Eine rhythmische Reise durch Zeit und Raum

Ob mitreißende Tanzrhythmen oder sehnsuchtsvolle Volksweise, Stücke auf Französisch, Ungarisch oder Romani, die fünf Musiker der Hot Club Harmonists entführten zu einer mitreißenden musikalischen Reise durch Zeit und Raum. (Foto: Anna Kentrath)

Hot Club Harmonists begeistern mit stimmungsvollen Klängen

GROSSBURGWEDEL (ak). Sommer, Sonne, Sonnenschein – wen zieht es bei diesem Wetter schon groß in die Ferne? Zu einer musikalischen Reise, die stimmungsvoll in fremde Länder, wie auch vergangene Zeiten entführte, machten sich die etwa 170 Besucher des Sommerkonzerts im Amtshof in Großburgwedel Freitagabend mit den „Hot Club Harmonists“ auf. Ob rhythmischer „Gypsy Swing“ a la Django Reinhardt, französische Chansons oder ungarische Csárdás, die vier Musiker begeisterten instrumental wie auch mit ihrer Sängerin Katalin Horvath.
Professionelle Musiker mit Swing im Blut – zwei Gitarristen, ein Kontrabassspieler, ein Geiger und eine ausdrucksstarke Stimme, das ist das gelungene Rezept der „Hot Club Harmonists“. Ihr Name setzt sich zusammen aus dem legendären „Hot Club de France“ von Django Reinhardt und Stéphane Grappelli, dem ersten, ausschließlich von Saiteninstrumentalisten besetzten Jazz-Ensemble, und dem bekannten Berliner Vokalisten Comedian Harmonists. Von den Harmonists übernommen hätten sie den spielerischen Umgang mit musikalischen Stilen, so Frank Wekenmann, Gitarrist, Begründer und Arrangeur der Hot Club Harmonists.
Gleich das erste, rein instrumentale Stück schien den Sommer auch in den abgedunkelten Saal des Amtshofes scheinen zu lassen: Helmut Zacharias und „Schönes Wetter heute“. Schnelle Rhythmen und ein schwungvolles Spiel der Instrumente sorgten gleich zu Beginn für einen stimmungsvollen Einstieg. Man fühlte sich in ein Café unter freiem Himmel, wechselweise in Paris, Budapest oder Berlin, versetzt: hörend die Geräusche klappernden Geschirrs und dahin plätschernder Gespräche, sehend im schwindenden Licht, eine Tanzfläche, auf der sich im sommerlichen Rhythmus Paare der Musik hingeben.
In einem abwechslungsreichen Spiel von stimmungsvoller Tanzmusik präsentierten die Hot Club Harmonists auch osteuropäische Klänge, die unverkennbar emotional geladen Sehnsucht und Melancholie in sich bargen. So eine ungarische Csárdás, die die Geschichte zweier Frauen erzählte, eine die allen Männern des Dorfes den Kopf verdreht und der anderen, die diese darum bittet, doch von ihrem Mann die Finger zu lassen. Auch wer des Ungarischen nicht mächtig war, konnte das Flehen der Frau nachempfinden.
Diese Art Musik schien wie für die Sängerin Katalin Horvath gemacht, mit kraftvollem Timbre entfaltete sie ihr Können bei den ungarischen Volksweisen ebenso, wie bei französischen Chansons und Liedern der Sinti und Roma. Verzaubernd, mystisch und mitreißend wirkten diese Stücke des fahrenden Volkes auf die Zuhörer, geprägt durch die Reisen in verschiedene Länder, zu unterschiedlichen Zeiten.
Musikalische Reiselust erfasste sicher auch das zahlreich erschienene Publikum, denn die 2 Stunden des Konzertes schienen nur so vorbei zu fliegen. Gern hätte man noch ein wenig länger die sommerlich ausgelassene Stimmung dieser Musik genossen, die es schwer machte auf den Plätzen sitzen zu bleiben und nur zu lauschen, statt den lockenden Rhythmen, aufmunternden Geigenklängen, warmen Kontrabass-Tönen und tanzendem Gitarrenspiel nachzugeben.