„Erste Hilfe am Kind“ kann Leben retten

Kursteilnehmerin Regina Wichmann, Tagesmutter und Mutter eines 21 Monate alten Sohnes, assistierte Oliver Blake bei der Demonstration der Soforthilfemaßnahmen unter Zuhilfenahme eines Säuglingsmodells. (Foto: Anna Kentrath)
 
Oliver Blake demonstriert, dass im Falle einer Bewusstlosigkeit sowohl die Zunge als auch rückfließender Mageninhalt zu lebensbedrohlichen Situationen führen kann. (Foto: Anna Kentrath)

Eltern, Tagesmütter und Erzieherinnen machen sich fit für den Notfall

GROSSBURGWEDEL (ak). Der entsprechende Kurs, der im Rahmen der Führerscheinprüfung absolviert wird, ist die Erfahrung mit „Erster Hilfe“, die die meisten Erwachsenen in ihrem Leben machen. Einige frischen diesen Kurs nach einigen Jahren noch einmal auf, doch sind sie dann auch entsprechend gerüstet, um einem Kleinkind oder Säugling „Erste Hilfe“ leisten zu können? In einem speziell für diesen Fall ausgelegten Kurs konnten Eltern, aber auch angehende Fachkräfte etwa aus dem Bereich der Tagespflege, vergangenen Samstag im Krankenhaus Großburgwedel sich für den Notfall schulen lassen.
Oliver Blake von der gleichnamigen Sanitätsschule führte durch die Veranstaltung und ließ die Teilnehmer von seinen Erfahrungen aus 12 Jahren Rettungsdienst profitieren. Seit 2007 bietet der geprüfte Lehrrettungsassistent nun, unterstützt von zwei Kinderkrankenschwestern, diesen wichtigen Kurs zur Prävention und Ersthilfe bei Kindern und Säuglingen an. Die Resonanz war groß. Die Bandbreite der Teilnehmer reichte von frischgebackenen Eltern über welche, die es ab März sein werden, bis hin zu Tagesmüttern sowie Schülerinnen der Alice-Salomon-Schule, der Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales der Region Hannover. Von 10.00 bis 17.00 Uhr dauerte der Kurs und bot die Möglichkeit, Theorie und praktische Übungen sinnvoll zu verknüpfen sowie genügend Zeit für entsprechende Nachfragen zu haben.
Oliver Blake machte den Kursteilnehmern deutlich, dass sich Kinder sowohl im Körperbau, der Körperfunktion, als auch dem Verhalten im Falle eines Unfalls deutlich von Erwachsenen unterscheiden. Säuglingen, aber auch Kleinkindern sei es meist gar nicht möglich, sich entsprechend über ihre Verletzungen zu äußern. „Kinder reagieren anders auf Notfälle als Erwachsene“, so Blake, eine Wesensveränderung des Kindes, wenn es etwa plötzlich sehr ruhig und müde erscheint, kann bereits ein Hinweis auf eine kritische Situation sein. Diese Unterschiede würde auch ein anderes Vorgehen bedingen.
Wichtig sei zu aller erst, die Situation zu erfassen, in der sich das Kind befindet und, falls es Äußerungen tätigt, „aktiv Zuzuhören“, was bedinge, dass man das Gehörte laut wiederhole, um in einer solchen Ausnahmesituation nicht etwas Wichtiges zu vergessen. Nach dem Sichern des Unfallortes werde dann erst einmal eine Bewusstseinskontrolle durchgeführt und die Atmung kontrolliert, um im Falle von Bewusstlosigkeit sofort für eine stabile Seitenlage zu sorgen. Die Besonderheit beim Kind sei es, dass erst diese Sofortmaßnahmen durchgeführt werden müssen und dann im zweiten Schritt der Notruf abgesetzt würde, so Oliver Blake gegenüber den Teilnehmern nachdrücklich.
Im Falle eines Notrufs sollte allem voran der Notfallort deutlich beschrieben werden, damit „ihr gefunden werden könnt“, erläuterte der Lehrrettungsassistent, alle anderen Fragen würden dann entsprechend gestellt. Außerdem solle man sich nicht einfach selbst auf den Weg ins Krankenhaus machen, da dies sowohl eine Gefährdung für den Straßenverkehr bedeuten könne, etwa wenn sich der Zustand des Kindes verschlechtere, als auch die Problematik aufwerfe, welches Krankenhaus für die Behandlung des Kindes das nächstmögliche ist. Man müsse keinen besonderen Kinderkrankenwagen anfordern, so Blake, da ein normaler RTW mit Hilfe spezieller Aufsätze auch für Säuglinge und Kleinkinder ausgerüstet sei.
Mit Witz, Charme und Einfühlungsvermögen brachte Oliver Blake den Teilnehmern das Thema „Erste Hilfe am Kind“ ebenso näher, wie die Prävention, um mögliche Gefahrenquellen gleich von Vornherein auszuschließen. In Situationen wie etwa dem Verschlucken von Gegenständen, Vergiften oder Verbrennen können die Teilnehmer nach diesem Kurs rasch und sinnvoll reagieren. Nach diesen Kursen sei ihm bisher von 7 Fällen berichtet worden, in denen ehemalige Kursteilnehmer das Leben von Kindern, ihrer eigenen, aber auch fremder Kinder, retten konnten. Eine Bilanz, die motiviere und stolz mache so Blake. Unter www.erste-hilfe-am-kind.de bieten Oliver Blake und sein Team erste Informationen zum Thema an und verweisen auf aktuelle Kurstermine.