Ein ganzes Dorf feiert Jubiläum

Historische Farbenpracht vor blauem Himmel: Die Gruppe des Feuerwehrmuseums Salzbergen präsentierte die damals modernste Dampfspritze aus dem Baujahr 1901. Kommandant Thomas Kolmes (r.) hat dabei alles im Blick. Wenn mal etwas nicht läuft „ist immer der Heizer schuld“, erklärte die Truppe humorvoll. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Strahlende Sieger nach dem Handspritzenwettbewerb und Freude über das gelungene Jubiläumswochenende (v. l.): Ortsbrandmeister Marc Otte, Gerhard Junge (FFW Späningen, 1. Platz), Erwin Ruhm (FFW Thönse, 2. Platz), Olaf Lindwedel (FFW Elze, 3. Platz) und der Stellvertretende Ortsbrandmeister aus Fuhrberg, Carsten Möhlenbrink. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Der Feuerwehrmusikzug Fuhrberg sorgte an den Jubiläumstagen mit seinen Stücken für gute Laune. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Drei Tage „volles Haus“ zum 125-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Fuhrberg

FUHRBERG (bgp). Für die Fuhrberger Feuerwehr war die Konkurrenzveranstaltung „Stadtfest in Großburgwedel“ am vergangenen Wochenende überhaupt kein Problem.
Die dreitägige Jubiläumsfeier zum 125-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr wurde so gut angenommen, dass beim Festgottesdienst am Sonntag sogar noch mehr Stühle herbeigeholt werden mussten, um allen Besuchern einen bequemen Sitzplatz zu bieten.
Ortsbrandmeister Marc Otte war mehr als zufrieden mit der überwältigenden Resonanz auf die Feierlichkeiten, die auf dem Gelände des Spargelhofes Heuer stattfanden: „Die Karten für den Festkommers am Freitag waren komplett ausverkauft.“ Knapp vierhundert Teilnehmer kamen zum Festessen mit großem Buffet, das keine Wünsche offen ließ.
An so einem Abend durfte der Feuerwehrmusikzug nicht fehlen, um mit passenden Stücken eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Freude herrschte ganz besonders beim Burgwedeler Stadtbrandmeister Ingo Motl und seinem Stellvertreter Dirk Hemmann, da beide am Kommersabend für ihr ehrenamtliches Engagement in der Feuerwehr geehrt wurden. Danach wurde die Halle auf dem Spargelhof zur Partymeile, als „DJ Timo“ mächtig einheizte.
Am Samstag fand das große Kräftemessen der Wehren statt. Zwölf Mannschaften lieferten sich einen Wettkampf nach Heimberg Fuchs, um vor den Augen von mehreren hundert Zuschauern die besten Plätze zu „erlöschen“. Die Wettmarer Feuerwehr ging siegreich aus dem Wettkampf hervor, die Gruppe Fuhrberg 2 kam ebenfalls auf das Siegertreppchen mit dem zweiten Platz.
Eine spontan zusammengestellte Truppe aus den Ortsbrandmeistern schaffte es immerhin auf den dritten Platz. „Obwohl wir das vorher noch nie zusammen geübt hatten, war das schon eine beachtliche Leistung“, freute sich Otte über die gute Platzierung. Ein Grund mehr, am Abend mit Livemusik von Timo und Band wieder ordentlich zu feiern. Eine Gruppe von Fuhrbergern konnte wegen einer Familienfeier erst gegen Mitternacht dazu stoßen. „Da war die Feier in vollem Gange, die Musik spielte bis 2.00 Uhr nachts“, freute sich Fuhrbergerin Petra G.
Der Sonntag nahm bei „Jubiläumswetter“ mit dem Festgottesdienst und anschließendem Mittagessen, zu dem die Feuerwehr für die Besucher eine Erbsensuppe spendierte, richtig an Fahrt auf. Wer auf das Festgelände kam, rieb sich die Augen. Hier präsentierten sich die Wehren mit liebevoll instand gehaltenen Schlauchwagen und Handdruckspritzen, die noch aus den Anfangszeiten der organisierten Brandbekämpfung stammten.
