Engensen unter neuer Führung

Die Ortsrat Engensen hat sich nach der Kommunalwahl konstituiert: Chris Schneider (von links) und Joachim Schrader von der CDU, Ortsbürgermeister Joachim Lücke von der SPD sowie sein Stellvertreter Kristoffer Engelke und Michael Wiekenberg von der WEB. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Joachim Lücke von der SPD wird neuer Ortsbürgermeister / Tosender Applaus für Vorgänger Friedhelm Stein

Engensen (bgp). Bewegender Moment in Engensen: In der konstituierenden Sitzung des Ortsrates erhoben sich die Teilnehmer von den Plätzen, um dem scheidenden Ortsbürgermeister Friedhelm Stein (WEB – Wählergemeinschaft Engenser Bürger) mit tosendem Beifall ihre große Wertschätzung auszudrücken. Dieser wurde ein letztes Mal im Gremium des Ortsrates in die Mitte genommen, um anschließend gebührend verabschiedet zu werden. Friedhelm Stein hatte sich nach einem Schlaganfall im Juli 2020 aus der kommunalpolitischen Arbeit zurückziehen müssen. Sein Stellvertreter Joachim Lücke (SPD) hatte dann die Amtsgeschäfte übernommen.
Am vergangenen Montag wurde Lücke vom Ortsrat mit zwei Enthaltungen der Christdemokraten nun zum neuen Ortsbürgermeister und Kristoffer Engelke (WEB) einmütig als sein Stellvertreter gewählt. „Einstimmig wäre am schönsten gewesen,“ kommentierte Lücke das Votum für sein Amt, der die Enthaltung der CDU jedoch als „okay“ empfindet.
Bei der Kommunalwahl hatte die WEB in Engensen mit 40,7 Prozent die meisten Stimmen geholt vor der CDU mit 31,9 Prozent und der SPD 27,4 Prozent und hätte demnach Anspruch auf das Amt des Ortsbürgermeisters gehabt. Laut Joachim Schrader (CDU) ein Grund, warum seine Fraktion bei der Wahl von SPD-Mann Lücke lediglich ein neutrales Votum abgegeben hat, aber damit trotzdem eine gute Basis für die nächsten fünf Jahre der Zusammenarbeit schaffen wollte. Die beiden jungen Vertreter der WEB hatten sich nicht selbst für das Amt des Ortsbürgermeisters zur Wahl gestellt, sondern für Lücke gestimmt, weil sie laut Kristoffer Engelke zunächst Erfahrungen sammeln wollten und aktuell privat noch stark eingebunden seien.
Der frisch ins Amt eingeführte Ortsbürgermeister hatte einige Punkte auf die Agenda gesetzt. Das Dorfgemeinschaftshaus soll barrierefrei umgestaltet werden, sodass zumindest das Erdgeschoss für alle erreichbar ist. Dafür sollen 12.000 Euro in den Haushalt eingestellt werden. Joachim Schrader regte an, auch das Obergeschoss über einen Treppenlift zu erschließen. „Die Verwaltung hat das schon geprüft, doch die Treppe ist zu schmal für einen Treppenlift“, erläuterte Lücke den Stand der Dinge. Dazu müsse noch eine Lösung gefunden werden.
Mit Spannung blicken der neue Ortsrat und die Dorfgemeinschaft auf die Vergabe der Grundstücke in den Neubaugebieten. Bisher hatte die Stadt Burgwedel kommunales Bauland anhand eines Kriterienkatalogs vergeben, der ortsansässigen Bewerbern meist größere Chancen auf die begehrten Grundstücke einräumte. Interessenten von außerhalb kamen dabei seltener zum Zug. Dieses Verfahren wurde in mehr oder minder ähnlicher Weise bundesweit angewendet. Die Europäische Union sieht darin eine Ungleichbehandlung und leitete ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland ein.
Als Testlauf führte die Stadt Burgwedel daher ein Losverfahren ein, bei dem allen Bewerbungen gleiche Chancen zuteilwerden. Das Verfahren wurde bereits bei der Vergabe der Grundstücke im Kleinburgwedeler Neubaugebiet Im Lohfelde West und Südlicher Grashof in Engensen angewendet. Laut Lücke sei nach dem Testlauf noch offen, ob die zu vergebenden Grundstücke an der Schillerslager Straße mit diesem Verfahren oder mit einem überarbeiteten Konzept vermarktet werden sollen. Die Einwohnerfrage, ob dort auch eine Bushaltestelle gebaut werde, konnte der Ortsbürgermeister noch nicht abschließend beantworten. Die Ausgestaltung eines Fußweges, der am Friedhof die Waldstraße mit dem Neubaugebiet verbinden soll, steht ebenfalls zur Diskussion. Joachim Lücke, der auch Vorsitzender des städtischen Bau- und Planungsausschusses ist, will diese Punkte in der nächsten Sitzung des Gremiums thematisieren.