiche Material eingelagert werden musste. Schließlich brauchte die Gruppe neben den zahlreichen Spraydosen auch Atemschutzmasken und Schutzanzüge für die Arbeiten an der Fassade.
Auch Ortsbürgermeister Erwin Fette war begeistert, ebenso Stadtbürgermeister Axel Düker, der schon die nächste Fläche für eine solche Aktion ins Auge gefasst hat. Er könne sich vorstellen, die Außenwand des Freibadgebäudes in ähnlicher Weise gestalten zu lassen, ließ er die Gäste wissen.