Ein Abend voller "Hochlichter"

Die Medlz brannten ein Gesangsfeuerwerk im Amtshof ab (v. l.): Nelly Palmowske, Silvana Mehnert, Sabine Kaufmann und Maren Kips.

Das Gesangsensemble „Die Medlz“ verzichtet auf Anglizismen und sucht mit dem Publikum nach humorvollen Übersetzungen

GROSSBURGWEDEL (bgp). Vor sieben Jahren waren sie schon einmal zu Gast in Burgwedel, am Mittwochabend begeisterten die Sängerinnen des Gesangsensembles „Die Medlz“ erneut die Zuschauer. Sabine Kaufmann, Gründungsmitglied der „besten weiblichen A Cappella Popband Europas“ moderierte geistreich das Programm „Heimspiel“ im ausverkauften Amtshof. Der Anspruch der Medlz gestaltete sich im Zeitalter der Anglizismen als humorvolle Anstrengung: „Wir singen und sprechen nur auf Deutsch“. Die Sängerinnen baten das Publikum um Mithilfe: Jeder englische Begriff sollte mit einem lautstarken „Möööp“ geahndet und Alternativen auf Deutsch gesucht werden. So wurde aus einschlägigen Social Media Kanälen das „Gesichtsbuch“, die Highlights des Abends zu „Hochlichtern“ und der CD-Verkauf im Foyer zum „Tonträgerverkaufsstand“. Sabine Kaufmann sprach über den Vorteil, in der deutschen Sprache beliebig viele Wörter aneinander reihen zu können: „Wenn man einen Satz anfängt, weiß man nie, wo er endet!“
Genau wie im Liedtitel des zweieinhalbstündigen Programms brannten die Medlz den ganzen Abend über einen „Karneval der Gefühle“ ab. Die Kombination aus Beethovens „An die Freude“ über „Die Prinzen“ bis hin zu Rammstein und Schlagerkönigin Helene Fischer zeigte das enorme stilistische und stimmliche Spektrum der Sängerinnen. Getoppt wurde der Abend mit einem Ratespiel der Extraklasse: Jeweils zwei Interpreten und deren Liedtitel sollten gefunden werden. Das Quartett sang den Text von „Atemlos“ zur Melodie von „Santa Maria“ des Schlagersängers Roland Kaiser. Sie ließen Texte der Ärzte zu Udo Lindenberg-Melodien erklingen. „Männer sind Schweine“ hört sich mit den Noten von „Sonderzug nach Pankow“ völlig anders an, die ungewohnte Verfremdung meisterten die Sängerinnen brillant. „Es gibt so viele tolle deutsche Künstler“, leitete Kaufmann zu einem Medley über, das sie selbstverständlich auf Deutsch als einen „Bunten Blumenstrauß voll schöner Melodien“ bezeichnete. Darin brachte das A Capella Quartett beeindruckende 23 Titel von Nena, Matthias Reim und vielen anderen deutschen Musikern unter. Auch der Dialekt aus der sächsischen Heimat der Sängerinnen kam zum Einsatz. „Atemlos“ von Helene Fischer wurde zur humorvollen Einlage, die mit viel Applaus quittiert wurde.
Die Medlz verblüfften mit großem Ideenreichtum und bewiesen mit hoher Professionalität, dass sie ihr Handwerk „von der Pike auf“ gelernt haben. Drei von ihnen kennen sich bereits aus Kindertagen, als sie zusammen im Philharmonischen Kinderchor Dresden zehn Jahre lang ihre hohe stimmliche Qualität erarbeiteten. Beim Konzert in Großburgwedel gaben die Medlz alles, das Publikum war ehrlich begeistert doch stellenweise etwas zögerlich. Erst nach zwei Zugaben zeigten die Besucher beim Schlussapplaus mit Standing Ovations, was wirklich in ihnen steckt.
Die Medlz touren zurzeit durch ganz Deutschland, für den 13. Dezember 2020 ist ein Konzert in Hannover geplant.