Ein frohes Neues Jahr 2011 allen Leserinnen und Lesern

Mit Feuerwerk wird überall das Neue Jahr begrüßt. (Foto: Anna Kentrath)

Gedanken zum Jahreswechsel

Silvester und Neujahr, das sind zwei Feiertage ganz unterschiedlichen Charakters, hier kulminieren innerhalb weniger Stunden uralte Bräuche: im Moment des Jahreswechsels nimmt die Freude meist karnevalistische Züge an. Landesweit beginnt ein flächendeckendes Feuerwerk, selbst Mitbürgerinnen und Mitbürger, die den Humor nicht erfunden haben, tarnen sich mit einer Pappnase, werfen Konfetti oder versuchen, mittels Bleigießen in die Zukunft zu schauen. Trotz der allgemeinen Ausgelassenheit sollte man niemals vergessen, unübersichtlich in der Nähe des Telefons die Notfallrufnummer an die Wand zu heften. Schnell muss es gehen, wenn sich ein Gast bei der Feier zum Jahreswechsel mit einem Böller einen Finger weggesprengt hat.
Am Neujahrsmorgen wollen die guten Vorsätze „gelebt werden“: Man hält für die Übernachtunsgäste ein „Studentenfrühstück“ vor, schwarzer Kaffee, jeweils eine Gaulloise und Aspirin, man wünscht Freunden und Bekannten ein frohes Neues Jahr, bemüht sich wirklich, das Rauchen oder eine andere „unangenehme Eigenschaft“ abzulegen, alles schließlich erste und meistens auch ernst gemeinte Bemühungen, das Neue Jahr doch besser zu gestalten als das alte. Symbole des Glücks haben Hochkonjunktur: Schweinchen, Kleeblätter, Schornsteinfeger, schließlich auch das Silvesterfeuerwerk, Neujahrsgrüße wie „Prosit“, sie alle weisen auf die Ernsthaftigkeit, auf den Willen zur Verbesserung und damit zur Veränderung hin. Man sollte den Vorsatz für die Tat gelten lassen.
Diese beiden Feiertage, die innerhalb einer Sekunde vom Ende zu einem neuen Anfang wechseln, bieten immer Anlass zur Rückschau. 2011 wird sicherlich seinen ganz eigenen Charakter haben: Da deutet sich zunächst das Thema Y-Trasse an, das in den vergangenen Tagen schon auf makabere Weise deutlich gemacht hat, dass die Idylle grüner Weiden und glücklicher Kühe trügerisch sein kann. In Bezug auf dieses Thema haben die betroffenen Kommunen Burgdorf, Burgwedel, Wedemark, Isernhagen und Lehrte den Schulterschluss zum Widerstand angekündigt. Dann werden die Niedersachsen im September zur Kommunalwahl schreiten, hoffentlich in großer Zahl und schließlich werden sich alle wieder auf das Jahresende freuen, wieder gute Vorsätze fassen und sie voraussichtlich wieder nicht übers Jahr durchhalten.
Wie die Erfahrung zeigt, liegt der Denkfehler, gewissermaßen die Ursache für das Scheitern, in der Bündelung der guten Vorsätze. Sicherlich wäre es richtiger, sich auf ein oder höchstens allenfalls zwei Dinge zu beschränken, daran zu arbeiten, sich um diese zu bemühen. Das macht es einem nicht so schwer, wenn es schief geht, wird aber zum großartigen Erfolgserlebnis, wenn nur ein Vorsatz gelingt. Man halte sich am Besten an die Gedanken Wilhelm Buschs in seinem Gedicht „Zum Neuen Jahr“:
Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
möge Dir gelingen.
Wilhelm Busch
Ob das Jahr 2010, das heute zu Ende geht, letztlich ein gutes Jahr war, unterliegt dem subjektiven Urteil des Betrachters. Ob 2011 besser wird als sein Vorgänger, dafür haben wir alle wieder 365 Tage Zeit zu sorgen. Der MARKTSPIEGEL-VERLAG wünscht allen Leserinnen und Lesern sowie den Geschäftspartnern ein frohes, gesundes Neues Jahr 2011! Hans Hermann Schröder