Ernüchterung: Kein absolutes Tabu für Schutzzonen

Dr. Christian Dulce vor der Karte mit dem besonders schützenswerten Trunnenmoor. (Foto: Renate Tiffe)
 
Dr. Ernst-Otto Thiesing (rechts) gab dem Isernhagener Achim Daume die Gelegenheit, seine Variante auf die Leinwand zu bringen. (Foto: Renate Tiffe)

Bürgerforum informierte über Folgen der Güterbahntrasse

WETTMAR (ti). Möglichst frühzeitig möchte das Bürgerforum Burgwedel auf die Folgen aufmerksam machen, welche für die Natur- und Wasserschutzgebiete zu erwarten sind, wenn die beabsichtigte Güterbahntrasse die Gemarkung Burgwedel durchqueren sollte. Im Blickpunkt einer gut besuchten Informationsveranstaltung in der Wettmarer Waldschänke standen das Wassergewinnungsgebiet Fuhrberger Feld und das Trunnenmoor.
Zuvor vermittelte Wettmars Ortsbürgermeister Rainer Fredermann einen Einblick in das Planungsverfahren, das mit dem Raumordnungsverfahren (ROV) beginnt. Es sei querschnittsorientiert und verwaltungsrechtlich nicht anfechtbar. Rechtsmittel eingelegt werden können erst im anschließenden Planfeststellungsverfahren. Das werde Aufgabe des nächsten Rates sein, sagte Fredermann. Er hoffe und wünsche jedoch, dass es soweit nicht kommt. Dessen ungeachtet hatte er sich für kompetente Redner zu den Problemen des Wasser- und des Naturschutzes eingesetzt.
Das Fuhrberger Feld ist das größte Wassergewinnungsgebiet Niedersachsens und eins der größten in der Bundesrepublik. Es versorgt 650.000 Menschen mit Trinkwasser. Andreas Rausch, bei enercity für das Fachgebiet Wasserwirtschaft zuständig, gab Erläuterungen zu den Wasserschutzzonen I, II und III A und B, in denen die Verordnungen über Verbote und Einschränkungen geregelt sind. Die Schutzgebiete auszuweisen sei ein Prozess gewesen, der von 1957 bis 1996 gedauert habe. Falsche Vorstellungen wegen der Schutzwürdigkeit braucht sich trotzdem niemand zu machen. Es gebe keinen absoluten Schutz, betonte er. Verhandelbar sei lediglich eine detaillierte Risikoabschätzung und eine Risikominimierung bei der Trinkwasserversorgung. So verlaufe beispielsweise die A 7 im Bereich Elze - Berkhof 3,1 Kilometer durch die Schutzzonen I und II und 15,6 Kilometer durch die Schutzzonen III.
Ernüchterung hatte sich also breit gemacht, als der Vorsitzende des Naturschutzbundes Burgwedel und Isernhagen Dr. Christian Dulce eine Karte des Trunnenmoores zeigte mit der Bemerkung: „so bekloppt kann einfach keiner sein“ über dieses Naturschutzgebiet hinweg zu sehen. 1974 wurde dieser Landschaftsbereich unter Naturschutz gestellt, der auch zu den EU-Schutzgebieten Fauna Flora Habitat gehört und Teil des Natura 2000 Netzwerkes ist, des zusammenhängenden europäischen Schutzgebietes. Der Erhalt natürlicher Lebensräume für Tiere und Pflanzen soll darin gewährleistet sein. Menschen haben da in der Regel nichts zu suchen, so Dulce. Die Moorlandschaft mit Beständen an seltenen Pflanzen biete Brutplätze u.a. für Kraniche, Graureiher und Eulenarten. Daneben gibt es auf Burgwedeler Gebiet noch den schützenswerten Hastbruch und das Oldhorster Moor.
Es sei im Interesse der Burgwedeler Bürger die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten, resümierte der Vorsitzende des Bürgerforums Burgwedel, Dr. Ernst-Otto Thiesing. Nach wie vor gibt es keine schlüssige Antwort auf die Frage woher die Karten mit den beiden Varianten für die Trassenführung stammen, deren Veröffentlichung Ende vergangenen Jahres für Aufregung gesorgt hatte. Soviel war allerdings zu hören, dass die Bahn als Träger des Projekts keine Kapazitäten für die Ausarbeitung der Pläne hat und dies einem Ingenieurbüro überlässt.
Die anschließende Diskussion mit vielen Detailkenntnissen aber auch mit Spekulationen über das Vorgehen der Bahn war in vollem Gang als sich der Isernhagener Achim Daume zu Wort meldete und eine eigene Version der Trassenführung vorführte. Eingeschlossen war eine Verladung der Güter auf Lastwagen in Höhe des Munitionsdepots in Thönse – eine Lösungsmöglichkeit, die so überraschend kam, dass sich die Versammlung nicht mehr ausführlich damit befassen konnte.