Die Wietze ist ihrem Naturzustand ein großes Stück näher gekommen

Peter Hoyer zeigt die Sohlgleite am Hellern, deren ganzes Ausmaß wegen leichten Hochwassers nicht zu sehen ist. Kies und Geröll verengen hier das Flussbett und geben den Kleinfischen wieder eine Chance. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Der gesamte Kies, das Geröll und die Findlinge wurden in der Sohlgleite verbaut. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Unterhaltungsverband arbeitet weiter an verbessernden Maßnahmen

BURGWEDEL/ISERNHAGEN (hhs). Das Flüsschen Wietze ist das Hauptgewässer in den drei Gemeinden Burgwedel, Isernhagen und Wedemark. Ihre Pflege und Unterhaltung wird vom „Unterhaltungsverband Nr. 46 Wietze“ geregelt. Die Nummer 46 kommt dadurch zustande, weil alle Unterhaltungsverbände in Niedersachsen durchnummeriert werden. Gesetzliche Grundlage dafür ist das Niedersächsische Wassergesetz. Die Wietze ist ein Gewässer II. Ordnung. In die Pflege des Flusses sind auch die Nebengewässer einbezogen, darunter als wesentliche Wulbeck, Hengstbeeke, Rixfördegraben, Mühlengraben (Wedemark). Die Wietze selbst ist gut 37,5 Kilometer lang mit einem Einzugsgebiet von 530 Quadratkilometern. Keine leicht Aufgabe für den Unterhaltungsverband, dennoch ist es ihm gelungen, die Qualität der Wietze deutlich zu steigern.
Peter Hoyer, ehemals Leiter des Bauamtes in Burgwedel, hat vor sechs Jahren den Posten des Geschäftsführers des Unterhaltungsverbandes übernommen. In den sechs Jahren habe sich vieles verändert, sagt er im Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten. Die Unterhaltung eines Gewässers umfasse zunächst seinen ordnungsgemäßen Abfluss aber auch dessen Pflege und Entwicklung. Maßnahmen zur Gewässerunterhaltung sind die Reinigung, Räumung und das Freihalten des Gewässerbetts und seiner Ufer und schließlich die Erhaltung und Anpflanzung Standort gerechter Ufergehölze Erle/Esche. Im Jahr 2000 sei in Niedersachsen die so genannte Wasserrahmenrichtlinie in Niedersachsen in Kraft getreten, die die Maßnahmen zur Gewässerunterhaltung so definiert habe und zusätzlich Bewirtschaftungsziele formuliert habe: Natürliche Gewässer müssen bis 2015 in einen guten ökologischen Zustand versetzt werden.

„Die Wasserqualität der Wietze hat sich verbessert“, sagt Hoyer. „Sie liegt im Bereich II mäßig belastet bis II-III kritisch belastet nach dem Gütebericht der Region Hannover vom vergangenen Jahr. Um die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen, haben wir bis Ende 2009 Bewirtschaftungspläne aufgestellt und in Maßnahmenkataloge und Umsetzungsziele zusammengefasst, von denen wir als Unterhaltungsverband schon einen großen Teil umgesetzt haben“. Die EU habe diese Maßnahmen mit 90.000 Euro finanziert, 10.000 Euro habe das Land beigesteuert.
Und davon kann man schon eine ganze Menge sehen, wenn man an der Wietze und ihren Nebengewässer entlang wandert. So sind im Bereich Langenhagen und Isernhagen am Wietzesee/Wietzepark sehenswerte Struktur verbessernde Maßnahmen schon in den beiden vergangenen Jahren durchgeführt worden. Die Burgwedeler Nachrichten haben damals ausführlich darüber berichtet. „In den anderen Bereichen der Wietze müssen wir zunächst für Durchgängigkeit sorgen“, so formuliert es der Verbandsgeschäftsführer. „Durchgängigkeit bedeutet, dass jeder Fisch die Chance hat, von der Mündung des Flusses bis zu seinem Ursprung durchschwimmen zu können“.
Insbesondere für Kleinfische in der Wietze und ihren Nebengewässern sei das wichtig. Die können diesen langen Weg nicht schaffen, denn sie können die so genannten „Sohlabstürze“ nicht überwinden. Sohlabstürze wurden früher immer dort in eine begradigtes Flussbett eingebaut, wo das Wasser auf kurzer Strecke ein Gefälle zu durchfließen hatte. Es handelt sich dabei um Stahleinbauten, die das Flussbett verengen und somit das Wasser leicht anstauen. Das Wasser fällt hinter denen in der Wietze um mehr als einen Meter. Das schafft kein Kleinfisch.
Einige dieser Sohlabstürze sind schon verschwunden und durch so genannte Sohlgleiten ersetzt worden. Eine von diesen befindet sich direkt auf der Grenze zwischen Region Hannover und Landkreis Celle. Hier hat der Unterhaltungsverband zunächst die Uferstruktur verändert und dann auf einer knapp 200 Meter langen Strecke Kies in unterschiedlichen Größen und Findlinge im Flussbett verbaut. „Auch das verringert die Fließgeschwindigkeit des Wassers und der kleine Wasserfall, der beim Absturz unvermeidlich ist, wird vermieden. Die Fische können durchschwimmen und Kleinfische suchen hinter den großen Steinen im Wietzebett Schutz“, erklärt Hoyer.
Im kommenden Frühjahr wird an der Wietze im Bereich der Gemarkungen Fuhrberg und Wedemark ein weiterer Sohlabsturz durch eine Sohlgleite ersetzt. Auch für das kommende Jahr vorgesehen ist eines der Hauptprojekte dieser Renaturierungsmaßnahmen, der Bau einer mehrstufigen Sohlgleite am Wehr an der Mohmühle im Bereich Meitze/Fuhrberg und der Bau eines 170 Meter langen Umfluters dort.
„Wir wollen mit diesen die Strukturen in den Gewässern verbessern, das geschieht mit Laufverlängerungen,,wo es möglich ist. Wir lassen eigendynamische Entwicklungen zu. Es ist besonders wichtig die Sohlstruktur zum Bessern zu verändern mit Kieseinbauten, Belassen von Totholz, Erzeugen von unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten. Aus Letztem resultieren dann unterschiedliche Wassertiefen und sogar Teilverlandungen“, bringt es Hoyer auf den Punkt. Damit würden auch die Sandeinträge verringert.
„Wenn wir am Flussbett insbesondere Erlen pflanzen, dann stabilisieren wir nicht nur die Ufer, wir fördern auch die verschiedenen Lebensbedingungen von wirbellosen Kleinstlebewesen, die am Anfang der Nahrungskette der meisten anderen Flussbewohner stehen“, freut sich Hoyer. „Wir müssen die Ufer und Flussbetten pflegen“, sagt er und meint damit, sie zu mähen. Früher hätten die Flussufer danach ausgesehen wir Rasen, heute bleibt dort eine Menge Pflanzen unberührt. „Noch vor ein paar Jahren wurden die Flussbetten mit dem Bagger geräumt, heute werden sie gemäht, mit zehn Zentimeter Abstand zum Boden. Die Wurzeln der Wasserpflanzen bleiben intakt. „Wir können die Wietze nicht in ihren Urzustand zurück versetzen, aber wir können diesen begradigten Fluss so gestalten, dass er allen Bedürfnissen der Lebewesen entspricht“.