Drei Projekte unter dem Aspekt Tradition und Moderne

Einfachheit in Material und Konstruktion. Die Fassade aus Glas und Stahl besticht durch die markanten Lamellen, „Ziegelbaguette“ genannt. (Foto: Renate Tiffe)

Großburgwedel hatte zum Tag der Architektur viel zu bieten

Grossburgwedel (ti). Gleich drei Projekte waren es, die in Großburgwedel am Tag der Architektur vorgestellt wurden: der Amtspark, der im Zuge der Gartenregion mehr Kontur erhielt, das modernisierte ehemalige Knickmannhaus und angeschlossen der Amtshof als neues Veranstaltungszentrum für Burgwedel – eine Verbindung aus Tradition und Moderne, die auch Fachpublikum aus der näheren Umgebung neugierig gemacht hatte.
Mit seinem großzügigen Wegesystem, der sorgfältigen Einbeziehung des alten Baumbestandes in seinen Randbereichen und der Neuanlage von Beet- und Rasenflächen ist der Amtspark in seiner Struktur „aufgefrischt“ worden. Der große Spiel- und Kletterdrachen am Übergang vom Spielplatz zur Waldfläche und der Bouleplatz verleihen ihm mehr Attraktivität, so dass beste Voraussetzungen für eine „zeitgemäße Nutzung für alle Altersgruppen“ gegeben sind, wie Jens Martins es formulierte. Der Landschaftsarchitekt vom hannoverschen Büro grün und raum, das mit der Umgestaltung beauftragt war, führte durch die  Anlage.
Das mit EU-Mitteln geförderte Gesamtensemble aus Knickmannhaus und neuem Amtshof hat im Nachhinein durch die Anbindung an die Von-Alten-Straße eine Öffnung zum Ortszentrum erfahren. Anfangs aus Grundstücksgründen nicht mit zu planen, hatte die Stadt großen Wert darauf gelegt, als dies möglich war, und sich die Baumaßnahme einiges kosten lassen. Von der Blickachse, die sich von der Fußgängerzone aus ergibt, schwärmen nicht nur Fachleute. Der Landschaftsarchitekt Thomas Ostermeyer von der Gruppe Freiraumplanung in Hannover, die für die Außengestaltung des neuen Kulturzentrums zuständig war, hob bei der Führung die weite Bewegungsfläche hervor mit der Pflasterung wie auf dem Domfront-Platz, erläuterte den Wasserabfluss im Untergrund und gab Auskunft zur Bepflanzung. Das Foyer des Amtshofes ist von beiden Seiten zugänglich.
Das Raumprogramm im Innern – Konzert- und Ratssaal - sei für einen Architekten total überschaubar gewesen, begann Harald Kiefer vom Sarstedter Büro Kiefer und Kiefer seine Führung. Die Frage sei nur gewesen, wie baut man in der jungen Stadt Burgwedel, wie reagiert man auf die Dörflichkeit in der Herkunft? Als prägend wurden die außenliegenden Gebäude empfunden und so entschieden sich die Architekten für eine Art Scheune als Grundthema. Gewollt war die Einfachheit in Material und Konstruktion mit der Fassade aus Glas, Stahl und den markanten Lamellen, in Fachkreisen als „Ziegelbaguette“ bekannt.. Was schließlich wirkt wie ein erweiterter Rohbau, bedurfte allerdings des besonderen Fleißes der Architekten. „Wir mussten viel malen“, erinnerte sich Kiefer lächelnd anhand der Bauzeichnung, die präzise jedes Detail u.a. von Stahlträgern und Rohren und ihren Verbindungen wiedergab - was auch für die Handwerker eine Herausforderung war. Mit Verkleidung sei alles viel leichter zu machen, meinte er. Bezüglich der Innenausstattung sei es dann die Kunst gewesen, alles in einem bestimmten Zeitfenster zu entscheiden. Es sei jedoch ein angenehmes, sehr kultiviertes Arbeiten gewesen.
Kiefer beantwortete gern die speziellen Fragen der Besucher nach Akustik und Schalldämmung, nach Heizsystemen und Elektroausstattung. Auf einen Knopfdruck verwandelte sich der lichtdurchflutete große Saal mit den farblich harmonisch abgestimmten Riesenvorhängen in einen abgedunkelten Konzert- und Theatersaal.
Was der Architekt mehrfach hervorhob,  war der pflegliche Umgang der Stadt mit der neuen Immobilie. Es werden Schulen und Kindertagesstätten gebaut und man fasse sich manchmal an den Kopf, in welchem Zustand sie sich nach kurzer Zeit befinden, bedauerte er.