Neben geschichtsträchtigen Uniformen und Ausrüstungsgegenständen im Einsatz lieferten sich die sieben Mannschaften einen kräftezehrenden Wettkampf um den besten Löscheinsatz. Da kam mancher Kamerad angesichts der warmen Temperaturen unter dem historischen Feuerwehrhelm schon mal ins Schwitzen. Die zahlreichen Zuschauer beobachteten das Geschehen und belohnten den humorvollen Wettkampf mit viel Applaus.
Die präsentierten Handdruckspritzen auf der Festwiese wurden von noch fortschrittlicherer Technik übertroffen. Eine Gruppe des Feuerwehrmuseums Salzbergen demonstrierte eine rauchende und laut zischende Dampfspritze. Diese brillierte nicht nur durch eine „wie geschmiert“ laufende Mechanik, sondern war angesichts ihres Zustandes mit leuchtend rot-schwarzer Lackierung und polierten Drehschrauben aus Messing eine echte Augenweide. Viel bewundert und bestaunt wurde die in damaligen Zeiten „modernste“ Dampfspritze aus dem Jahr 1901, die auch noch mit goldfarbenen Verzierungen aufwartete.
„Die Dampfspritze ist in einer halben bis dreiviertel Stunde einsatzbereit“, erklärte Marcus Droste vom Feuerwehr-Museumsverein Salzbergen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass unter dem Kessel ein sogenanntes „Ruhefeuer“ Tag und Nacht brenne, das dann noch einmal richtig angeheizt werden müsse, um den nötigen Dampfdruck zu erzeugen, ließ der Fachmann wissen.
Am Jubiläumssonntag legte der Heizer ständig Holz nach, um die Dampfspritze den ganzen Tag über einsatzbereit zu halten. So war es ein Leichtes für die Gruppe, nach dem Ruf des Kommandanten Thomas Kolmes „Wasser marsch!“ einen weit reichenden Wasserstrahl über die Wiese zu schicken. Achthundert Liter pro Minute werden von der Dampfspritze durch das Strahlrohr gedrückt. „Mit den herkömmlichen Handdruckspritzen konnte man bei voller Leistung der Mannschaft nur etwa dreihundert Liter erreichen“, erläuterte Droste.
Den Beweis, dass man auch mit weniger Wasser löschen kann, hatten die angetretenen Mannschaften beim Handdruckspritzen-Wettbewerb bereits geliefert. Die Fuhrberger Spritzengruppe musste sich mit dem siebten Platz begnügen, Kleinburgwedel lag mit Platz sechs weiter vorn. Platz fünf belegte die Meitzer Feuerwehrgruppe, Engensen kam auf den vierten Platz.
Die Feuerwehr Elze löschte sich auf den dritten Platz, die Thönser Wehr auf Platz zwei. Der Fuhrberger Ortsbrandmeister freute sich besonders, dass die eigens aus Sachsen-Anhalt angereiste Partnerfeuerwehr Späningen den ersten Platz erreicht hatte. „Mit ganz viel Hilfe von den Fuhrbergern“, hob Gerhard Junge von der Späninger Wehr augenzwinkernd hervor.
Für die Feuerwehren und die Gäste ging das Jubiläumswochenende mit einem Sonntag, wie er im Bilderbuch stand, zu Ende. Der Feuerwehrmusikzug spielte zur Unterhaltung, während die Besucher an den Tischen bei Kaffee und Kuchen in der Sonne saßen. Ein zufriedener Ortsbrandmeister flanierte über den Platz und war dankbar, dass die Organisation so gut geklappt hat.
„Rund fünfzig Leute waren beim Aufbau immer dabei“, auch die Logistik mit der Einfahrt über den benachbarten Biohof Wöhler habe sehr gut funktioniert, sagte Otte mit Blick auf die historischen Fahrzeuge.  Geklappt hat es nicht nur mit den Angeboten für die Erwachsenen, auch die Kinder hatten am Samstag und Sonntag ein ganztägiges buntes Programm.
Geschicklichkeitsübungen mit einem kleinen Strahlrohr, Spiel und Spaß wurden stundenrund auf dem Festplatz geboten. Am Getränkewagen sprang für den Nachwuchs auch mal eine süße Limonade heraus, denn Karussell fahren, das Toben auf der Hüpfburg und „Bullen reiten“ mit dem Papa machten außerordentlich durstig. Wäre es nach den Kindern gegangen, hätte die Feuerwehr jedes Wochenende Jubiläum feiern können.