„EnCanto“ bietet gelungene Matthäuspassion von Heinrich Schütz

Der gemischte Chor EnCanto sang die Matthäuspassion von Heinrich Schütz in der St. Marienkirche in Isernhagen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Gemischter Chor aus Fuhrberg singt zwei Konzerte am Karfreitag

BURGWEDEL/ISERNHAGEN KB (hhs). Es war eine ganz besondere Anforderung, der sich der gemischte Chor EnCanto der Ludwig-Harms-Kirchengemeinde in Fuhrberg am Karfreitag gestellt hat: Die Matthäuspassion von Heinrich Schütz stand für die Sängerinnen und Sänger auf dem Programm, gleich zweimal an diesem Tag: Morgens um 10.00 Uhr im Gottesdienst in der Fuhrberger Kirche, dann am Nachmittag in der St. Marienkirche in Isernhagen KB, wo es schon eine lange Tradition ist, den Karfreitag in andächtiger Stille mit einem Chorkonzert zu begehen.

Bei dem gemischten Chor EnCanto handelt es sich um ein junges Gewächs der kirchlichen Chorarbeit der Fuhrberger Kirchengemeinde. 2005 wurde er ins Leben gerufen durch den Förderverein Cantate. Zunächst befassten sich die engagierten Sängerinnen und Sänger vorwiegend mit zeitgenössischer geistlicher populärer Musik. Schnell kam es zu Auftritten im Rahmen der Gottesdienste. Unterdessen stellen sich die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Andreas Schröder auch anspruchsvolleren Aufgaben. So wurden im Jahr 2008 zwei Kantaten von Klaus Heizmann zu Ostern und im Advent gesungen.
In dem mit viel Liebe gestalteten kleinen Programmheft fiel ein Absatz besonders ins Auge: „Jedem Zuhörer sei empfohlen, die persönliche Hörerwartungen, so schwer dies teilweise fällt, an einer musikalischen Sprache und Ausdruckspalette „vor Bach“ zu orientieren. Dann wird die hier erklingende Passion als nachhaltig beeindruckendes Werk unmittelbar erlebbar“. Dieser dezente Hinweis auf die Andersartigkeit der Passion von Schütz will erklärt werden. Heinrich Schütz wurde 1585 geboren, 100 Jahre vor Johann Sebastian Bach. Er begann seine musikalische Ausbildung in Venedig 1609, lernte dort die musikalische Avantgarde kennen und lieben und brachte nach Beendigung seiner Ausbildung deren Neuerungen mit nach Deutschland. Im wesentlichen sind es zwei Dinge, die hier die Musik revolutionieren sollten: Ersten der „basso continuo“, der Generalbass, und zweitens Nachzeichnung der Textinhalte mit musikalischen Mitteln. Schütz hatte erkannt, dass er damit der Musik vollkommen neue Felder in der Heimat eröffnen könnten. Der Generalbass bietet das harmonische Gerüst der Barockmusik und besteht aus der tiefsten Instrumentalstimme in Verbindung mit zur Melodie und zum musikalischen Ablauf passenden Akkorden. Erst durch ihn wurden Opern möglich. Zunächst aber wurde der Generalbass sehr kritisch gesehen, ein Schicksal, das viele Neuerungen erleiden mussten. Immerhin, er setzte sich durch und wurde im Hochbarock von Johann Sebastian Bach zu vollen Blüte gebracht. Die zweite Neuerung, der Ausdruck der Textinhalte mit musikalischen Mitteln, scheint ein ganz besondere Fähigkeit von Heinrich Schütz gewesen zu sein. So schuf er in seiner Matthäuspassion einen ungeordneten Eindruck mittels rhythmisch verzahnter Einsätze, um eine aufgebrachte Volksmenge darzustellen. Ein ungewohntes Hörerlebnis nicht nur für Schütz' Zeitgenossen, auch für uns, wenn wir uns nicht von unseren Hörgewohnheiten Bach'scher Musik lösen.
EnCanto aber überwand diese Schwelle problemlos. Die Sängerinnen und Sänger hinterließen einen bemerkenswerten Gesamteindruck bei beiden Konzerten und ernteten starken Applaus. Für einige Soloparts hatten sie sich Verstärkung geholt: Den Part des Evangelisten übernahm Johannes Avenarius, an der Truhenorgel glänzte Jacobine Paulig, am Violoncello Roland Baumgarte. Den schwierigen Part des Jesus sang Andreas Schröder selbst. Er hatte auch die Gesamtleitung. Anzumerken ist noch, dass der gemischte Chor EnCanto ein kleines Personalproblem hat: Der Tenor ist nur mit zwei Männern besetzt. Wer also Lust hat, mit viel Freude bei EnCanto zu singen, wende sich an Andreas Schröder in Fuhrberg, Lange Straße. Jeder darf mitsingen.