Drei Künstler, drei Gattungen, dreierlei Wirklichkeiten

Der rege Austausch mit den Künstlern selbst kam auch bei dieser Ausstellung des „kunstvereins burgwedel/isernhagen“ keinesfalls zu kurz. (Foto: Anna Kentrath)
 
1.)Dreierlei „Wirklichkeitskunst“: Eckart Pscheidl-Jeschke (v.l.n.r.), Fotografie, Eugen Kunkel, Malerei und Edvardas Racevicius, Skulpturen, zeigten Auszüge ihres künstlerischen Schaffens. (Foto: Anna Kentrath)

Ausstellungseröffnung „realismus mal 3“ im Rathaus Großburgwedel

GROSSBURGWEDEL (ak). Drei Künstler, drei Gattungen, dreierlei künstlerische Auseinandersetzungen mit der Wirklichkeit erwarteten Freitagabend bei der Ausstellungseröffnung des „kunstvereins burgwedel isernhagen artclub“ unter dem Titel „realismus mal 3“ die Gäste im Rathaus in Großburgwedel. Drei junge Vertreter der zeitgenössischen „Wirklichkeitskunst“ Eugen Kunkel, Malerei, Eckart Pscheidl-Jeschke, Fotografie, und Edvardas Racevicius, Skulpturen, präsentierten einen Auszug ihres künstlerischen Schaffens.
„Das Wetter ist schön, der Fußball rollt und das Schützenfest beginnt“, stellte Stefan Rautenkranz, Vorsitzender des „kunstvereins burgwedel/isernhagen artclub“, bei seiner Begrüßungsrede fest und doch hatten sich eine ganze Reihe Kunstinteressierter eingefunden, um sich den drei Perspektiven von Wirklichkeiten zu stellen. Mit dem Zitat Pablo Picassos „Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit erkennen lässt,“ fand Rautenkranz den Einstieg in die Thematik der Ausstellung und verwies auf eine „Welt zwischen Schein und Sein“, die unser mediales Zeitalter der Computersimulationen durchweg prägt. und schlug so einen Bogen zu den drei ausstellenden Künstlern, die sich in den unterschiedlichen Gattungen Malerei, Fotografie und Skulptur dem Thema „Wirklichkeit“ nähern.
Nüchtern betrachtet bildet Eugen Kunkel in seiner Malerei die Wirklichkeit ab, Darstellungen der Natur, teils mit Figuren, die dem Betrachter immer den Rücken zuwenden. Doch anders als bei einer Fotografie, die einen Augenblick einfängt, bevor er eine Veränderung erfährt, scheinen seine Bilder eine zeitlose Ruhe auszustrahlen, eine konzentrierte Wirklichkeit abzubilden, gewissermaßen eine künstlerische Essenz an Realität. Stellen Fotografien zwar den Ausgangspunkt seiner Arbeiten dar, so tritt zu dem eingefrorenen Augenblick eine weitere Zeitkomponente, der Entstehungsprozess der Malerei. Kunkels Bilder kennzeichnet einerseits realistisch anmutende Detailtreue, als auch eine leuchtende Farbigkeit, die die Wirklichkeit neu zu erschaffen scheint.
Eckart Pscheidl-Jeschkes Fotografien, ausschließlich im Format 60 zu 40, ließen viele Besucher stutzen, da der Pigmentdruck die Einschätzung erschwerte, ob es sich dabei um Malerei oder Fotografie handelte. Alltäglichkeiten und Absurditäten dominierten seine Bilder, so fügte sich ein startendes Flugzeug hinter einem verlassen wirkenden Gebäude neben die Abbildung eines Hofes unter grauem Himmel. Pscheidl-Jeschke geht von der Künstlichkeit der durch den Menschen geschaffenen Landschaften aus und hält die Vergänglichkeit dieser in seinen Fotografien fest, wie in „schwere Fahrt“, einem aufgebockten, verwitterten Holzboot, das von den Wellen trockenen Schilfes umspült wird.
Als „Metamorphose des Werdens und Vergehens“ bezeichnete Stefan Rautenkranz die Skulpturen von Edvardas Racevicius. Hier wird die Veränderung durch die Zeit Bestandteil der Kunst. Das Holz der Skulpturen bedingt eine beständige Wandelund der Objekte, das Material lebt und arbeitet, wird zu einer unkalkulierbaren Variante in den Werken von Raceviciusr. Die weichen, organischen Formen der Kegel und Kugeln, mal mit großen Noppen versehen, mal glatt und sanft, schmiegen sich aneinander und schaffen neue Räume, neue Wirklichkeiten. Je nach Lichteinfall scheint die Farbigkeit der Holzmaserung im Wandel und einen anderen, einen neuen Blick auf die Skulptur zuzulassen.
Diese drei Blickwinkel auf unterschiedliche Wirklichkeiten boten hinreichend Gesprächsstoff für die Gäste der Vernissage, die untereinander und mit den Künstlern diskutierten oder aber den Gitarren-Klängen des Australiers Kym Hatton lauschten, der mit Live-Musik die Ausstellungseröffnung stimmungsvoll begleitete. Bis 30. Juli 2010 können die Werke der drei Künstler im ersten Stock des Rathauses Burgwedel, Fuhrberger Str. 4 in Großburgwedel, noch in Augenschein genommen werden.