Eindringlicher Appell der Jäger: Bei hohem Schnee die Wildeinstände meiden

Eine alltägliche Begegnung mit Rehwild im Winter: Die Tiere liegen gut sichtbar auf einer Weide und käuen wieder. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Der Mensch ist entdeckt: Das Rehwild flüchtet panisch durch den tiefen Schnee mit fatalen Folgen für den Energiehaushalt der Tiere. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Rot- und Rehwild brauchen Ruhephasen um den langen Winter zu überstehen

BURGDORF (hhs). Der Winter steht vor der Tür, in den kommenden Wochen wird es kälter werden und voraussichtlich spätestens im Januar oder Februar kommen Eis und Schnee. „Für unsere heimischen Wildarten brechen dann schwere Zeiten an“, wie es der Vorsitzende der Jägerschaft Burgdorf, Hans-Otto Thiele im Gespräch mit dem MARKTSPIEGEL ausdrückte.
„Unser Wild braucht bei solchen Wetterlagen vor allen Dingen Ruhe. Störungen sollten wir alle nach Möglichkeit vermeiden“. Er bittet alle Naturfreunde darum, bei ihren Spaziergängen in Wald und Feld die Wege nicht zu verlassen und nach Möglichkeit einen weiten Bogen um die bekannten Einstände des Wildes zu machen.
„Unsere Schalenwildarten Rehe und Hirsche leben nach einem festen Rhythmus. Sie sind Wiederkäuer wie Kühe oder Schafe. Ihr Tagesablauf teilt sich in die Phasen schlafen oder ruhen, Äsen und Wiederkäuen“, erklärt Thiele die Zusammenhänge. Wenn Rehwild zum Beispiel drei oder vier Stunden geäst habe, dann schließe sich eine etwa ebenso lange Phase des Wiederkäuens an. Nur wenn das Rehwild die geäste, grob zerkaute Nahrung vorverdaut aus dem Pansen wieder nach oben würge und noch einmal mit seinen hinteren Backenzähnen zerkleinere, könne die Verdauung der Nahrung in den anderen Magenabteilungen, dem Labmagen, Netzmagen und Blättermagen, weiter voran getrieben.
Die Äsung wird mehrmals zwischen den Magenabteilungen hin und her geschoben und einige Male wieder in den Äser befördert und weiter zerkleinert. Dieses komplizierte Magensystem hat den Sinn, dass Wiederkäuer über die Mikroorganismen in den Mägen und das Wiederkäuen Kohlenhydrate erschließen können. Selbst Zellulose können sie auf diese Weise in Energie umwandeln. „Aber zum Wiederkäuen benötigen Rehe und Hirsche Ruhe“, fährt Thiele fort. Jede Störung bei diesem Verdauungsvorgang führt zu panischer Flucht und kostet Kalorien, anstatt sie zu liefern“.
Haben die Tiere ausreichend Ruhe, dann haben sie auch die Energie zu fliehen. Besonders dramatisch werde es aber bei hohen Schneelagen. Diese Witterung koste die Tiere erheblich mehr Kraft bei der Flucht. „Darum unsere Bitte an alle Naturfreunde: Lassen Sie Ihre Hunden in diesen Tagen grundsätzlich an der Leine. Liegt der Schnee einige Tage hoch, dann hat kaum ein Reh eine Chance, dem Hund zu entkommen“, sagt Thiele.
Häufig sei es so, dass angeschmolzener Schnee wieder überfriere und dann eine dicke und meistens harte scharfe Harschschicht bilde. „Wild, das dann flüchten muss, tritt durch den Harsch. Nach kurzer Strecke sind alle vier Läufe blutig. Das spornt Hunde noch mehr an, Rehwild weit zu verfolgen“.
Kaum ein Stück Wild verhungere in normalen Wintern in unseren Breiten. Viele aber würden Opfer des Winter-Stresses. „Das Laub ist gefallen, Wildtiere können den Menschen aus weitaus größerer Distanz sehen als in Herbst und Sommer. Ihre Fluchtdistanz, die normalerweise bei zwei- bis dreihundert Metern liegt, verdoppelt sich. Wir Menschen sind immer Gefahr aus Sicht des Wildes. Deswegen flüchtet es meistens panisch, wenn wir in die Nähe seiner gewohnten Ruheplätze kommen. Bitte halten Sie ausreichend Abstand ein, im Sinne unseres gesunden Wildes“, so der eindringliche Appell des Vorsitzenden der Jägerschaft Burgdorf.