Extremisten sind flexibel - der Verfassungsschutz auch

Hendrik Hoppenstedt im Gespräch mit Maren Brandenburger und Dr. Isa Huelsz. (Foto: Renate Tiffe)

Außergewöhnliche Ausstellung im Rathaus Großburgwedel

GROSSBURGWEDEL (ti). Es ist eine außergewöhnliche Ausstellung, die zur Zeit im Burgwedeler Rathaus stattfindet. Nicht nur, dass es lange dauerte, bis die Wanderausstellung des Niedersächsischen Verfassungsschutzes „Demokratie schützen vor Rechts- und Linksextremismus“ nun in der Stadt gezeigt werden kann. Sie kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden und sie wendet sich vor allem an junge Leute - aber nicht nur an sie.
Zur Eröffnung waren neben Kommunalpolitikern vor allem die Leiter der Schulen und Lehrkräfte eingeladen. Burgwedel sei keine Hochburg der Rechtsextremisten, betonte Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt in seiner Begrüßungsrede (es gibt nur 33 NPD-Wähler) und bei der Mahnmalzerstörung werden Linke Autonome nur vermutet. Dennoch habe der Verwaltungsausschuss sofort zugestimmt, als die Fraktionen von CDU und FDP den Antrag stellten, die Ausstellung hierher zu holen. Dass es fast zwei Jahre dauerte, bis sie kam, liege daran, dass es hier keinen Brennpunkt gebe. Dennoch sei es aus Gründen der Prävention außerordentlich wichtig, sie hier zu zeigen.
In Niedersachsen habe sich die Szene deutlich gewandelt. Das alte Modell von den Skinheads, die nationalsozialistische Parolen grölend durch die Städte ziehen, stimmt nicht mehr, stellte Maren Brandenburger vom Niedersächsischen Verfassungsschutz zur Einführung fest. Die Propaganda sei heute gegenwartsbezogener, die inhaltliche Arbeit auf soziale Themen und die Wirtschaft ausgerichtet. Und sie wende sich vor allem an Jugendliche mit einer jugendspezifischen Sprache. Ausgehend von der Erlebniswelt eines 15-Jährigen, der meist nicht viel vom Nationalsozialismus weiß, werden positive Werte wie Verständnis und Geborgenheit in der Gruppe vermittelt und dazu die ebenso schlichten wie menschenverachtenden „Weisheiten“ des Volksgemeinschaftsdenkens, die die „Starken“ heraushebt und Minderheiten und Schwache fundamental ausgrenzt . Die niedersächsische Kameradschaftsszene – etwa 20 solcher Gemeinschaften werden beobachtet -  arbeite sehr professionell und nutze auch positive Begriffe wie den Umweltschutz für ihre Zwecke. Der Medienkompetenz der jungen Leute werde ein hoher Stellenwert eingeräumt. Neuere Entwicklungen beziehen sich auf die Musik, durch deren höhere Ansprechbarkeit Inhalte leichter zu vermitteln sind. Beispiele krasser Art sind in der Ausstellung mit Kopfhörern zu hören. Der Verkauf von  Tonträgern  über Internet boomt, eine schleichende, unabsehbare Gefahr.
Ein großer Teil der vielen Schautafeln in der Ausstellung widmet sich den Rechtsextremen. Die Gewaltbereitschaft der linken Autonomen spricht nicht jeden Jugendlichen an. Die linksextremen Aktionsfelder werden ebenso dargestellt. Das Beklemmende ist, dass sich zur Zeit rechte wie linke Szenen gegeneinander hochspielen.
Betroffen zeigten sich Thorsten Riekenberg (CDU) und die FDP-Politikerin Dr. Isa Huelsz die die Ausstellung nach Burgwedel geholt haben, von den Symbolen der Rechten und sie staunten, wie sich die Ausstellung in den zwei Jahren verändert hat. Der Verfassungsschutz passt sich der Flexibilität der Extremen an.
Bis zum 21. September ist die Ausstellung zu sehen, durch die Verfassungsschützer führen. Für die Schulklassen besteht bereits ein Besuchsplan. Darüber hinaus müssen Besichtigungen bei der Gleichstellungsbeauftragten Monika Franke angemeldet werden, die für die Prävention in Burgwedel zuständig ist (Telefon: 05139-8973107, E-Mail: monika.franke @burgwedel.de).