Ein frohes neues Jahr 2012 allen Leserinnen und Lesern

Gedanken zum Jahreswechsel

Der Jahreswechsel ist von Alters her eine Zeit der Unruhe auf der einen, eine Zeit der Hoffnung, der Zäsuren auf der anderen Seite. 365 Tage lang hat man sich Mühe gegeben, es besser zu machen als im Vorjahr, vielleicht auch den guten Vorsätze des vergangenen Jahreswechsels Taten folgen zu lassen.
Man sollte dabei realistisch bleiben: Wer den Vorsatz öffentlich ausspricht, eine Diät zu machen oder das Rauchen aufgeben zu wollen und dennoch glaubt, dass eine Cola Light die Kalorien in einer Portion Pommes mühelos killt oder das eingefrorene Speisen keine Kalorien enthalten, denn schließlich sind Kalorien Wärmeeinheiten, der scheitert. Ebenso wie der, der rauchen wegen der Wärmeentwicklung dabei als Beitrag zum Klimaschutz versteht, denn natürlich gewachsene Dinge zu verbrennen gilt ja als Beitrag dazu.
Die Bilanz fällt meistens nicht sehr rosig aus, so die Erfahrung.

Symbolik zum Jahreswechsel

Wir greifen nun die Symbolik unserer Ahnen auf, vertreiben die bösen Geister , die vor Jahrhunderten für die kranke Kuh im Stall verantwortlich gemacht wurden oder für das Huhn, das keine Eier legte, mit Lärm. Das waren zwar heidnische Zeiten, aber schaden kann es ja auch heute nichts. Die christliche Komponente kommt auch voll zum Zuge: Wir besuchen den Jahresendgottesdienst, essen Fisch in Erinnerung der frühen Christen Roms. Aber reicht das aus? Führt die Erkenntnis aus der Generalabrechnung mit dem vergangenen Jahr und sich selbst zu irgendeiner Läuterung? Die Erfahrung lässt befürchten: Meistens nicht.
Die Feiern zu Silvester, gewissermaßen als Begrüßung und Einzug in das neue Jahr gedacht, fallen meistens ausgesprochen feucht und fröhlich aus. Da ist kaum Platz für Nachdenklichkeit. Alles ist ausgerichtet auf die magische Zeit 00.00 Uhr. Schon ist das neue Jahr da, und es ist auf die gleiche Weise gekommen wie die alle Jahre zuvor. Ein ungeheures Feuerwerk beginnt flächendeckend, eine Investition der Deutschen in die Wirtschaft in Höhe einiger hundert Millionen Euro.

Lebenswirklichkeiten

Wer denkt in diesem Zusammenhang noch an „Kaufzurückhaltung“? Wer denkt dabei an die Millionen Mütter und Väter in anderen Teilen der Welt, die sich beim Knall eines eher harmlosen Böllers angesichts ihrer jüngsten Lebensgeschichte schützend über ihre Kinder werfen, eine nicht zu steuernde Reaktion auf ihre gelebte Wirklichkeit.
Wer denkt angesichts der hundert Millionen, die im Nachthimmel verpuffen, an die Mitbürgerinnen und Mitbürger, die in Deutschland verarmen, unter Existenzangst, Arbeitsplatzverlust und sozialer Kälte leiden? Hartz IV steht da im Raum als Begriff für Deutsches Elend, ein staatlich verordneter Verarmungsprozess, dem sich immer mehr Menschen hierzulande stellen müssen.

Perspektiven 2012

Doch dazu kommt in diesem Jahr frohe Kunde: Zum Neuen Jahr steigt das Arbeitslosengeld II, eine Erhöhung der Regelleistung gedacht für Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat und Teilnahme am kulturellen Leben. Die Erhöhung für die fein differenzierten bezugsberechtigten Gruppen liegen zwischen elf und vier Euro monatlich. Das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen angesichts der Möglichkeiten, die diese Republik bewiesen hat im Zusammenhang Finanzkrise (2008/09) und Euro-Stabilitätssicherung (2010/11). Und dann gibt es nochmal gute Nachrichten: Die Rentenbeiträge für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sinken, aber dafür müssen wir alle länger arbeiten: Ab morgen beginnt die schrittweise Anhebung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre.

Vorsicht bei Feuerwerk

Nach gut zwei Stunden ist das größte Feuerwerk der Welt dann vorbei, und erst Tage später wird hier meist traurige Bilanz gezogen: Ein paar tausend abgerissene Finger, zerstörte Augen, Alkoholvergiftungen jede Menge bundesweit, Brände, Schäden und vieles mehr. Zumindest diese Verletzungen kann man selbst verhindern: Die Gebrauchsanweisungen der Feuerwerkskörper noch vor dem Alkoholgenuss in Ruhe durchlesen, und sie auch im nüchternen Zustand abbrennen. Nüchtern sein dabei hat den großen Vorteil, man findet den abgerissenen Finger schneller als im angetrunkenen Zustand. Wer dann noch zügig in die Unfallklinik kommt, hat gute Chancen, dass der Finger wieder angenäht werden kann.
Dennoch, was wäre ein Jahreswechsel ohne Hoffnung auf bessere Zeiten? Die Freude am Leben, der Spaß, und das Lachen dürfen nicht zu kurz kommen. Ohne eine positive Grundeinstellung wird 2012 wahrscheinlich auch nicht besser als das nun ablaufende Jahr. Mit etwas mehr Engagement, ob im Kreis der Familie oder in der Öffentlichkeit kann jeder dazu beitragen, das neue Jahr zu einem besseren zu machen.
Der MARKTSPIEGEL- VERLAG wunscht allen Leserinnen und Lesern sowie den Geschaftspartnern ein frohes, gesundes Neues Jahr 2012!
Hans Hermann Schröder