„Es gibt keine Alternative zum Sparkurs“

Dicht umgeben von den Zuhörern: der Redner Dr. Dietrich Hoppenstedt. (Foto: Renate Tiffe)

Dietrich Hoppenstedt sprach beim CDU-Frühschoppen über die Finanzkrise

GROSSBURGWEDEL (ti). Er war von 1983 an Präsident des Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverbandes und stand von 1998 bis 2006 an der Spitze des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Zum allgegenwärtigen Thema Finanzmarktkrise konnte der CDU-Ortsverband Großburgwedel keinen kompetenteren Fachmann aufbieten als Dr. Dietrich Hoppenstedt, der zudem Einwohner Großburgwedels und der Vater des Bürgermeisters ist.
 Es lag dem Redner daran, die derzeitige Krise in größere Zusammenhänge zu stellen, um die Entwicklung an den Finanzmärkten zu verdeutlichen. Ausgehend von der sozialen Marktwirtschaft, die als Wertefundament der Bundesrepublik galt und zur beispiellosen Erfolgsgeschichte beim Wiederaufbau nach dem Krieg und der Wiedervereinigung 1989 wurde, veränderte sich das Bild in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Hochphase der Globalisierung setzte ein. Die starke Regulierung wurde gelockert, der Staat steckte immer weiter zugunsten der Wirtschaft zurück.  Es wurden permanent neue Kreditspielräume geschaffen. Der Begriff Finanzprodukt sollte suggerieren, dass etwas produziert wird, was real nur umgeschichtet wurde, und das immer schneller. Die Finanzwirtschaft wuchs viel stärker als die Realwirtschaft. Real blieben nicht selten die Börsenkurse und die Auszahlungen an die Manager. Ab 2007 zeichnete sich die weltweite Finanzkrise ab. Es gab keine Alternative zu den 480 Milliarden Euro, die der Staat 2008 in die Finanzwirtschaft pumpte, meinte Hoppenstedt.
Einen Weg zur Normalisierung sieht der ehemalige Banker nur in einer stärkeren Kontrolle des Staates. Mit großer Marktmacht ausgestattetet seien die Rating-Agenturen, deren Interessenkonflikt reguliert werden muss. Es darf keine Schattenhaushalt mehr geben, alle Risiken müssen transparent sein und der Selbstbehalt der Banken mindestens 10, besser 20 Prozent betragen. Hilfreich wäre die Transaktionssteuer, mit der die Verursacher der Finanzmisere getroffen würden und nötig wäre es, einen Fonds für Krisenfälle aufzubauen. Gearbeitet werden muss an einem Insolvenzrecht für Banken. Wichtigste Voraussetzung für eine wirtschaftliche Stabilität ist es, wieder Vertrauen zu schaffen. Dazu ist es nötig, wieder zu sparen: „Es gibt keine Alternative zum Sparkurs der Bundesregierung“.
Hoppenstedt sieht die Solidarität in der Gesellschaft in Gefahr, wenn die Maßnahmen nicht fassen. Die Garantien beispielsweise im Sozialbereich und in der Bildung seien nicht mehr einzuhalten. Das berge die größte Brisanz für die nächsten Jahre. Zur aktuellen Euro-Krise sagte er, die Gefahr bestehe, dass aus einer Währungsunion eine Transferunion werde und das würde Deutschland am stärksten treffen.
Es gab viele Fragen von den etwa 50 Teilnehmern der Versammlung. Auf eine Art Vermögensberatung mochte sich der Referent allerdings nicht einlassen. Insgesamt erntete der Vorsitzende der Großburgwedeler CDU, Heinz Heinicke, viel Lob für die Idee und die Durchführung der Veranstaltung.