Erfolgreiche NABU-Bilanz für 2010: Insgesamt 40 neue Mitglieder geworben

Beginn der doch etwas strapaziösen Jahresabschlusswanderung des NABU Burgwedel Isernhagen: Die 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stapften drei Stunden lang durch den Fuhrenkamp, teils im Tiefschnee. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Eindeutiges Votum gegen Y-Trasse/„Stunde der Wintervögel“ vom 6. bis 9. Januar

BURGWEDEL (hhs). Der NABU Burgwedel Isernhagen hat ein ausgesprochen erfolgreiches Vereinsjahr 2010 beendet, traditionsgemäß mit seiner Jahresabschlusswanderung, die immer „zwischen den Jahren“ stattfinden. Morgens um 9.00 Uhr treffen sich die Teilnehmer auf dem Domfrontplatz, dann geht es zum Ausgangspunkt des Unternehmens. Das war in diesem Jahr der Grasbruchweg in Fuhrberg. Von dort wollten die Damen und Herren etwa drei Stunden lang durch den Fuhrenkamp wandern. Bei tiefem Schnee und absolut unsicheren Wegverhältnissen. 17 Damen und Herren mehrheitlich älteren Semesters fanden sich ein. Organisator Horst Hagenberg hatte mit weitaus weniger gerechnet. „Die Wanderung heute früh haben alle überstanden, nach zweieinhalb Stunden waren wir wieder bei den Autos. Einige Mitwanderer hatten allerdings auch die Grenzen ihrer Kondition kennen gelernt. Anstrengend, aber auch sehr schön, war eine Wegstrecke, auf der wir selbst unsere Spur treten mussten“, erklärte Hagenberg am Nachmittag im Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten. „Es war ein unglaublich schönes Erlebnis für alle, der verschneite Wald, die Kälte und die klare Luft“.
Mit dem Verlauf des vergangenen Jahres ist der NABU Burgwedel Isernhagen vollauf zufrieden. Die Zahl der Mitglieder ist um 40 gestiegen. „Es sind überwiegend junge Mitglieder, die zu uns gestoßen sind“, freute sich der NABU-Vorsitzende Christian Dulce. „Es freut uns auch, dass es uns ohne professionelle Hilfe gelungen ist, sie zu werben“. Auch im ureigenen Arbeitsbereich des NABU, dem Naturschutz, gebe es Positives zu vermelden. Zuwachs bei den Rohrweihen und Fledermäusen, gut angenommene Nisthilfen, neue Orchideenstandorte, erfolgreiches Vorgehen gegen den Riesenbärenklau. „Es könnte ein außerordentlich entspannter Rückblick auf das Jahr 2010 sein, wenn da nicht seit kurzem die unerwartete Nachricht von einer geplanten Güterbahnstrecke durch die Presse geistern würde, die in der ersten Planung nicht nur die Landschaft zerschneidet, sondern auch durch das besonders geschützte Trunnenmoor und unsere Landschafts- und Wasserschutzgebiete verlaufen soll. Die Bahn, sowie das zuständige Verkehrsministerium, halten sich mit Informationen sehr zurück, was uns vom NABU natürlich besonders sensibilisiert. Wir werden uns bemühen, die Belange des Naturschutzes erfolgreich zu vertreten und wünschen uns dazu die aktive Unterstützung unserer Mitglieder. Wenn Sie in Ihrem Bekanntenkreis noch jemanden für den NABU gewinnen können – jede Stimme für die Natur zählt! Wir wollen kein „Stuttgart 21“ in Burgwedel, aber wir sollten uns auch nicht einfach eine Bahnstrecke vorsetzen lassen, die Naturschutzbelange mit Füßen tritt“, macht Dulce die Position des NABU klar.
Einige besondere Beobachtungen seien noch zu vermelden: Es wurde im September ein durchziehender Schelladler am Würmsee gesichtet. Diese Art kommt hier normalerweise nicht vor. Unter Umständen handelte es sich um den mit einem Sender versehenen Schelladler „Tönn“ aus Estland, der über Südschweden ins Winterquartier flog und kurz vorher in Schleswig-Holstein geortet wurde. Der verlandende Würmsee bleibt weiterhin ein interessanter Biotop. Anfang Oktober ließen sich in seinen Randbereichen in Schilf und Gebüsch riesige Starenschwärme nieder. Sie vollführten im Abendlicht exakte Flugmanöver. „Beschwerden seitens der Anwohner wegen ruhestörenden Lärms sind noch nicht bekannt geworden“, schmunzelte Horst Hagenberg. Eine besondere Beobachtung gab es in Kohlshorn. Dort ließ sich ein durchziehender Wiedehopf im Garten fotografieren. Die Große Rohrdommel kommt nach Angabe der Naturschutzbehörde in der Region Hannover nicht mehr vor. Umso merkwürdiger sind mündliche Berichte, wonach die Rohrdommel bei Thönse, bei Isernhagen FB und im Trunnenmoor gehört wurde. Also aufpassen! Wenn im Frühjahr irgendwo der „Moorochs“ brüllt, könnte es doch eine Rohrdommel sein.
Erstmals führt der NABU bundesweit seine Aktion Stunde der Wintervögel durch: Vom 6. bis 9. Januar sind alle Vogelfreunde aufgerufen, die binnen einer Stunde im Garten, Park, auf dem Balkon oder am Futterplatz beobachteten Vögel zu melden. Sowohl die jeweilige Art als auch deren Anzahl sollen hierbei erfasst werden. (Viele kennen ja bereits die NABU Aktion Stunde der Gartenvögel, regelmäßig im Mai, mit Ziel, einen Überblick unserer Brutvögel und deren Populationsentwicklung in den jeweiligen Regionen zu erhalten. Analog dazu soll nun die Erfassung der Wintervögel erfolgen, wobei man zum Einem mit sehr bekannten Standvögeln, sowie Wintergästen aus dem kälteren Norden und Osten rechnen kann. Besonders interessant könnte das Erscheinen der so genannten Invasionsvögel sein. Hierzu zählen z. B. Seidenschwanz und Bergfink, die unter bestimmten Bedingungen in großen Schwärmen, invasionsartig auftreten können. Nach dem Jahreswechsel wird die Zeit hoffentlich für viele wieder etwas ruhiger und bietet daher eine gute Gelegenheit sich mit der Vogelwelt zu beschäftigen. Und schließlich wird das Mitmachen auch noch belohnt: Unter allen Teilnehmern, die ihre Meldung bis zum 17. Januar per Post, per Telefon oder Internet beim NABU einreichen, werden attraktive Preise verlost.