Eine Zeitreise beim Tag des Heimatvereins in Wettmar

Die Dechentreiter-Maschine ächzte ein wenig, erfüllte ihre Aufgabe aber tadellos als Heinrich Brenneke und Jonas Kurze die Garben in die Trommel stopften. (Foto: Renate Tiffe)
 
Lothar Urban lockte die Kinder an einen eigens eingerichteten Tisch, an dem sie malen und kleine Lederbeutel basteln konnten. (Foto: Renate Tiffe)

Der Weg vom Getreidehalm bis hin zum fertigen Mehl

WETTMAR (ti). Es war einer jener heiter-melancholischen Frühherbsttage als der Heimatverein für das Kirchspiel Engensen-Thönse-Wettmar, wie in jedem Jahr in die Heimatdiele an der Heierdrift in Wettmar eingeladen hatte. Die Arbeitskreise hatten ein vielfältiges Programm vorbereitet, in dem sie sich mit ihren aktuellen Themen vorstellten.
Hauptattraktion war zweifelsohne die Dreschmaschine aus alten Tagen vor der Hofmauer. Der Mühlen-Arbeitskreis hatte sie nach langen Jahren wieder einmal betriebsbereit gemacht. Und nicht nur das. Von Bauer Küster hatten sich die rührigen Leute in der mittlerweile ortsbekannten weißen Müller-Montur eigens ein Stück seines Roggenfeldes reservieren lassen, auf dem sie das Getreide mit der Sense mähten, mit Strohbändern in Garben banden und auf einem Leiterwagen auf den Hof transportierten.
Die Dechentreiter-Maschine ächzte ein wenig, erfüllte ihre Aufgabe aber tadellos als Heinrich Brenneke und Jonas Kurze die Garben in die Trommel stopften. Vom Wagen angereicht hatte sie Felix Bartels, der hinterher nicht ohne Stolz vor einem gefüllten Sack die Körner durch seine Hand rinnen ließ.
Einen ganzen Sack Roggen hatten die Müller am Ende geerntet, freute sich der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins. In der vereinseigenen Mühle auf der Horst werde das Getreide dann zu Mehl verarbeitet, das auf dem Weihnachtsmarkt in Tüten angeboten werde. Welch ein Arbeitsaufwand, über den sich heute bei der Ernte mit den Riesenmähdreschern kaum noch einer Gedanken macht.
Aber der Heimatverein hatte seinen Besuchern noch vieles andere zu bieten. Vor dem Garten hatte Alexander Bock einen Tisch aufgebaut, auf dem die Blüten aller seiner Bauerngarten-Blumen zu bewundern waren. Ob sie mehr Aufmerksamkeit auf sich zogen als die „Gräfin von Paris“, die Spalierbirne an der Scheunenwand, die in diesem Jahr mit überreichem Fruchtbehang aufwartete?
Auf dem Boden der Heimatdiele führten Gerd Brenneke und Dieter Rosin durch die immer größer werdende Sammlung alter Geräte aus Haus und Hof. Einige von ihnen waren Gegenstand des anspruchsvollen Suchspiels für Kinder. Zu dessen Preisverleihung war Wettmars Ortsbürgermeister Michael Kranz, Vorstandsmitglied des Heimatvereins, eigens auf den Leiterwagen gestiegen, um den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihre Präsente zu überreichen.
War für die Kinder schon das Getreidedreschen ein Erlebnis, so lockte sie Lothar Urban noch an einen eigens eingerichteten Tisch, an dem sie malen und kleine Lederbeutel basteln konnten. Die Eltern und andere Besucher ließen es sich unterdessen schon einmal gutgehen an den Tischen auf dem Hof bei Bratwurst und einem „Wienhäuser Naturtrüb“ (für das die Müller das Schrot produzieren). Wer Süßes bevorzugte, fand in der Heimatdiele ein reiches Kuchenbüfett vor.
Der „Tag des Heimatvereins“ war gut besucht. Dennoch hätte sich Felix Bartels nach all den Vorbereitungen eine noch größere Resonanz gewünscht. Es gebe eben auch immer viele andere Veranstaltungen, sinnierte er. „Mal sehen, was im nächsten Jahr ist, wenn der Heimatverein sein 20-jähriges Jubiläum feiert.