Exkursion zur Kalmia-Blüte im Oldhorster Moor

Horst Hagenberg führte die Gruppe auf sicherem Pfad über den alten Torfstich, wo die kleine Moosbeere gerade blüht. „Wenn die Birken nicht bald hier verschwinden, dann ist die Moosbeere schnell weg“, so Hagenberg. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Die Kalmia im Oldhorster Moor steht jetzt in voller Blüte. Diese Art ist im 18. Jahrhundert von Nordamerika nach Europa gekommen und hat anschließend den Weg zunächst in die herrschaftlichen Gärten gefunden. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Naturschönheit begeistert Teilnehmer trotz „Schietwetter“

OLDHORST (hhs). Einmal im Jahr, immer zur Blütezeit der Kalmia, bietet der NABU Burgwedel und Isernhagen eine Exkursion in das Oldhorster Moor an. Die Kalmia trägt auch den Deutschen Namen Lorbeerrose, wegen ihrer Blätter, die denen des Lorbeers ähneln.
In diesem Fall handelt es sich um die so genannte Schmalblätterige Kalmia, ein Gewächs, das gar nicht nach Europa gehört, vielmehr in Nordamerika in acht Arten heimisch ist. Soweit bekannt gibt es nur drei Standorte in Europa für diese Pflanze: die Moore in Altwarmbüchen, Kolshorn und Oldhorst. Normalerweise zieht dieses seltene Angebot unter der Leitung von Horst Hagenberg immer viele Besucher an. Angesichts der schlechten Wetterprognose waren es gerade einmal 14 Teilnehmer, die den langen Gang durch Oldhorster Moor voller Erwartungen auf sich nahmen.
Niemand anderes kennt das Oldhorster Moor so gut wie Horst Hagenberg. Seit Jahren betreut er es für den NABU Burgwedel und Isernhagen, er kennt dessen Entwicklung über die vergangenen Jahrtausende von der letzten Eiszeit an, er kennt dort jeden Weg und Steg, und er weiß auch, wo die seltenen Pflanzen zu bewundern sind. Die Kalmia wachse ganz am anderen Ende des Moores, es gebe keinen anderen Weg dorthin, die Gruppe müsse sich also durch das Moor kämpfen.
Zunächst führte die Strecke an einen ehemaligen Torfstich, der sehr dicht von kleinen Birken bewachsen ist. „In den freien Flächen zwischen den Birken blüht jetzt die Moosbeere“, erläuterte Hagenberg und wies in die entsprechende Richtung. Jeder solle vorsichtig sein, denn unter dem Boden sei es feucht, dort stehe noch Wasser und erst neulich sei jemand bei einer Begehung dort bis an die Brust eingesackt. Aber der habe Boden unter den Füßen gespürt ...
Mit einigem Abstand folgten ihm die Teilnehmer, bewundern die kleinen, filigranen Blüten der Moosbeere, „eine Schönheit en miniature“, brachte es jemand auf den Punkt, der sich mit einer Lupe zu helfen wusste. Eigentlich kennt fast jeder die Moosbeere, aber dann heißt sie Cranberry, auf Deutsch Kranichbeere und befindet sich in Form von Marmelade oder Gelee in einem Glas. Als Norddeutschland noch weitgehend von intakten Mooren bedeckt war, gehörte diese Leckerei auch zu den Alltäglichkeiten.
„Wenn erst die Birken wegen der Trockenheit hier Oberhand gewinnen, verschwindet die Moosbeere“, erläutert Hagenberg den Zusammenhang. Früher habe der Landkreis alle paar Jahre die Birken hier kurz gehalten, das müsse bald wieder geschehen, sagte er. Sonst sei es bald vorbei mit diesem Moosbeeren-Standort.
Die ersten Regentropfen fielen, als es durch lichte Kiefernbestände weiter ging in Richtung Kalmia. Horst Hagenberg führte zu riesigen Ameisenhaufen, erklärte an einem alten kleinen Torfstich die Entstehung eines Hochmoors. Einige Teilnehmer suchten unterdessen in ihren Taschen nach Kappen und Hüten, denn inzwischen regnete es „Bindfäden“. Weiter ging es auf einem Wildwechsel, das Blaubeerkraut, dort etwa kniehoch, war klatschnass, die Hosen der Damen und Herren inzwischen auch. „Sehen wir heute die Kalmia noch?“, fragte jemand. „Wir sind gleich da“, entgegnete Hagenberg.
Es ging noch über einen Graben, wo er den Teilnehmern kurz den seltenen Bärlapp zeigte und dann, plötzlich, wie aus dem Nichts, standen alle vor der prächtig blühenden Kalmia. Wunderschön in leuchtendem Rosa standen die prächtigen Büsche mitten im urwüchsigem Moor. Dann ging es zurück Richtung Oldhorst, alle waren nass bis auf die Knochen, aber glücklich. „Ich freue mich schon auf den August, wenn wir mit Ihnen wieder zum Lungenenzian gehen“, verabschiedete sich eine Teilnehmerin von Horst Hagenberg später.