„Eine Legende verlässt das Gelände“

Im Kreise der Mitarbeiter wurde Henning Badt in den Ruhestand verabschiedet. (Foto: Andrea Hesse)
 
Eine eigene „Goldene Schallplatte“ gab es für den ausscheidenden Henning Badt. (Foto: Andrea Hesse)

Kirchenkreisamt verabschiedete Henning Badt in den Ruhestand

Burgwedel/Langenhagen (r/bs). Sein gesamtes Berufsleben hindurch blieb Henning Badt der kirchlichen Verwaltung treu; nun wurde er im Kirchenkreisamt Burgdorfer Land in Burgwedel in den Ruhestand verabschiedet.
„Eine Legende verlässt das Gelände“ – so leitete die stellvertretende Amtsleiterin Anne Rust ihre Abschiedsworte ein und so stand es auch in Weiß und Gold auf dem T-Shirt, das Badt zu diesem besonderen Anlass trug.Am 1. August 1975 begann Henning Badt seine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellter im Kirchenkreisamt Ronnenberg, und er kann sich noch gut an diesen Freitag erinnern: Am Benther Berg hatte es als Folge des Kali-Abbaus einen Erdrutsch gegeben, einige Straßen waren unpassierbar und das Amt in Ronnenberg nicht zu erreichen.
Die Freude über einen zusätzlichen freien Tag aber währte nur kurz: Badt erhielt einen persönlichen Passierschein, mit dem er pünktlich an seinem Ausbildungsplatz erscheinen konnte. Und dann war da noch die Sache mit dem fehlenden Girokonto: Der damals 17-jährige Badt hatte bislang keines, daher schickte ihn die Personalabteilung des Ronnenberger Kirchenkreisamtes unmittelbar zur nächsten Bank.
„Dort habe ich mich dann gewundert, warum die Mitarbeiter so zittrige Hände hatten“, erzählt er. Die Erklärung: Unmittelbar zuvor hatte sich aus der Pistole eines Sicherheitsbeamten ein Schuss gelöst; zum Glück hatte es keine Verletzten gegeben.
1980 wechselte Badt ins Kirchenkreisamt in Burgwedel, das sich damals noch in einem sogenannten Fertighaus an der Gartenstraße befand. Dort und auch noch nach dem Umzug ins heutige Amtsgebäude war er in der Personalsachbearbeitung tätig und trug den Spitznamen „Mr. Personal“.
„Nebenbei habe ich auch noch in der Haushaltsplanung für die Kirchengemeinden und ihre Kitas mitgearbeitet“, erzählt Badt. „Bis auf Liegenschaften habe ich alles irgendwann mal gemacht, bis 2001 auch die Kassenleitung.“ Zuletzt war er in der Haushaltssachbearbeitung für Kindertagesstätten und als Abwesenheitsvertretung für die Leitung der Kita-Abteilung tätig.
„Es war früher ganz normal, dass man in allen Sachgebieten mitarbeitete“, erinnert sich Badt. Möglich war das aufgrund einfacherer Verwaltungsabläufe, die weniger spezialisiert waren als sie es heute sind. Ebenso normal war es in den 1970er und 80er Jahren, dass das Amt bei Sitzungen Alkohol und Zigaretten anbot: „Kann man sich heute nicht mehr vorstellen, war aber so.“
Ein bisschen trauert Badt dieser Zeit nach – nicht wegen der Zigaretten am Arbeitsplatz, wohl aber wegen der einfacheren und aus seiner Sicht praktischeren Verwaltungsabläufe. „Ich fühle mich erschöpft“, sagt er und ist dankbar für die Möglichkeit, schon mit 64 Jahren in den Ruhestand gehen zu können. Zur Erschöpfung habe auch die Einführung der sogenannten Doppik, der doppelten Buchführung in Soll und Haben, in der kirchlichen Verwaltung beigetragen.
Am 31. März hat Henning Badt seinen offiziell letzten Arbeitstag: „Dann suche ich mir eine Parkbank und füttere Tauben“, sagt er. Aber Spaß beiseite: Es wird genug zu tun geben, etwa die Musik in einer Folk-Band, in der er mehrere Saiteninstrumente spielt. Und die Spaziergänge mit dem jungen Hund, den er sich mit seiner Partnerin schon mit Blick auf das Rentenalter angeschafft hat.
„Du hast alle Veränderungen hier im Amt mitgemacht und warst dabei immer fröhlich und optimistisch“, stellte Anne Rust in der Verabschiedungsrunde im Kirchenkreisamt fest. „Besonders in Erinnerung bleiben wird uns dein besonderer Humor, mit dem du so manche schwierige Situation entschärft hast.“
Ein Dank ging auch an Sabine Struck, die seit 1986 im Amt tätig gewesen und bereits vor einiger Zeit in den Ruhestand gegangen war. „Mit euch beiden geht hier im Haus eine Ära zu Ende“, so Anne Rust. Badt selbst ließ zum Abschied noch einmal seinen ganz eigenen Humor aufblitzen: „Ich habe in den letzten Jahren in der Kita-Abteilung mir gegenüber immer junge Frauen gehabt. Das hat mich sehr gefreut und dann habe ich verstanden: Das war der Anfang vom betreuten Arbeiten.“