„Doppelte Geschwindigkeit bedeutet vierfachen Bremsweg“

Mit ihren orangefarbenen Hütchen konnten die Fünftklässler markieren, an welcher Stelle ihrer Meinung nach das Fahrzeug bei einer Vollbremsung anhalten würde. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Praktisches Mobilitätstraining für die 5. Klassen der Oberschule

GROSSBURGWEDEL (bgp). Im „wahren Leben“ arbeitet Detlef Gigga als Fahrlehrer, aber im Nebenberuf hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern anhand von praktischer Demonstration etwas über die Risiken im Verkehr zu vermitteln.
In Zusammenarbeit mit der Oberschule zeigte der Mobilitätsbeauftragte des ADAC den Fünftklässlern mit seinem Fahrzeug, wie lange es dauert, bis ein vermeintlich langsamer PKW bei einer Vollbremsung zum Stillstand kommt.
Große Aufregung am Fahrbahnrand herrschte bei den Kindern der Klasse 5c, als Detlef Gigga am Donnerstagmorgen mit seinem Auto die vorgesehene Markierung überfuhr und eine rasante Vollbremsung machte. Die Schüler schauten gleich nach, ob sie mit ihrer Einschätzung richtig lagen, wie weit das 30 km/h schnelle Fahrzeug bei der Bremsung kommen würde.
Dazu hatte jedes Kind ein kleines Hütchen mit einer Nummer erhalten und dieses an den vermuteten Punkt gestellt. Der Test wurde noch einmal mit 50 km/h wiederholt und brachte den Beweis, dass der Bremsweg bei 20 km/h höherer Geschwindigkeit bereits erheblich länger ist.
Die Theorie kam dabei nicht zu kurz, denn die Kinder hatten vorher eine kleine Einführung bekommen, wie sich die Geschwindigkeit auf unterschiedliche Faktoren wie Reaktionsweg, Bremsweg und Anhalteweg auswirkt. Die Oberschüler hörten aufmerksam zu und lernten, dass Autofahrer auch oft durch Handys abgelenkt seien und deshalb die Reaktionszeit auch länger sei.
Auf die Frage von Detlef Gigga: „Wollt ihr mal eine Vollbremsung erleben“ ertönte gleich ein lautes „Ja“. Die Kinder konnten auf Wunsch im Auto mitfahren und den Bremsvorgang im Fahrzeug erleben. Dazu waren sie, je nach Größe auch mit Sitzerhöhung, ordnungsgemäß angeschnallt.
Um zu demonstrieren, dass nicht gesicherte Gegenstände im Fahrzeug bei einer Vollbremsung zum Geschoss werden können, wurde ein kleiner Fußball auf der hinteren Ablage platziert. Die Kinder waren sichtlich beeindruckt und Tim aus der 5c stellte nüchtern fest: „Wenn ich keinen Sicherheitsgurt hätte, würde ich in den Airbag fliegen“.
Das Mobilitätstraining vermittelte die Kenntnisse zunächst aus der Perspektive der Fußgänger, nun hatten die Schüler die Situation auch aus der Sicht des Autofahrers kennengelernt. Dabei haben sie körperlich erfahren, dass sich bei Tempo 50 km/h das Gewicht um das 20-fache erhöht und sie stark in den Gurten hingen.
Fachlehrer Karl-Wilhelm Ahlbrecht von der Oberschule zeigte sich erfreut, dass die Kinder auf sehr realistische Weise etwas über die Gefahren im Verkehr lernen können: „Hier wird anschaulich gezeigt, welche Faktoren das Anhalten beeinflussen“. Die Kinder waren mit großer Freude dabei und konnten die dafür geopferte Mathestunde offensichtlich gut verkraften.